Polizei zur Vergewaltigung: Kein absoluter Schutz

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Ulrich Biermann ist Sprecher der Hammer Polizei.

Hamm - Über kaum ein Thema wird derzeit in der Stadt mehr diskutiert als über die Vergewaltigung einer 18-jährigen Hammerin am Rande des Hochschulgeländes. Wir haben dazu mit einem Polizeiexperten gesprochen.

Diffuse Ängste kursieren angesichts der Tat, die sich samstagmorgens um 5.30 Uhr auf dem Dunantweg zutrug. Kann ich selbst oder meine Tochter noch allein mit dem Fahrrad fahren oder zum Joggen in den Wald lassen? Fragen wie diese machen die Runde, obwohl die mutmaßlichen Täter längst hinter Schloss und Riegel sitzen. Auch das schreckliche Ende im Fall Anneli aus Dresden dürfte die Sorgen weiter wachsen lassen. WA-Redakteur Frank Lahme sprach mit Polizeisprecher Ulrich Biermann über das Problem.

Wie häufig kommt es zu Übergriffen dieser Art in Hamm?

Ulrich Biermann: Es besteht kein Grund, sich wegen dieses schweren Einzelfalls unsicher zu fühlen. Eine solche überfallartige Vergewaltigung durch mehrere Täter ist in Hamm die absolute Ausnahme. Es wäre irrational, deshalb seine Gewohnheiten zu ändern

Hier auf dem Dunantweg passierte die Tat.

oder sich nicht mehr aus dem Haus zu trauen. Im Jahr 2012 wurden in Hamm zwei vollendete überfallartige Vergewaltigungen bekannt, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils drei. Die Tatorte befanden sich überwiegend im öffentlichen Raum, teils aber auch in Wohnungen.

Was kann ich selbst tun oder sollte ich ändern, um mich auch in Zukunft sicher zu fühlen?

Biermann: Einen absoluten Schutz gegen eine derartige Tat gibt es nicht. Man sollte aber im Dunkeln Orte meiden, an denen man ein schlechtes Bauchgefühl hat. Wenn man zu Fuß unterwegs ist, sind beleuchtete Hauptstraßen allgemein sicherer als dunkle Nebenwege. Noch besser ist es, nachts nicht allein nach Hause zu gehen, sondern lieber Busse oder Taxen zu nutzen. Den Einsatz von Pfefferspray sehen wir eher skeptisch. Man sollte für den Ernstfall wirklich geübt in der Handhabung sein, sonst kann man es schnell selbst abbekommen. Die Gefahr besteht insbesondere, wenn der Täter es einem entreißt.

Wie reagiert die Polizei auf solche Ereignisse?

Biermann: In Hamm ist es genauso sicher wie vorher auch. Für besondere polizeiliche Maßnahmen wegen dieser Tat besteht kein Grund. Natürlich beziehen wir bestimmte „Angsträume“ regelmäßig in unsere Streifentätigkeit ein. Jede dunkle Ecke in der Stadt permanent zu überwachen, ist aber schlichtweg nicht möglich.

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