Brutale Blitzüberfälle in Hamm, Drensteinfurt und Herbern

Discounter-Bande: Schulfreund belastet Haupttäter schwer

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Die mutmaßlichen Täter (verdeckt) am Donnerstag im Gerichtssaal.

Hamm/Drensteinfurt/Herbern/Dortmund - Vor dem Dortmunder Landgericht hat der Prozess gegen drei Supermarkt-Serienräuber begonnen.

Sie sollen in wechselnder Beteiligung eine ganze Serie von bewaffneten Raubüberfällen auf Supermärkte in Hamm, Drensteinfurt, Lünen und Herbern begangen haben. Als Haupttäter und Ideengeber für die Überfälle auf die Discounter gilt ein 21-jähriger Lünener. Er will nach Angaben seines Verteidigers am kommenden Verhandlungstag die Tatserie von ihm zur Last gelegten sieben Raubüberfällen auf Lidl-, Aldi-, Netto- und Penny-Märkte weitgehend zugegeben. Belastet wird er durch einen 23-jährigen ehemaligen Schulfreund und Sportkameraden, der nach eigenem Geständnis an fünf Raubtaten beteiligt war.

Zwischen dem 14. Januar 2017 und dem 3. August 2017 überfiel das Duo demnach einen Netto-Markt in Lünen, einen Aldi-Discounter in Ascheberg-Herbern, zwei Mal Lidl-Märkte in Hamm sowie eine Filiale in Drensteinfurt. Insgesamt erbeuteten die Männer bei den Blitzüberfällen rund 23.000 Euro.

"Er sagte, dass keine Gewalt angewendet wird"

"Er hat mir gesagt, dass ich ihn nur absichern muss und dass keine Gewalt angewendet wird" schilderte der Angeklagte die anfänglichen Planungen. Den mutmaßlichen Drahtzieher habe er am Tag vor der ersten Tat in Lünen zufällig beim Frisör getroffen. Dieser war damals nach einer Verurteilung wegen Seriendiebstahls im Hafturlaub.

"Der war immer der Coole. Er hatte immer Geld und tolle Klamotten", beschrieb der 23-jährige seinen früheren Kumpel. Er selbst sei damals in einer schlechten Lebensphase gewesen mit großen Geldsorgen, könne sich heute sein Verhalten überhaupt nicht mehr erklären.

Täter gingen zielstrebig und skrupellos vor

Beim Überfall auf die Supermarkt-Mitarbeiter gingen beide Männer nach den Beschreibungen der Anklage ausgesprochen zielstrebig und skrupellos vor. Die Angestellten wurden mit einer nicht geladenen Softair-Pistole bedroht und auch geschlagen.

Der Aldi-Markt in Herbern.

Beim Überfall auf den Aldi-Discounter in Ascheberg-Herbern musste sich das Personal im Tresorraum auf den Boden legen, wurde der kniende Kassierer mit Tritten gezwungen, den Safe zu öffnen.

Kassiererin mit Erschießen gedroht

Beim Überfall auf den Lidl an der Kamener Straße in Hamm schlug ein Räuber der Kassiererin mit der Waffe gegen den Kopf und drohte, sie zu erschießen. Als sie zu nervös war, die Zahlenkombination für den Safe einzugeben, löste sie ungeplant den Polizeialarm aus. Die beiden Räuber versprühten daraufhin Reizgas auf die Frau, flüchteten mit 2200 Euro aus der Ladenkasse und der Geldbörse einer Angestellten.

Der Lidl in Pelkum.

"Das Geld ging drauf für Feiern, Klamotten und Rausgehen. Drogen habe ich nicht genommen", erklärte der geständige Serienräuber dem Gericht seinen Umgang mit der reichlichen Beute. Schulterzuckend musste er zugeben, dass bei den Taten doch weitaus mehr Gewalt im Spiel war als angeblich bei der Tatplanung besprochen.

Mit den Aussagen des mutmaßlichen Haupttäters und eines mutmaßlichen dritten Komplizen wird der Prozess vor der Jugendstrafkammer des Dortmunder Landgerichts am 27. März fortgesetzt.

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