Entweiht: Abschied von der Herz-Jesu-Kirche

Pfarrer Nordhues Allerheiligsten Kirche Gottesdienst Herz-Jesu-Kirche 
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HAMM-OSTEN - Zum letzten Mal erfüllten am Mittwochabend die Glocken von Herz Jesu den Hammer Osten. Ihr Klang begleitete die Gemeinde, als sie geschlossen die Kirche verließ, in der sie mit Weihbischof Manfred Grothe und anderen Ehrengästen mit der letzten Eucharistiefeier die Profanierung (Entweihung) eingeleitet hatte.

Von Torsten Haarmann 

Und als stimmte der Himmel in die sichtliche Trauer der Gläubigen mit ein, ergoss sich beim Auszug ein Starkregen über die Stadt.

Er ließ die Christen jedoch, wie vom Weihbischof aufgefordert, weniger zurück-, sondern eilig vorausschauen: Die Kirche wird „abgetragen“, an ihrer Stelle entsteht die neue Herz-Jesu-Kita. „Wir geben einen Raum auf, aber nicht das, was er uns eingeräumt hat“, wies Pfarrer Bernd Mönkebüscher auf die Fortsetzung des Gemeindelebens in der Kindertageseinrichtung hin. Er verlas das Dekret. Damit erlosch 54 Jahre nach der Einweihung der sakrale Charakter der Herz-Jesu-Kirche, die unter anderem angesichts einer sinkenden Zahl an Gemeindemitgliedern aufgegeben wird. Unter den Ehrengästen waren auch Dechant Dr. Gerhard Best und Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann.

Bilder vom letzten Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche

Letzter Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche

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„Wir werden ärmer geworden sein, die katholische Kirche, die Stadt Hamm wird ärmer geworden sein“, sagte Weihbischof Grothe angesichts des Abschieds vom Gotteshaus. Tröstlich nannte er jedoch, dass Christen an der Stelle weiter eine Heimat haben werden. Er machte daher neben dem Schmerz und der Trauer auch Hoffnung aus – jedoch nur wenig Trost für die, die ihr Leben lang tief verwurzelt mit der Herz-Jesu-Gemeinde und der Kirche gewesen sind. „Sehr traurig“, beschrieb Marita Wiesendahl, wie viele andere auch, ihre Empfindungen am Mittwochabend nach dem Auszug. Mehr Worte bedurfte es nicht für jemanden, der mit zwölf Jahren bereits bei der Einweihung dabei war, deren Kinder in der Kirche getauft und gefirmt wurden und die sich als Messdiener engagierten.

Herz-Jesu war die Heimatkirche von Margret Juchmanns Großmutter und Mutter. Sie saß beim Abschied dort, wo sie auch vor 54 Jahren zur Einweihung als Neunjährige Platz genommen hatte und als das unvergessliche Bild der einziehenden Patres in ihrer Erinnerung entstand.

Für Irmgard Luczka aus St. Bonifatius Werries ist es unvorstellbar, dass Herz Jesu bald nicht mehr, „wie immer eigentlich“, dort stehen soll, als „Rastplatz“, wie Weihbischof Grothe eine Kirche auch bezeichnete. So legte Irmgard Luczka nach ihrem Einsatz für die Adoptionsvermittlung oft auf dem Weg nach Hause einen Halt an der Ostenallee ein, um die Eindrücke zu verarbeiten, „um Ruhe zu finden“.

Video vom Abriss der St. Josef Kirche in Heessen

Bilder vom Abriss der St. Josef Kirche in Heessen

Abriss der Kirche St. Josef in Heessen

Allen bleibt gemeinsam die Erinnerung an die Herz-Jesu-Kirche, deren Licht des Glaubens durch 54 Sonnenblumen an den Altarstufen symbolisiert wurde – für jedes Jahr eine. Als jemand, der mit am längsten in der Kirche aktiv gewesen ist, bekam Pater Horst Kubina MSC als Erster unter dem starken Beifall der Gemeinde eine Blume mit, andere sollen etwa in den Nachbarkirchen aufgestellt werden.

Nachdem die Gemeinde die Kirche verlassen hatte, folgten die Geistlichen. Pfarrer Marcus Nordhues trug als Letzter das Allerheiligste hinaus – was folgt, sind die Vorbereitungen für das „Abtragen“ der Kirche und für den Neubau der Kita.

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