Aktuelle Corona-Statistikdaten

Positive Schnelltests: Verzerren sie den Hammer Inzidenzwert?!

[Update] Über Schnelltests werden in Hamm täglich weitere Corona-Infektionen bekannt, die normalerweise unentdeckt geblieben wären. Im Prinzip eine gute Sache. Weil diese Ergebnisse aber der Statistik rückwirkend zugeschlagen werden, stellen sich Fragen. Wir haben die Antworten.

Hamm - Der Inzidenzwert für die Stadt Hamm hat sich zuletzt wenigen Ausreißern zum Trotz unter der kritischen 100er-Marke gehalten. Doch wie zuverlässig sind diese Kennwerte, wenn ihnen im Nachgang inzwischen weitere Coronavirus-Infektionen zugeschlagen werden, die zunächst über Schnelltests bekannt und danach mittels PCR-Tests amtlich bestätigt werden? Diese Frage kann die Stadt nun mit einem beruhigenden Tenor beantworten. (News zum Coronavirus in Hamm)

Zumeist geht es bei den fraglichen Zahlen um einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen. Zur Sicherheit blicken wir einmal beispielhaft auf vier aufeinanderfolgende Tage zurück: Am 3. April meldete die Stadt einen Inzidenzwert von 89,5 - um die Schnelltests bereinigt lag er tatsächlich dann bei 97,3. Am 4. April wurden 79,5 ausgewiesen, bereinigt sind es 86,2. Am 5. April wurden 91,1 ausgewiesen, bereinigt sind es 96,2. Am 6. April wurden 90,0 ausgewiesen, bereinigt sind es 91,7. Die Schwankungen sind also - so lange die Nachmeldungen nicht spürbar anziehen - relativ gering.

Corona-Infektionen in Hamm: Nur tagesaktuelle Werte relevant

Wichtig dazu: Wie Stadtsprecher Tom Herberg dazu ergänzt, sind für die „Notbremse“ die tagesaktuell ermittelten Werte entscheidend – und nicht die im Nachhinein angepassten! (Die von der Politik gesetzte „Notbremsen“-Hürde liegt nach wie vor bei 100: Sie müsste an mindestens drei Werktagen nacheinander gerissen werden. Zwei Tage später würden dann auch in Hamm jene Verschärfungen in Kraft treten, die inzwischen in der Mehrzahl der NRW-Kommunen gelten.)

Oberbürgermeister Marc Herter hatte bereits angekündigt, im Fall der Fälle die Testoption zu ziehen (so machen es die meisten Kommunen) und somit Geschäfte und Einrichtungen nicht wieder komplett zu schließen, sondern den Besuch an einen negativen Schnelltest als Voraussetzung zu binden.

Corona-Infektionen in Hamm: Weit über 10.000 Schnelltests

Von den in Hamm zwischen dem 29. März und 4. April offiziell durchgeführten 10.405 kostenlosen Schnelltests hatten nach Erkenntnissen des Gesundheitsamts letztlich 72 ein positives Ergebnis - eine Positivquote also von 0,69 Prozent. Wie vorgeschrieben, wurden die Betroffenen anschließend auch mit einem PCR-Test getestet. Wie viele von diesen wiederum positiv waren, ist der Stadt in der Summe nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass es auf so gut wie alle zutraf.

Ebenso unklar ist indes, wie viele weitere Schnelltests und Selbsttests eigenverantwortlich im privaten Bereich durchgeführt wurden. Auch wenn Positivfälle hier ebenfalls gemeldet bzw. bestätigt werden müssen, könnte es in diesem Bereich eine Dunkelziffer geben.

Weitere Corona-Daten für Hamm (Woche 29. März bis 4. April):

Infektionsgeschehen/Infektionsketten: Insgesamt 154 Neuinfektionen wurden in den genannten Woche bekannt (29 weniger als in der Vorwoche). Etwa 48 Prozent der neuen Infektionen stammen aus dem Familien- und Bekanntenkreis, 8 Prozent aus Krankenhäusern, rund 5 Prozent von Arbeitgebern, 1 Prozent von Reiserückkehrern. In 38 Prozent aller Fälle konnte die Infektionsquelle im Rahmen der Nachverfolgung am Ende nicht geklärt werden. In 24 zunächst als „ungeklärt“ vermeldeten Fällen waren diese Bemühungen noch im genannten Zeitfenster erfolgreich.

Altersklassen der 343 akut Infizierten:

  • Anzahl Infizierte 0-9: 35 (-19)
  • Anzahl Infizierte 10-19: 41 (-1)
  • Anzahl Infizierte 20-29: 44 (-5)
  • Anzahl Infizierte 30-39: 69 (+7)
  • Anzahl Infizierte 40-49: 52 (-6)
  • Anzahl Infizierte 50-59: 41 (-14)
  • Anzahl Infizierte 60-69: 27 (+2)
  • Anzahl Infizierte 70-79: 21 (+3)
  • Anzahl Infizierte 80-89: 11 (-5)
  • Anzahl Infizierte über 90: 2 (-1)

Schulen: 48 Schülerinnen und Schüler galten als infiziert, davon waren 45 nicht innerhalb des infektiösen Zeitraums in der Einrichtung. Es befinden sich zurzeit 124 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Folgende Schulen sind betroffen: Bodelschwinghschule, Friedrich-Ebert-Realschule, Martin-Luther-Schule, Sophie-Scholl-Gesamtschule.

Kitas: 13 Kinder (davon waren 10 nicht im infektiösen Zeitraum in der Einrichtung) und fünf Mitarbeiter/innen galten als infiziert. Die betroffenen Kitas sind: Kita Blauland, DRK-Kita Wunderwald, AWO-Kita Seilfahrt, Kita St. Josef (Pestalozzistr.), Kita St. Stephanus, Ev. Kita Mark, Outlaw-Kita (Feidikstraße).

Seniorenheime: 2 Bewohner/innen und 4 Mitarbeiter/innen in drei Seniorenheim galten als infiziert.

(Datenquelle: Stadt Hamm)

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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