„Start-up“ am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

QR-Code für den Corona-Alltag: Hammer Schüler entwickeln Sitzplatzmanager

Schüler des Stein-Gymnasiums haben eine Sitzplatzerfassung per QR-Code erstellt.
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Ein schulisches Start-up: Schüler des Stein-Gymnasiums haben zur Einhaltung der Corona-Vorgaben für die Schule eine Sitzplatzerfassung per QR-Code erstellt.

Corona und Beschränkungen? Für vier Oberstufenschüler des Freiherr-vom-Stein-Gmynasiums bietet diese Zeit eher das Gegenteil: neue Möglichkeiten, Freiheiten. Sie entwickelten einen „SiPlaMa“.

Hamm - Was ausgeschrieben nur halb so spannend klingt, nämlich „Sitzplatzmanager“, ist das Ergebnis eines, man kann sagen, schulischen Start-ups. Den haben die 16- und 17-Jährigen am Stein eingeschlagen und ermöglichen Raumnutzungen, die an anderen Schulen unter Corona-Auflagen nur mit vergleichsweise großem Aufwand möglich sind oder gar nicht. Ihr selbst programmiertes Modul ist so einfach und flexibel, dass es auch in Restaurants und anderen Einrichtungen zum Einsatz kommen könnte.

Ausgangslage

Laut NRW-Ministerium für Schule und Bildung muss jede Schule in allen Räumen die Belegung der Sitzpläne dokumentieren. Das dient der Erfassung möglicher Infektionsketten und soll im Ernstfall eine weitere Ausbreitung der Corona-Erkrankungen stoppen. In den Klassen- und Kursräumen ist die Erfassung kein Problem. Die Schüler haben feste Plätze. So werden aber nicht alle Räume einer Schule genutzt. „In unserer schuleigenen Cafeteria, der Bibliothek, im Oberstufenraum und im auch für Vorträge oder Elternabende genutzten Mini-Hörsaal ist dies schon deutlich problembehafteter“, sagt der stellvertretende Schulleiter Thomas Leckelt.

Das zeigte sich jüngst beim Treffen des Schülerrats. Etwa 20 Minuten und damit eigentlich viel unnötige Zeit habe es gekostet, um den Sitzplan zu erstellen, sagt Q2-Schüler Jannik Bäumer. Hinzu kommt die manuelle Verwaltung, Archivierung und so weiter. „Wir haben nach einer besseren Lösung gesucht“, sagt er über das Team, zu dem noch Leonard Sander, Yannis Orzechowski und Oliver Garcosch gehören.

Der SiPlaMa kommt derzeit in drei Räumen des Stein-Gymnasiums zum Einsatz.

Programmierung

Das Ergebnis der Suche fanden die vier Q2-Schüler des Informatik-Grundkurses schnell. „Am besten geht es digital und über QR-Codes und Handy“, sagt Jannik Bäumer. Einige Restaurants nutzen dynamische Webseiten zur Erfassung von Kontaktdaten. Das nahmen sich die Schüler zum Vorbild, um ein eigens Modul zu entwickeln. Die Umsetzung war dagegen ein arbeitsreicher Prozess. Mit Datenbanken haben sie sich im Informatik-Grundkurs bei Thomas Leckelt beschäftigt, aber programmieren? „Wir hatten davon nicht wirklich Ahnung“, gesteht Leonard Sander. Er brauchte aber nur, wie er sagt, ein Wochenende, um das zu ändern und sich in vier Programmiersprachen einzuarbeiten (HTML, PHP, CSS, SQL). Es galt diverse Überlegungen ins Digitale zu übersetzen, zum Beispiel: „Wie kann man die Datenerfassung möglichst vereinfachen“, sagt Jannik Bäumer.

Durch Arbeitsteilung nahm das Projekt zügig Formen an – nicht nur virtuelle. Oliver Garcosch entwickelte die grafische Benutzeroberfläche, auf der das Logo im Sinne der Stein-Symbolik ins Auge fällt. QR-Codes galt es zu generieren, auszudrucken und auf jeden Tisch/Platz aufzukleben.

Nach 20 Tagen, Zusatzschichten nach der Schule und der einen oder anderen Nachtschicht am Wochenende war der „SiPlaMa“ betriebsbereit.

So funktioniert der „SiPlaMa“

Einfach und schnell: Ein Schüler kommt in den Schulraum, scannt mit seinem Handy den QR-Code an dem von ihm gewählten Platz. Vor- und Nachnahme, Stufe/Klasse eingeben, fertig. Einmal gemacht, erscheinen die Daten beim nächsten Mal automatisch (Autofill heißt die Funktion). Programmgesteuert wird die Zeit erfasst. Die Daten sind auf dem schuleigenen Server gesichert. Damit ist der Datenschutz gewährleistet. Lehrer erhalten über ein so genanntes Tool einen eigenen Zugang und können per Name oder Klasse/Stufe komplette Sitzpläne mit Belegung und Zeit abrufen. Wer kein Handy hat oder keine „mobilen Daten“, bittet den Sitznachbarn, die Daten des Mitschülers einzugeben. In der Q2 hat es bisher nur einen Fall gegeben, dass ein Schüler kein Handy dabei hatte.

Erster Einsatz

Der SiPlaMa kommt derzeit in drei Räumen des Stein-Gymnasiums zum Einsatz, in der sogenannten Dreyer-Halle (Hörsaal), der Cafeteria und im Oberstufenraum. Letzterer bietet den Oberstufenschülern eine flexible Aufenthaltsmöglichkeit in Freistunden und Pausen. Flexibel in Corona-Zeiten? Der SiPlaMa macht‘s möglich. Der Applaus der Mitschüler dürfte bei den jungen Softwareentwicklern noch nachhallen. Und auch Leckelt sagt: „Wir sind begeistert. Anders hätten wir die Cafeteria geschlossen halten müssen.“ Essen und Getränke hätten nur „to go“ angeboten werden können.

Erste Erfassungen

In der ersten Woche verzeichnete der SiPlaMa 218 Einträge in der Dreyer-Halle mit seinen 98 per QR-Code ausgezeichneten Plätzen. Davon bietet der Oberstufenraum 48. In den ersten etwa drei Tagen gab es 35 Einträge. Wegen der Abstandsregeln sind in der großen Cafeteria nur 37 Plätze freigegeben. Belegungsdaten lagen noch nicht vor. Angedacht ist, eine automatische Löschung der Daten nach vier Wochen einzurichten.

Wie geht‘s weiter?

Der SiPlaMa ließe sich zur Erfassung von Besuchern in Restaurants, auf Sportanlagen und so weiter nutzen. „Wir können das Tool bei Bedarf schnell umbauen“, sagt Leonard Sander. „Der Aufwand ist verschwindend gering“, meint Jannik Bäumer. Daran hat Leckelt keinen Zweifel. „Sie haben sich in kürzester Zeit eingearbeitet“, sagt er anerkennend. „Wie in einer kleinen Firma haben sie Aufgaben verteilt.“ Und die jungen Softwareentwickler können sich gut vorstellen weiterzumachen.

Kontakt:

Wer Interesse an dem SiPlaMa hat, kann sich am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Telefon 02381/914960, melden.

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