Fashion Europe: Anklage wegen millionenschweren Betrugs

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Der Fall Fashion Europe.Net wird vor Gericht verhandelt.

Hamm/Dortmund -Mit massiven Vorwürfen gegen die Staatsanwaltschaft hat vor der 44. Wirtschaftsstrafkammer des Dortmunder Landgerichts der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Textilvertriebs Fashion Europe.Net (FE.N) und seine mitangeklagte Lebensgefährtin begonnen. Dem Paar wird millionenschwerer Betrug, Insolvenzverschleppung und das Nichtzahlen von Sozialbeiträgen für etliche Mitarbeiter vorgeworfen.

Trotz faktischer Insolvenz soll die heute 49-jährige Einkäuferin in Abstimmung mit ihrem Chef für rund zwei Millionen Euro Ware bei zwei Großlieferanten geordert, diese aber nicht bezahlt haben. Bei diesen angeklagten gewerbsmäßigen Betrügereien sei, so die Anklageschrift, ein „Vermögensverlust großen Ausmaßes“ entstanden. Massive Vorwürfe, die die beiden Angeklagten immer wieder mit Kopfschütteln quittierten. Über ihre Anwälte präsentierten beide Angeklagten am ersten Verhandlungstag mehrseitige schriftliche Erklärungen, in denen sie sich als Opfer der Ermittlungsarbeit der Bochumer Staatsanwaltschaft sehen.

Bereits 2008 ins Visier der Ermittler geraten

Das im August 2006 gegründete und florierende Unternehmen, 2007 zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt, geriet bereits 2008 erstmals in das Visier der Ermittler. Unter dem Verdacht des unlauteren Wettbewerbs kam es im Juni 2008 zu einer Durchsuchung der Geschäftsräume an der Roonstraße, wurden Konten und Computer beschlagnahmt. Durch diese drastischen Maßnahmen sei die Geschäftstätigkeit des Unternehmens „komplett blockiert“ gewesen und diese erst nach Monaten durch einen Beschluss des OLG Hamm wieder aufgehoben worden.

Staatsanwaltschaft "Fehlerhafte Ermittlungsansätze" vorgeworfen 

Die Ermittlungen seien später eingestellt worden, genauso wie ein zweites Ermittlungsverfahren unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung. Die „völlig fehlerhaften Ermittlungsansätze der Staatsanwaltschaft“, so das vorgetragene Resümee der beiden letztlich gescheiterten Geschäftsleute, hätten zu den jetzt angeklagten Vorwürfen geführt. Von betrügerischen Warenbestellungen könne überhaupt nicht die Rede sein, sämtliche Lieferanten hätten von den finanziellen Engpässen und den schwebenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gewusst, hätten das Bezahlen der Textilien gestundet.

Prozess bis in den Mai terminiert

Mit der Aufklärung des komplexen Geschehens und der massiven Vorwürfe wird die Wirtschaftsstrafkammer sicherlich etliche Verhandlungstage zu tun. Bereits jetzt sind Prozesstage bis in den Mai hinein terminiert.

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