Juden-Hass

Projekt im Schatten des Nahost-Konflikts: Schüler untersuchen „modernen Antisemitismus“

Konflikt in NahostBilder des Konflikts: Ein israelischer Mann schaut in eine Synagoge, nachdem diese bei Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern inmitten gewalttätiger Unruhen in der gemischt israelisch-arabischen Stadt Lod in Brand gesetzt wurde.
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Bilder des Konflikts: Ein israelischer Mann schaut in eine Synagoge, nachdem diese bei Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern inmitten gewalttätiger Unruhen in der gemischt israelisch-arabischen Stadt Lod in Brand gesetzt wurde.

Angesichts der Eskalation in Nahost ist das Thema auch in Deutschland brandaktuell: Schüler des Märkischen Gymnasiums (MGH) befassen sich mit dem Thema „Moderner Antisemitismus“.

Hamm-Westen – In Gelsenkirchen tobt ein antisemitischer Mob, in mehreren Städten werden israelische Fahnen angezündet und in einzelnen Bundesländern wird der Schutz von jüdischen Einrichtungen verstärkt. Und genau in dieser Phase befassen sich Schüler des MGH mit dem Thema „Moderner Antisemitismus“. Man werde sich, wie Lehrerin Dr. Andrea Kolpatzik sagt, auf die Spuren jüdischen Lebens in Hamm begeben.

Allerdings gehe es dabei weniger um das Traditionelle, sondern um die Zeit jetzt. Man wolle gemeinsam schauen, wo es auch in Hamm modernen, versteckten Antisemitismus gebe. Das könnten, so Kolpatzik, vor allem Graffiti sowie bestimmte Buchstabenkombinationen auf Hauswänden sein, die immer öfter das plakative Hakenkreuz ersetzten. „In einem virtuellen Stadtrundgang werden wir uns mit den antisemitischen Graffiti in unserer Stadt befassen.“ Man wolle auch Experten zu Wort kommen lassen, sich dem Thema künstlerisch annähern und sich der Frage stellen, wie man antijüdischen Tendenzen begegnen könne.

Jüdisches Leben im eigenen Ort entdecken

Eine Frage, die beantwortet werden muss, ist auch: Wie ist es an den Hammer Schulen und vor allem am MGH um das Thema bestellt? Denn: Historisch gesehen gilt das Verhältnis von Juden und Moslems als extrem angespannt, sind Antisemitismus und Judenhass in vielen muslimischen Ländern weit verbreitet. Bei der Demo in Gelsenkirchen waren zum Beispiel auch türkische Fahnen zu sehen. Und inwieweit kann das auf Hamm übertragen, eine Stadt, in der zehntausende Menschen eine –muslimische – Zuwanderungsgeschichte haben?

Unterstützt wird das Projekt hier vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der bereits vor Wochen alle Schulen dazu aufgerufen hatte, sich an dem Medienprojekt „Jüdisch hier – mediale Spurensuche in Westfalen“ zu beteiligen. Und das Interesse war „überraschend groß“. Aus den eingegangenen Bewerbungen wurden 25 Projektgruppen ausgewählt, darunter das MGH als einzige Schule im Hamm. Es bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, das jüdische Leben im eigenen Ort zu entdecken und in Medienprodukten zu dokumentieren. „Die Gruppen haben sich mit vielen tollen Ideen bei uns gemeldet. Dass das Thema trotz Pandemie und Distanzunterricht auf so viel Interesse stößt, ist ein gutes Zeichen“, sagt Projektkoordinatorin Marita Bräker. „Besonders freut es mich, dass es viele Projekte gibt, die den Bezug zum aktuellen und heutigen jüdischen Leben herstellen.“

Das LWL-Projekt

So auch am MGH. Wie allen anderen Gruppen werden auch die Hammer Schüler die Ergebnisse ihrer Recherchen in Medienprodukten wie Videos, Hörspielen oder Fotostrecken dokumentieren. So sollen mediale Eindrücke aus ganz Westfalen zu jüdischem Leben entstehen und präsentiert werden.

Das Projekt „Jüdisch hier – mediale Spurensuche in Westfalen“ ist eingebunden in das bundesweite Festjahr #2021JLID, das der Verein „321 – 2021: 1 700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ mit seiner Geschäftsstelle in Köln organisiert und koordiniert. Gemeinsam mit dem Verein fördert auch die LWL-Kulturstiftung das Projekt als eines von 24 Projekten im Rahmen des Förderschwerpunktes „1 700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Ein Jahr lang haben die Projektgruppen an den Schulen Zeit, ihre Ideen umzusetzen. Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen Bildungspartnern in Westfalen wie Archiven, Gedenkstätten, Museen, jüdischen Gemeinden und Initiativen. Zur praktischen Anleitung bei der Gestaltung der Medienprodukte stehen eine Reihe von kommunalen Medienzentren bereit. Wann die Projekte anlaufen, entscheidet jede Gruppe selbst. Einige Schulen sind direkt nach den Osterferien gestartet.

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