Viele aktuelle Zahlen

PS-Protzer gibt's viele in Hamm - aber auch eine Raserszene?

+

Hamm - Der neue Prozess um den tödlichen Raserunfall von 2015 in Köln wirft die Frage auf: Gibt es auch in Hamm eine illegale Raserszene, von der womöglich lebensbedrohliche Gefahren ausgehen? Zumindest wird das ja in der Bevölkerung oft so wahrgenommen...

In Köln stehen sich die zwei Raser, die 2015 eine Radfahrerin tödlich verletzt hatten, seit Mittwoch erneut vor Gericht: Die zunächst zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe war erst der Bevölkerung und dann dem BGH sauer aufgestoßen. Auch in Hamm sind Autofahrer immer wieder gefährlich schnell unterwegs. Aber: Eine Raser-„Szene“ wie in anderen Großstädten gibt es hier nicht – darin sind sich Polizei und Stadt einig.

Tatsächlich verzeichnet die Hammer Polizei sogar einen Rückgang der – erfassten – Verstöße. Nach Angaben von Polizeisprecher Christopher Grauwinkel lag die Verstoßquote an den Messstellen in den vergangenen zehn Jahren „zwischen 3,17 und 3,96 Prozent. In den letzten drei Jahren lag sie unter 3,46 Prozent, also im niedrigen Bereich.“ Fazit: Es werde also „weniger gerast“.

Dazu muss man wissen, dass die Polizei eine Verstoß-Quote von 10 Prozent bezogen auf eine bestimmte Strecke als „leicht erhöht“ und Quoten von 15 Prozent und darüber als „auffällig“ bezeichnet.

Länder fordern starke Abschreckung bei illegalen Autorennen

Anders als in Städten wie Köln, Dortmund oder Hagen liegen in Hamm keine Erkenntnisse über illegale Autorennenvor. Ebenso weiß die Polizei nach eigener Aussage von keinen Orten, „von denen man annehmen muss, dass sich dort Fahrzeugführer zu Rennen treffen“.

In den Jahren 2015 und 2016 habe man insgesamt fünf Sachverhalte verzeichnet, bei denen von Ampeln ausgehende „Beschleunigungsfahrten mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ angezeigt wurden. Aber auch hier ist sich die Polizei sicher: In fast allen Fällen waren es “Zufallszusammentreffen der Raser“, also keine verabredeten Rennen. Im laufenden Jahr sei noch kein einziges derartiges Szenario angezeigt worden.

Regelmäßige Tuning-Treffen in Berge

Gestützt wird die Darstellung der Polizei von aktuellen Zahlen eines markanten Bereichs in der Hammer Innenstadt. Hat die Anfang August 2017 auf Druck von Anwohnern am Südring installierte Blitzsäule zwar bis Ende November insgesamt 925 Fahrer erwischt, weist sie doch eine deutlich abnehmende Tendenz aus – und zwar von 401 Fällen im August auf 121 Fälle im November (dazwischen waren es jeweils rund 200).

Nach Einschätzung von Stadtsprecher Tom Herberg sei am Südring „also deutlich zu sehen, dass sich die Autofahrer - wie an anderen Stellen üblich – auf den Blitzer einstellen“. Von einer Raserstrecke könne man folglich nicht sprechen.

Hier wird in Hamm geblitzt

Soweit die Zahlen. Aber auch die oft stark gegenteilige Wahrnehmung in der Bevölkerung wird von den Polizeibeamten auf der Straße nicht unbedingt bestätigt. Natürlich gab es bei den geschilderten Sachverhalten das Bestreben der Autofahrer, das Geschehen runterzuspielen oder zu sagen, dass „alles zufällig passiert“ sei. Aufreizendes Gehabe oder völlige Sorglosigkeit scheine aber „eher die absolute Ausnahme“ zu sein, so Grauwinkel.

Der Polizeisprecher sagt aber auch: „Natürlich entsteht, insbesondere an warmen Sommerabenden, auch bei den Polizisten der Eindruck, dass es an manchen Orten wichtig ist, sich mit PS-starken Fahrzeugen lautstark in Szene zu setzen. Daher hat es immer wieder Kontrollen und gezieltes Ansprechen der Beteiligten gegeben.“

Übrigens: Mit welchem Tempo die Raser im Durchschnitt geblitzt werden, ist nicht bekannt. Grauwinkel: „Der Auswerteaufwand wäre viel zu hoch.“

Lesen Sie auch:

Raserszene in Dortmund kontrolliert: Soester schießt Vogel ab

In dieser Stadt sind die Fahrer besonders aggressiv

Wer ist der Rekord-Raser vom Herringer Weg?

Herringer Todesfahrer muss ins Gefängnis

Rasern droht künftig Auto-Beschlagnahmung und Gefängnis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare