Wir beleuchten die Planung von Stadt und Lippeverband

Plateau im Erlebensraum Lippeaue: Riesig, aber ohne "Rambazamba"

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Blick über die Münsterstraße in Richtung Osten: Wie auf der groben Umrissskizze dargestellt, soll sich das Plateau künftig rechts vom Flugplatz an den bisherigen Hochwasserdeich schmiegen und auf der anderen Seite sanft abfallen. Im vorderen Bereich wird zurzeit die Anbindung an die Münsterstraße geplant.

Ein knappes Jahr nach dem ersten Spatenstich hat sich in der Lippeaue zwischen Bahndamm und Fährstraße schon vieles verändert. Optisch, aber auch inhaltlich. Denn die ursprüngliche Planung sieht in einem wesentlichen Bereich längst komplett anders aus.

Hamm – Der unpassende und viel kritisierte Begriff „Hochplateau“ ist inzwischen der schlichteren „Plateaulösung“ gewichen, doch die Anfang September überraschend verkündete Planungsänderung verleiht dem Projektgebiet ein wiederum gänzlich neues Gesicht.

Für dieses neue Gesicht bleibt der Hochwasserdeich zwischen Münsterstraße und der Kläranlage in seiner Linienführung im Kern zwar erhalten, doch wird er um mehr als einen Meter abgesenkt und erhält zur Lippe hin einen deutlich seichteren, aber bewusst unregelmäßig verlaufenden Anstieg. Zur Flugplatzseite hin wird er zur besagten Plateau-Ebene aufgeschüttet. Diese wird sich auf satte 48.000 Quadratmeter erstrecken und an keiner Stelle mehr als drei Meter hoch sein.

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Kein Störkörper in der Landschaft

Wegen der geringen Höhe und der flachen Neigungswinkel werde man das Plateau leicht begehen und „nicht als großen Störkörper wahrnehmen, sondern als kleine Erhebung in der Landschaft“, glaubt Silke Bielefeld, Projektleiterin der Stadt. Die Art der Anbindung zur Münsterstraße ist noch offen; sie wird aktuell wie der Auenpark überhaupt von einem Landschaftsplaner entwickelt. Hier fallen Begriffe wie Rampe oder Treppe.

Wenn auch für die Öffentlichkeit überraschend, sei die Umplanung im Spätsommer nicht vom Himmel gefallen, erklärt Dirk Klingenberg vom Lippeverband. „Das ist eine Entwicklung, die im Rahmen einer Planung von Großprojekten eben passieren kann“, findet er.

Vorstellbar sind auf dem Plateau auch gastronomische Angebote.

Entscheidend waren die 75.000 Kubikmeter beziehungsweise 150 000 Tonnen hochwertiger Böden allein aus der Schweinemersch westlich der Münsterstraße. Kombiniert mit dem Gedanken möglicher Einsparungen sei die Idee der Plateau-Lösung geboren worden. Denn 18.000 Lkw-Fahrten müssten somit eben nicht durchgeführt werden, weil das Material ja vor Ort bleibe. Was wiederum im Sinne der CO2-Bilanz auch aus ökologischer Sicht positiv sei. Klingenberg: „Die Plateau-Idee war dann keine Entwertung, sondern eine Fortschreibung der Gesamtidee Auenpark.“

Kleinere Veranstaltungen möglich

Vehement weisen alle Planer auch die Befürchtung zurück, das Plateau könne zu einem „Rambazamba“-Areal werden. Ja: Neben dem grundsätzlichen Freizeitwert seien vereinzelt auch Veranstaltungen möglich, wie zum Beispiel kleinere „Klassiksommer“-Konzerte oder Trödelmärkte. Für diese gelte es aber klar zum einen definierte Auflagen – auch mit Blick auf Lärmschutz und Artenschutz – einzuhalten. Zum anderen dürften sie in der Größe aber nie ein gewisses Publikumsmaß übersteigen. „Eine Zahl von mehr als 300 Besuchern soll hier nicht provoziert werden“, stellt Umweltamtschef Dr. Oliver Schmidt-Formann klar.

Eindrücke vom Erlebensraum Lippeaue im Herbst 2019

Eindrücke vom Erlebensraum Lippeaue im Herbst 2019

Den Startschuss für die Bauarbeiten, die parallel zur Deichrückverlegung im Ostbereich stattfinden sollen, erwartet der Planer vom Lippeverband im Lauf des Jahres 2021. Sie sollen nicht länger als ein halbes Jahr dauern.

Was kostet das alles eigentlich?

Die Gesamtkosten werden von den Planern auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Den Gutteil davon trägt mit 30 Millionen der Lippeverband. Sie stammen aus den Beiträgen seiner Mitgliedskommunen. Die 30 Millionen sind zweckgebunden, würden also alternativ nicht für die Sanierung von Schulen oder ähnliches zur Verfügung stehen. Rund 10 Millionen bezahlt die Stadt Hamm; 7,4 Millionen holt sie sich über das – ebenfalls zweckgebundene – EU-Fördermittelprogramm „Efre“ (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) zurück. 1,4 Millionen Euro nahm am der OB am Dienstag an Fördergeldern vom Land NRW entgegen.

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