Jahrestag-Gedenken am Freitag

Pogromnacht in Hamm: Polizei sollte nicht eingreifen

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Die Synagoge in Hamm wurde geplündert und verwüstet, allerdings nicht angezündet. (Klicken Sie rechts oben in das Bild, um das ganze Motiv zu sehen.)

Hamm - Was passierte in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Hamm? Und welche Rolle spielte die Polizei? Auch 80 Jahre später gibt es offene Fragen. Gleichwohl finden sich immer wieder hilfreiche Dokumente.

Die Stadt gedenkt am Freitag an die Opfer der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Damals waren in Hamm wie in ganz Deutschland jüdische Bürger überfallen, ihre Wohnungen und Geschäfte geplündert und Synagogen angezündet worden. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen dabei mindestens 127 Menschen ums Leben.

Todesfälle sind für Hamm in jener Nacht nicht verbürgt, mehrere Menschen wurden jedoch verletzt. Mindestens 46 Bürger wurden verhaftet und zum Teil in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin gebracht.

Der Ablauf der Ereignisse ist nicht in allen Details bekannt - jetzt ausgewertete Polizeiakten zeigen jedoch, dass die Schutzpolizei in jener Nacht bewusst zurückgehalten wurde. Bereits am 8. November waren die Beamten schriftlich angewiesen worden, in begrenztem Umfang und unbewaffnet am NS-Gedenkfeiern zum Jahrestag des Hitler-Putsches teilzunehmen.

Protokolle der Polizei: Hier hält Andreas Feldhaus, Leiter der Polizeihistorischen Sammlung, den Tagesbefehl Nr. 40 in der Hand.

Für den Großteil der Mannschaften gab es abends die Anweisung, auf der Wache zu bleiben. Gestapo-Chef Heinrich Müller wies die gesamte deutsche Polizei um 23.55 Uhr per Fernschreiben von München aus an,

Gedenken in Hamm:

Hammer Schulen erinnern am Freitag ab 12.30 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz (vor dem Bahnhof) mit leeren Koffern an die Hammer Bürger, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die offizielle Gedenkfeier an der Gedenkstätte „Alte Synagoge“ auf dem Santa-Monica-Platz beginnt um 17 Uhr. Ein Kunst- und Kulturprogramm namens „Friedenszeichen“ schließt sich um 18.30 Uhr auf Leonardos Bühne im Martin-Luther-Viertel an.

Ins Gedenken werden erstmals Grundschulkinder eingebunden

Das Buch „Polizei Hamm. Der Weg der staatlichen Polizei in Hamm von der Weimarer Republik ins Dritte Reich“ (3. Auflage, Hamm 2018, 201 Seiten) von Siegfried Paul und Andreas Feldhaus ist über das Polizeipräsidium Hamm, Telefon 916-0, zu beziehen.

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