Landgericht

Prozess gegen Hammer Katalysator-Diebe zieht sich - Angeklagter will nur Teil der Taten zugeben

Vor Gericht stehen drei Männer, die für 52 Katalysator-Diebstähle verantwortlich sein sollen.
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Vor Gericht stehen drei Männer, die für 52 Katalysator-Diebstähle verantwortlich sein sollen.

Eine Babypause hat das Dortmunder Landgericht im Sommer zu einer zweimonatigen Pause im Prozess gegen drei mutmaßliche Katalysator-Diebe aus Hamm gezwungen. Jetzt sind alle Beteiligten wieder zurück – und werden sich bis zu einem Urteil wohl auch noch viele weitere Male über den Weg laufen.

Dortmund/ Hamm – Im Grunde könnte alles so einfach sein. Denn der 47-jährige Hauptangeklagte hat über seine Verteidigerin Michaela Meier schon ausrichten lassen, dass er bereit ist, rund 20 Diebstähle zuzugeben.

Das Problem ist jedoch: In der Anklageschrift ist von 52 Fällen die Rede, in denen der Mann und seine beiden mutmaßlichen Komplizen aus Gebrauchtfahrzeugen in Dortmund, Hagen, Bochum und sogar Ludwigshafen die Katalysatoren ausgebaut haben soll.

475.000 Euro pro Kilo: Rhodium-Preis explodiert innerhalb weniger Jahre

Die Geräte ließen sich auf dem Schwarzmarkt offenbar besonders gut zu Geld machen. Weil vor allem in früheren Automodellen noch größere Mengen Edelmetallen wie Rhodium verbaut wurden, sind ältere Katalysatoren stellenweise über 1000 Euro wert.

Wie die Preise für Rhodium explodiert sind, hat ein Gutachter dem Richter im Prozess vorgerechnet. Im Frühjahr 2016 kostete ein Kilogramm noch rund 20.000 Euro. Vier Jahre später war der Preis bereits auf 340.000 Euro geklettert. Und heute wird ein Kilo Rhodium für unfassbare 475.000 Euro gehandelt.

„Was soll das?“ Unverständnis über abgespielte Telefonmitschnitte

Der Hauptangeklagte wäre nach Angaben seiner Verteidigerin sogar bereit, die vom Gericht in Aussicht gestellte Haftstrafe von dreieinhalb bis vier Jahren zu akzeptieren. „Er möchte aber eben keinen Fall zugeben, an dem er selbst nicht beteiligt war“, sagte Anwältin Meier am Dienstag am Rande des Prozesses. Ein volles Geständnis ist für die Richter jedoch Voraussetzung für einen schnellen Abschluss des Verfahrens. Und weil das erst einmal nicht zu erwarten ist, muss weiterverhandelt werden.

Die Polizei hatte vor der Festnahme der drei Angeklagten über Wochen die Telefone der Männer abgehört. Was diese sich in unzähligen Gesprächen zu sagen hatten, wird nun stundenlang im Gerichtssaal vorgespielt. „Was soll das? Was macht das alles für einen Sinn?“, meckerte der Hauptangeklagte am Dienstag, als er wieder einmal seine Stimme aus einem Lautsprecher vernahm. „Wir werden Ihnen das nicht erklären“, entgegnete der Vorsitzende Richter Alexander Donschen nur knapp.

Wahrscheinlich weitere Dolmetscher für Roma-Dialekt notwendig

Tatsache ist, dass die Prozedur den Prozess noch richtig in die Länge ziehen könnte. Denn die Angeklagten unterhalten sich am Telefon nicht immer nur in ihrer bulgarischen Muttersprache, sondern verfallen oft auch in einen Roma-Dialekt, den die drei anwesenden Gerichts-Dolmetscherinnen nicht verstehen.

Gut möglich, dass deshalb demnächst noch weitere Sprach-Experten hinzugezogen werden müssen. „Und die müssen erst mal die Zeit haben, zweimal pro Woche nach Dortmund zu fahren“, hieß es am Rande des Prozesses.

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