Ein echter Hammer

Polizei durchkreuzt Rennen - doch Raser darf weiter fahren

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Die Hammer Polizei hat am ein illegales Autorennen durchkreuzt und steht am Ende doch mit leeren Händen da: Denn der ertappte Raser darf weiterfahren.

Hamm – Schon doof: Da gelingt es der Hammer Polizei, einen Raser, der offenbar bei einem illegalen Rennen mitgemacht hat, zu stoppen. Doch am Ende kann der Bleifuß mit seinem 190-PS-Audi seelenruhig nach Hause fahren. Führerschein und Fahrzeug werden nicht beschlagnahmt – und das nicht zum ersten Mal. Geschehen ist dieser jüngste Fall in der Nacht zu Mittwoch auf der Radbodstraße, also im Innenstadtbereich, wo Tempo 50 vorgeschrieben ist. (Hier klicken für unseren ersten Artikel dazu.) 

Eine Polizeistreife sieht gegen 0.20 Uhr, dass zwei Hirnverbrannte mit ihren Wagen in Richtung Norden rasen. Es sind ein heller Golf 3 mit auffälligen Aufklebern an den Fahrzeugseiten und ein Audi A4 Variant. Der Audi-Fahrer schwenkt immer wieder nach rechts und links aus, um den Golf-Fahrer am Überholen zu hindern. Mit Tempo 100 rasen die Spacken bis zur Kreuzung Lange Straße, wo sie vor der Rotlicht zeigenden Ampel warten und die Motoren aufheulen lassen.

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24-Jähriger Hammer am Steuer

Die Beamten sind ihnen auf den Fersen, was aber nur der Golf-Fahrer bemerkt. Als die Ampel umspringt, zieht er nach links in die Lange Straße, der Audifahrer rast hingegen mit quietschenden Reifen weiter in Richtung Norden. An der nächsten Kreuzung haben ihn die Beamten eingeholt und halten den Wagen an. Am Steuer sitzt ein 24-jähriger Hammer.

Die Polizisten nehmen dessen Personalien auf und halten Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft, die sich letztlich gegen eine Beschlagnahme des Führerscheins und des Autos ausspricht. Der 24-Jährige darf mit seinem Auto weiterfahren.

Nachweisführung als Problem

Auf den ersten Blick klingt das paradox. Im Jahr 2017 hat die Bundesregierung die Beteiligung an illegalen Rennen von der Ordnungswidrigkeit (500 Euro) zur Straftat aufgewertet. Bis zu zwei Jahre Haft drohen nun jedem, der erwischt wird – auch jetzt dem 24-Jährigen und dem Golf-Fahrer, so er denn ermittelt wird.

Das Problem bei der Anwendung des Raserparagraphens (§ 315d StGB) ist die Nachweisführung. Kann im Strafprozess am Ende nicht bewiesen werden, dass es sich tatsächlich um ein Rennen handelte oder der Fahrer mit höchstmöglicher Geschwindigkeit und rücksichtslos unterwegs war, dann könnten für die Zeit der Führerscheinbeschlagnahme Regressansprüche entstanden sein. Binnen kurzer Zeit muss die Staatsanwaltschaft deshalb prüfen, ob ein dringender Tatverdacht gegeben ist – und kommt meist zu einem negativen Ergebnis.

Schon sechs illegale Rennen aufgeflogen

Die Taktzahl steigt: Wurde im Jahr 2017 lediglich ein illegales Straßenrennen von der Hammer Polizei gestoppt, so waren es im Jahr 2018 immerhin schon drei. In diesem Jahr wurden bereits sechs so genannter „Streetracings“ von der Polizei beendet. Dreimal im Mai, einmal im Juni und zweimal im September. Dies bedeutet nicht zwangläufig, dass die Raser- und Tuningszene in Hamm immer mehr Zulauf erhält. Tatsächlich, so sagte ein Polizeisprecher, seien die Beamten mittlerweile für das Thema sensibilisiert und auch entsprechend geschult worden.

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