Tat in Hamm erinnert an Wildwest-Szene

Prahlen bis die Polizei kommt: Tedi-Räuber muss ins Gefängnis

Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Dr. Michael von Glahn kurz vor der Urteilsverkündung.
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Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Dr. Michael von Glahn kurz vor der Urteilsverkündung.

Nach einem Raubüberfall auf einen Tedi-Markt in Bockum-Hövel hat es nicht lange gedauert, bis die Polizei auf der richtigen Spur war. Der Täter hatte zu sehr mit dem Überfall geprahlt. Jetzt wurde er verurteilt.

Dortmund/ Hamm – Die Tat erinnerte an eine Wildwest-Szene, die Beute belief sich auf rund 1000 Euro: Nach einem Überfall auf einen Tedi-Markt in Bockum-Hövel ist der Täter am Dienstag zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Es war der Abend des 26. August 2020, als der Angeklagte in der Filiale an der Oswaldstraße auftauchte. Im Hosenbund hatte er zwei wuchtige Küchenmesser versteckt. Die beiden Verkäuferinnen, die damals im Geschäft waren, hatten ihn zunächst gar nicht richtig ernst genommen. Erst als der Angeklagte seinen Pullover hochschob, die Messer herauszog und mit voller Wucht in die Kassentheke rammte, bekamen sie es mit der Angst zu tun.

Auch was dann folgte, war brachiale Gewalt. Der 44-Jährige riss die gesamte Kassenschublade aus der Verankerung, ein extra angebrachtes Sicherungsseil schnitt er einfach durch. Die Beute belief sich auf rund 1000 Euro.

Tedi in Hamm überfallen: „Erst mal ein paar Tage Party gemacht“

„Davon hat er dann erst mal ein paar Tage Party gemacht“, so Richter Dirk Kienitz bei der Urteilsbegründung am Dortmunder Landgericht. Der seit Jahren extrem drogenabhängige Angeklagte kaufte Alkohol, Kokain und Heroin, zeigte sich in der Szene offenbar äußerst spendabel.

Dort muss er dann auch mächtig mit der Tat geprahlt haben, was sein Leben in Freiheit dann allerdings auch ziemlich schnell beendete. Die Polizei erhielt einen anonymen Hinweis, kurz darauf erfolgte die Festnahme.

Der Angeklagte wollte die Tat dann auch gar nicht bestreiten. Er legte schon damals sofort ein Geständnis ab, das er im Prozess wiederholt hat. Von der Beute war allerdings nichts mehr übrig.

Tedi in Hamm überfallen: Extremer Suchtdruck als Hintergrund

Hintergrund der Tat war laut Urteil ein extremer Suchtdruck. Der Anklage bekam zwar jeden Tag Drogen-Ersatzmedikamente, doch das reichte ihm offenbar nicht aus. Am Tattag will er schon morgens reihenweise kleine Schnapsfläschchen geleert haben, nachmittags kamen Kokain und Heroin dazu. „Er war extrem abhängig“, so auch sein Verteidiger Dr. Michael von Glahn.

Ins Gefängnis muss der Angeklagte deshalb auch nur noch kurz zurück. Nach dem Urteil soll er so schnell wie möglich in eine geschlossene Therapie-Einrichtung wechseln. „Das ist Ihre letzte Chance“, so Richter Kienitz. „Sie sind jetzt Mitte 40. Viele Chancen werden sie in ihrem Leben nicht mehr erhalten.“

Dem Angeklagten hätten für den bewaffneten Raubüberfall eigentlich mindestens fünf Jahre Haft gedroht. Die Richter gingen aufgrund der starken Drogenabhängigkeit jedoch von einer verminderten Steuerungsfähigkeit aus. Die Staatsanwaltschaft hatte das genauso gesehen.

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