Zweiter Prozess in Dortmund

Prostituierte in Hamm getötet: Angeklagter gesteht - Urteil steht weiter aus

Nach dem gewaltsamen Tod der prostituierten Frau in Hamm wurde in der Nähe ein Kreuz für sie aufgestellt.
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Nach dem gewaltsamen Tod der Frau wurde in der Nähe ein Kreuz für sie aufgestellt.

Totschlag oder doch Mord? Diese Frage muss das Dortmunder Schwurgericht im zweiten Prozess um den gewaltsamen Tod einer Prostituierten in Hamm beantworten. Wer der Täter ist, steht dagegen zweifelsfrei fest.

Hamm/Dortmund – Der 26-jährige Angeklagte hat am zweiten Verhandlungstag über seine beiden Verteidiger ein Geständnis verlesen lassen. „Ich möchte mich bei der Familie des Opfers entschuldigen“, hieß es darin. „Ich möchte die Verantwortung für mein Handeln übernehmen und erkenne deshalb schon jetzt alle Schmerzensgeldforderungen der Hinterbliebenen an.“

Was der syrische Asylbewerber dagegen nicht möchte, ist, als Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden. Nach seiner Version handelte es sich bei dem Gewaltverbrechen vom 12. September 2018 keineswegs um eine eiskalt geplante Tat, sondern vielmehr um einen hilflosen Akt aus Überforderung und Angst. „Sie hat so laut geschrien und mich immer wieder beleidigt“, so der Angeklagte. „Irgendwann habe ich meinen Arm um ihren Hals gelegt und so lange zugedrückt, bis sie am Boden lag.“

Tatsache ist, dass sich der Syrer und die aus Bulgarien stammende Prostituierte schon länger kannten. „Ich war eine Art Stammgast bei ihr“, behauptet der 26-Jährige. In jener Nacht habe sich die Frau wie schon öfter zuvor zu sexuellen Dienstleistungen bereit erklärt, obwohl sie gewusst habe, dass er kein Geld in der Tasche hatte. „Ich habe sie mit dem letzten bisschen Kokain bezahlt, das ich noch besaß“, so der Syrer. „Den Rest sollte ich einige Tage später bezahlen, wenn ich meinen Lohn erhalten hätte.“

Der Angeklagte während des Gerichtsverfahrens in Dortmund.

Genau daran will die Staatsanwaltschaft jedoch nicht glauben. Ankläger Henner Kruse hatte schon im ersten Prozess betont, dass es keine Prostituierte gebe, die nicht gegen Vorkasse arbeite. Auch die Kolleginnen der Bulgarin hatten ausgesagt, dass derartige Vereinbarungen absolut unüblich seien.

Staatsanwalt Kruse geht deshalb davon aus, dass der Angeklagte die Prostituierte zunächst im Unklaren über seine finanzielle Situation ließ und sie dann erwürgte, als er ihr hätte beichten müssen, gar kein Geld in der Tasche zu haben.
Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil – achteinhalb Jahre Haft wegen Totschlags – in der Revision aufgehoben und den Fall zur erneuten Verhandlung nach Dortmund zurückverwiesen. Auch der BGH hatte in dem Beschluss Zweifel daran geäußert, dass sich angeblich kein Mordmerkmal nachweisen ließ. 

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