Psychomotorik der LWL-Klinik in Österreich gefragt

„In der Wiege der Psychomotorik“ begrüßte der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, im Beisein von Horst Göbel, Leiter der Fachabteilung, die Gäste aus Österreich. Sie lernen eine Woche lang an dem Ort, wo vor mehr als 50 Jahren die psychomotorische Behandlung entwickelt wurde.
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„In der Wiege der Psychomotorik“ begrüßte der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, im Beisein von Horst Göbel, Leiter der Fachabteilung, die Gäste aus Österreich. Sie lernen eine Woche lang an dem Ort, wo vor mehr als 50 Jahren die psychomotorische Behandlung entwickelt wurde.

MARK - Wenn Frauen reihenweise zum „Todessprung“ ansetzen, geht es nicht unbedingt um eine Gruppe Lebensmüder, sondern, wie im jüngsten Fall, um Lehrgangsteilnehmerinnen in der Psychomotorik der LWL-Universitätsklinik Hamm. Mit 24 Studentinnen ist bislang die größte Gruppe der Universität Wien zu Gast an der Heithofer Allee – ein Zeichen dafür, dass die seit 1996 bestehende Kooperation Früchte trägt und der Klinik-„Exportschlager“ Psychomotorik in Begriff ist, sich in Österreich zu etablieren.

Angesichts dessen geben sich die Besucher der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik alles andere als lebensmüde und studieren die Bewegungslandschaft in der Turnhalle, die unter anderem den „Todessprung“ ermöglicht. Es gilt, sich zu überwinden und, wider die Natur, sich nach hinten in die Tiefe fallen zu lassen. Dass eine dicke Matte einen auffängt, erleichtert den absichtlichen Sturz kaum.

Damit einhergehende Adrenalin-Schübe passen eigentlich nicht zum Seminar-Schwerpunkt, Gutachten zu erstellen. Was aber bei den jungen Patienten funktioniert, Lernen durch Bewegung zu fördern, funktioniert auch bei allen anderen. Wichtiger als der Selbstversuch ist jedoch die Praxis und die ermöglichen die Patienten der Klinik mit ihrer großen Psychomotorik – eine Einrichtung, die es in Österreich nicht gibt. „Das trockende Thema wird durch die Kinder lebendig“, sagt Horst Göbel, Leiter der Fachabteilung. Ihm geht es darum, dass Gutachter sich über die Verantwortung im Klaren sind, darüber, dass sie auch Jahre nach ihrer Beurteilung der Kinder noch von ihr überzeugt sein müssen, so dass sie sie auch von Angesicht zu Angesicht vertreten können.

Ein Gutachter gewinnt durch die Mittel der Psychomotorik Kenntnisse über den Entwicklungsstand beziehungsweise die Defizite eines Patienten. Genauso dienen sie zur Behandlung. Besonders beeindruckt sei sie von der Vielfalt, sagt Seminarteilnehmerin und Erziehungswissenschaftlerin Jacqueline Vlasaty angesichts des Einsatzes von Air-Tramp, Trampolin und Co.. Diese Mittel stünden der Psychomotorik in Österreich nicht zur Verfügung.

In der Regel sind es, wie in der Gruppe, Pädagogen aller Art, ob aus dem Kindergarten, der Schule und dem Tanzbereich, die sie zusätzlich zu ihrem eigentlichen Beruf anwenden. Die Frauen gehören erst zum zweiten Uni-Lehrgang, der im nächsten Semester nach zweijähriger Ausbildung den Master Psychomotorik erlangen wird. Doch das Fach wird populärer. Jüngst sind zwei neue Lehrgänge parallel gestartet, so dass die LWL-Klinik für das nächste Jahr doppelt so viel Gäste erwartet.

„Die Psychomotorik in Österreich scheint in Bewegung zu kommen“, sagt Horst Göbel. Zu dem Ergebnis kommt er auch, weil sich einige der Seminarteilnehmerinnen an der Gründung eines Berufsverbandes beteiligen wollen. Außerdem findet im Oktober der erste Wiener Kongress für Psychomotorik statt. „Ich bin fasziniert von dem Interesse“, sagt der Leiter der Fachabteilung. „Und ich bin froh, dass wir die Kooperation fortsetzen können.“ - ha

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