Überraschende Entwicklungen

Hammer Rocker-Prozess: Hat der Belastungszeuge gelogen?

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Durchsuchungen im Clubheim des Bandidos im August 2017. Hier soll das spätere Opfer seinen Ausstieg aus der Szene erklärt haben.

Hamm/Dortmund - Erneute Wende im so genannten "Rocker-Verfahren" um vier angeklagte "Chicanos". Das betrifft sowohl den Belastungszeugen persönlich als auch seine Vorwürfe.

Nachdem der Hauptbelastungszeuge sich am vorherigen Verhandlungstag krank gemeldet hatte und nicht zu seiner Zeugenaussage erschienen war, blieb auch am Donnerstag der Zeugenstand leer. Über seinen Rechtsbeistand Karsten Possemeyer erklärte das mutmaßliche Opfer der vier Bandidos-Unterstützer, dass er nicht aussagen werde. Er habe seinem Anwalt einen Sachverhalt geoffenbart, der ihm gesetzlich erlaube, nun als Zeuge zu schweigen, um sich nicht selbst zu belasten.

Die Prozessbeteiligten erörterten hinter verschlossenen Türen die möglichen Gründe für diesen Schritt und kamen zu dem Ergebnis, dass der Hammer tatsächlich schweigen darf. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass er bei einer Aussage sich womöglich unter anderem mit Falschaussagen und einer Beteiligung an einem Waffenkauf selbst belaste.

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Der Vorsitzende Richter Thomas Kelm zeigte sich in einer ersten Bewertung der schriftlich vorliegenden Zeugenaussage in einigen wesentlichen Punkten recht skeptisch. So zweifele das Gericht an dem weitaus schwersten Vorwurf der schweren räuberischen Erpressung.

Der damals 40-jährige hatte unter anderem behauptet, bei einer Auseinandersetzung im Vereinsheim an der Ahlener Straße um 400 Euro Bargeld beraubt worden zu sein. Tatsächlich hatte er jedoch davon bei einem abgesetzten Notruf trotz eindringlicher Nachfrage der Polizei nichts erwähnt.

Für alle vier Angeklagten zeigt sich nun ein erheblich günstigeres Gesamtbild. Sie werden nach erster Einschätzung des Gerichts wohl ausschließlich wegen kleinerer Drogengeschäfte, gemeinschaftlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilt werden.

Angesicht der vermutlich milden Bewährungs- und Freiheitsstrafen wurden die Angeklagten gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Prozess wird am Dienstag, 20. März, fortgesetzt.

 

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