Prozessbeginn

„Ich zünde dich an“ - Hammer wegen Bedrohung und Vergewaltigung angeklagt

Der Angeklagte drohte angeblich mit einem Feuerzeug.
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Wollte der Angeklagte seine Ex-Freundin anzünden?

Verschmähte Liebe, gekränktes Ehrgefühl, vielleicht auch Rachsucht – nicht das Ende einer Beziehung bringt einen 44-jährigen aus Hamm vor Gericht, sondern die Art, wie er damit umgegangen ist.

Hamm/Bielefeld – Beim Prozessbeginn in Bielefeld gibt der Mann aus Hamm gleich mal Nachstellung, Beleidigung und die Bedrohung gegenüber seiner früheren Freundin zu. Die ebenfalls angeklagte Vergewaltigung bestreitet der Mann allerdings.

Prozessbeginn: Es geht um Vergewaltigung und Nötigung

Die Vorwürfe haben es in sich: Insgesamt 16 Fälle sind vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld angeklagt, in denen sich der jetzt 44 Jahre alte Bauarbeiter alle möglichen Straftaten zuschulden haben kommen lassen. Es geht um Nötigung, Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, um Stalking und sogar um eine Vergewaltigung – und das liegt bereits fast sechs Jahre zurück.

Damals sollen der mutmaßliche Täter und das Opfer aus Bielefeld ein Paar gewesen sein, aber nur für kurze Zeit. Die Frau habe Schluss gemacht, weil sie sich von dem Angeklagten bedrängt gefühlt habe, glaubt die Staatsanwaltschaft. Und der habe dann erst richtig „aufgedreht“, seiner Ex-Freundin am Arbeitsplatz und auf dem Heimweg in die Bielefelder Innenstadt aufgelauert, sie beleidigt, gedroht, Nacktfotos und -Videos von ihr im Internet zu veröffentlichen, sie mit Säure zu übergießen und sie werde „im Rollstuhl enden“.

Im Prozess tauchen auch Bedrohungen gegen die Familie auf

Den Vater der Frau und die übrige Familie soll er ebenfalls bedroht haben, mit sexuellen Übergriffen und dem Tode. Allein bei verbalen Attacken sei es nicht geblieben, heißt es in der Anklageschrift: In dem Zeitraum von mehr als einem halben Jahr zwischen Frühjahr und Winter 2015 soll der 44-Jährige auch handgreiflich geworden sein und das Opfer an einer Stadtbahn-Haltestelle ins Gesicht geschlagen haben. Als Reaktion auf die Ablehnung seines Heiratsantrages soll der Arbeiter seine Angebetete abgepasst und mit Feuerzeugbenzin eingesprüht haben. „Ich zünde dich an“, seien seine Worte gewesen, an deren Ernsthaftigkeit die Frau angesichts eines Feuerzeugs nicht gezweifelt habe.

Am schwersten wiegt ein Anklagepunkt, der sich geradezu bizarr anhört: Der 44-Jährige soll sein Opfer im Juni 2015 in einem Hinterhof gepackt, mit einem Besenstiel geschlagen und dann mit Klebeband umwickelt haben – um sie abschließend brutal zu vergewaltigen. Danach habe er ihr seine Liebe gestanden und die Füße geküsst.

Starker Tobak, mit dem sich das Gericht befassen muss, angesichts eines Angeklagten, der die Vorgänge aus seiner Sicht weitschweifig, wort- und gestenreich schildert – und glaubt, ein Geständnis abzulegen.

Über seinen Verteidiger lässt der 44-Jährige zunächst erklären, dass ein Teil der Vorwürfe zutreffe: Er habe tatsächlich Drohungen ausgesprochen, die Frau und ihre Familie verbal angegangen und beleidigt – aber sie niemals vergewaltigt oder mit Benzin übergossen. Sie hätten eine echte Beziehung geführt, aber das sei plötzlich zuende gewesen, weil die Mutter der Frau sich eingemischt habe, mit einem Telefonat, als das Paar in einem Schnellrestaurant gerade gegessen habe.

„Da haben die Streitereien angefangen“, sagt der Angeklagte, „sie hat gesagt, ich soll die Finger von ihrer Tochter lassen. Seit dem Tag war sie wie ausgewechselt.“

Der Angeklagte erzählt viel zu den einzelnen Vorwürfen, aber der Strafkammer nicht immer zutreffend genug. „So ganz genau kann ich mich nicht erinnern“, sagt der 44-Jährige etwa zu dem Vorfall, als er dem Vater der Frau mit einem Baseballschläger aufgelauert haben soll – und erntet von Richter Dr. Georg Zimmermann die Replik: „Ich kann das nicht als Geständnis werten, wenn Sie sich nicht erinnern. Sie hatten sechs Jahre Zeit, sich vorzubereiten.“ Der Prozess wird fortgesetzt. - Ulrich Pfaff

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