Urteil gefälscht: Prozess gegen Hammer Anwalt gestartet

 

Hamm/Dortmund - Begleitet von einem riesigen Medieninteresse hat am Mittwoch in Dortmund der Prozess gegen einen Hammer Anwalt begonnen, der in einem Fall das Urteil selbst geschrieben hatte. Zum Auftakt gab es kein Urteil, der Prozess wird fortgesetzt.

Es klingt wie das Drehbuch einer Filmkomödie: Der stressgeplagte Anwalt verpeilt Fristen und Termine und schreibt in seiner Not am Ende das Urteil einfach selbst. Zwar lässt er seinen Mandanten in dem verkorksten Fall obsiegen, doch damit geht der Schlamassel dann erst richtig los...

Tatsächlich beschäftigt sich das Landgericht Dortmund seit Mittwoch mit einem solchen Kuriosum - die Vorzeichen sind allerdings wenig komödiantisch.

Urkundenfälschung wird dem 43-jährigen Rechtsanwalt aus Hamm vorgeworfen, weil er sich zum Richter aufschwang und ganz ohne Verhandlung „im Namen des Volkes“ ein Urteil fällte.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde der Fall bereits vor dem Hammer Amtsgericht verhandelt. Ergebnis: Der Angeklagte wurde zur Zahlung von 180 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. Nunmehr geht die Causa in die Berufung.

Auslöser war eine Kündigung

Ausgelöst wurde alles durch eine arbeitsrechtliche Streitigkeit. Ein heute 36-jähriger Hammer hatte 2011 von seinem Arbeitgeber die Kündigung erhalten und wollte von seiner Firma zumindest noch die Gehälter für die letzten eineinhalb Monate ausgezahlt bekommen.

Vertrauensvoll wandte er sich deshalb an den Hammer Advokaten, der den Fall allerdings schon ziemlich rasch aus den Augen verloren zu haben schien. Offenbar nur ein einziges Telefonat wurde mit dem Arbeitgeber geführt, weitere echte Korrespondenz lag dem Amtsgericht bei seinem Urteil jedenfalls nicht vor.

Der arbeitslos gewordene Mandant war hingegen weniger vergesslich. Immer wieder fragte er bei seinem Anwalt nach – und bekam über zwei Jahre immer wieder neue Lügenmärchen aufgetischt.

Höhepunkt des Ammenmärchens war die Abschrift jenes Urteils, das es faktisch gar nicht gab. Sogar 360 Euro – eine erste Rate auf die angeblich gewonnene Forderung – zahlte der Anwalt aus eigener Tasche an den Klienten.

Als die Restsumme jedoch ausblieb, fragte der Mandant beim Gericht nach und reichte dort die Urteilsabschrift ein. Weil es den gesamten Fall und auch das Aktenzeichen aber gar nicht gab, wurde zunächst er als Urkundenfälscher verdächtigt. Danach kam der Fall gegen den Anwalt ins Rollen.

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