Hammer Experte erklärt Sorgen, Angst und Panik

Corona-Ohnmacht: So leidet die Psyche und so können Sie sie stärken

Die Aufmerksamkeit für das Thema hat die Menschen schon früh alarmiert.
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Die Aufmerksamkeit für das Thema hat die Menschen schon früh alarmiert.

Kein Tag vergeht aktuell ohne neue Meldungen zum Coronavirus Sars-CoV-2. Es gibt Sondersendungen im Fernsehen, Nachrichten-Ticker und wilde Verschwörungstheorien und Falschmeldungen in sozialen Netzwerken. Was macht das alles mit den Menschen?

Hamm - Nach Einschätzung von Prof. Dr. Marcel Sieberer, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Marienhospital wird durch die Omnipräsenz des Themas und den Eindruck, nichts tun zu können, ein Gefühl der Ohnmacht gesteigert. „Wir werden heute in den Nachrichten alltäglich und quasi in Echtzeit über besondere Ereignisse aus aller Welt informiert. Mit diesen Nachrichten kommen auch Informationen, die uns zunächst vielleicht noch gar nicht betreffen, direkt in unsere Wohnzimmer“, sagt Sieberer.

Die Aufmerksamkeit, die ein Thema wie die Coronavirus-Infektionen von Beginn an in den Zeitungen und Nachrichten bekommen habe, alarmiere die Menschen auch hierzulande sehr früh. „Meistens bleibt einem als Leser oder Zuschauer aus der Ferne zunächst nur, die Entwicklungen abzuwarten und sich mit ,Was-wird-wenn‘-Szenarien zu beschäftigen. Gerade weil man in dieser Phase scheinbar aktiv nichts tun kann, um sich persönlich zu schützen, entsteht bei vielen dann ein Gefühl der Ohnmacht oder gesteigerter Sorgen bis hin zur Angst.“

So erklärt sich die Angst bei vielen:

Angst gehöre zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten Emotionen von Menschen. Und sei zugleich eine sehr starke Emotion, die in bestimmten Situationen auch eine wichtige Funktion erfüllen könne. „Leider können wir das Gefühl der Angst aber nicht einfach abstellen oder immer gut steuern“, so Sieberer. „Gerade, wenn wir uns durch etwas bedroht fühlen, was uns noch unbekannt oder gar unheimlich ist, entsteht häufig ein Angstgefühl, das möglicherweise nicht angemessen ist.“

Allein die Erkenntnis darüber helfe aber oft nicht. Sieberer: „Die meisten Menschen, die krankhaft unter Ängsten leiden, erkennen für sich genommen sehr gut, dass ihre Ängste nicht nachvollziehbar begründet sind. Sie leiden manchmal gerade deshalb besonders unter dann scheinbar ,unangemessenen‘ Ängsten.“

Selbstkontrolle beim News-Input

Im aktuellen Fall gebe es aber tatsächlich noch viele unbeantwortete Fragen und fast täglich neue Informationen, die zu Sorgen, Ängsten oder gar Panik führten. Menschen, die damit nicht gut umgehen können, empfiehlt Sieberer, genau darauf zu achten, welche Informationen wirklich valide sind.

„Sehr wichtig ist aus meiner Sicht, sich vor allem über seriöse Quellen – etwa die Homepage des Robert-Koch-Instituts – zu informieren und für sich selbst ein angemessenes Maß festzulegen, wie vielen Nachrichten man sich täglich aussetzen sollte.“

Keine Empfehlung für Hamsterkäufe

In den sozialen Medien seien zum Teil übertriebene oder panikmachende Informationen und Bilder im Umlauf. Die Bevorratung von Toilettenpapier sei von keiner seriösen Quelle empfohlen worden, nur die Verbreitung von Fotos leerer Regale in Supermärkten habe Hamsterkäufe getriggert.

„Hier empfehle ich bei einer persönlichen Empfänglichkeit für diese Art der Panikmache, einfach mal wortwörtlich abzuschalten“, sagt Sieberer.

Beobachtet panikmachende Informationen in den sozialen Medien: Prof. Dr. Marcel Sieberer, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Marienhospital.

Mit anderen Leuten austauschen

Darüber hinaus helfe es auch, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und sich darüber auszutauschen, was wirkungsvoll und sinnvoll ist. So seien die Empfehlungen zum Händewaschen, zum Kontaktverhalten in Menschenmengen und derzeit auf Händeschütteln zu verzichten eigentlich ganz einfache Dinge, die auch in jeder banalen Erkältungszeit gälten.

Sieberer: „Durch solche Maßnahmen können wir alle ja tatsächlich auch sinnvoll etwas zur Verringerung des Ansteckungsrisikos tun und fühlen uns dadurch auch weniger ohnmächtig.“

Informationen mit Kontaktnummern speziell für Menschen in Hamm finden Sie hier auf unserer Hilfeseite.

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