„Verdeckungsmord“

Prozess um getötete Prostituierte kurz vor Ende

Der Hammer eines Richters liegt auf dem Tisch
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im Fall der getöteten Prostituierten soll am Mittwoch das Urteil gesprochen weren.

Dortmund/Hamm – Im Fall der getöteten Prostituierten vom Hammer Straßenstrich soll am 17. Februar das Urteil gesprochen werden. Oberstaatsanwalt Dirk Stickeln hat eine klare Vorstellung davon, zu welcher Entscheidung die Dortmunder Richter diesmal kommen sollen.

In einem ersten Prozess hatte das Schwurgericht den Angeklagten noch wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren verurteilt. Mit so viel Milde soll die neue Verhandlung vor einer anderen Strafkammer nach dem Willen des Anklagevertreters nicht zu Ende gehen. „Es war ein Mord“, sagte Oberstaatsanwalt Stickeln am Donnerstag in seinem Plädoyer. „Ich beantrage, den Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen.“

Tatsache ist, dass der Angeklagte zugegeben hat, die 35-jährige bulgarische Prostituierte im September 2019 auf dem Straßenstrich erwürgt zu haben. Zuvor war es zwischen den beiden zu sexuellen Handlungen gekommen. Fest steht auch, dass der Freier in dieser Nacht kein Geld mehr in der Tasche hatte, als er mit der Prostituierten verkehrte. Der Angeklagte behauptet, die Bulgarin habe von diesem Umstand gewusst und sich zunächst mit einer „Nase“ Kokain als Bezahlung zufrieden gegeben. Der Rest sollte später gezahlt werden. Als die Frau dann jedoch immer lauter nach noch mehr Drogen fragte, will der Mann sie im Streit erwürgt haben. In dem ersten Prozess hatte der Angeklagte nämlich noch kein Wort von Kokain erwähnt. Da hatte es nur geheißen: „Ich hatte ihr nach dem Verkehr erzählt, dass ich kein Geld habe. Es kam zum Streit und ich habe ihr den Hals zugedrückt.“

Oberstaatsanwalt Stickeln findet, dass der Angeklagte damit einen klassischen Verdeckungsmord geschildert hat. Der Freier habe die Prostituierte um ihren Lohn betrogen und mit der Tötung beabsichtigt, diesen Betrug zu vertuschen. Genau so hatte es der Bundesgerichtshof schon in seiner Revisionsentscheidung gesehen. „Und nachdem diese Entscheidung in der Welt war, hatte der Angeklagte natürlich ein großes Interesse daran, seine Tatversion so zu verändern, dass es immer noch ein Totschlag blieb“, so Stickeln. Die Verteidiger des Angeklagten gehen dagegen nicht von einem Mord aus und beantragten eine Verurteilung wegen Totschlags.

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