Fragen und Antworten zu Hamms größter Baustelle 2020

Vorräte schrumpfen: Reicht der Sand tatsächlich für den "Erlebensraum"?

Wo sich lange Zeit riesige Sandberge türmten, herrscht inzwischen gähnende Leere. Auf die weiteren Arbeiten für den Erlebensraum Lippeaue hat das nach Angaben der Stadt Hamm keine negativen Auswirkungen.
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Wo sich lange Zeit riesige Sandberge türmten, herrscht inzwischen gähnende Leere. Auf die weiteren Arbeiten für den Erlebensraum Lippeaue hat das nach Angaben der Stadt Hamm keine negativen Auswirkungen.

Der einstmals größte Sandkasten der Stadt ist überraschend stark geschrumpft. Was heißt das für die ambitionierten Plateau-Pläne im "Erlebensraum Lippeaue"? Und wann und wie lange fällt die Deichkrone für Radler und Fußgänger weg? Auf diese und viele andere spannende Fragen haben wir Antworten.

Hamm - Neben der Umgestaltung, Renaturierung und Schaffung von Naturflächen soll den Besuchern des künftigen "Erlebensraums Lippeaue" vorrangig der Bereich mit Plateau und Lippeufer dienen. Wesentliche Arbeiten dafür stehen in diesem Jahr an; schon jetzt prägen gravierende Eingriffe die Landschaft zwischen der Bahnstrecke und der Fährstraße. Doch die "Vorratskammer" neben der Münsterstraße ist ziemlich leer geworden. Ein Problem? Nein, sagt Silke Bielefeld. Sie hat neben mit Dirk Klingenberg vom Lippeverband die Projektleitung für die Stadt Hamm inne und konnte auf Fragen von WA-Redakteur Markus Hanneken pointierte Informationen gegeben:

Was zuletzt passiert ist

Welche relevanten Arbeiten wurden seit dem Herbst 2019 (unsere jüngste große Berichterstattung) zwischen Münsterstraße und Fährstraße durchgeführt?

Der "Teilabschnitt Schweinemersch" westlich der Münsterstraße ist mittlerweile nahezu fertiggestellt, circa 130.000 Kubikmeter Boden wurden bewegt und rund 800 Meter Kanal liegen im Erdreich.

Seit November ist der reine Kanalbau fertiggestellt. Die Arbeiten am Auslaufbauwerk haben begonnen und "laufen sehr gut", sagt die städtische Projektleiterin Silke Bielefeld.

Wieviel Bodenmasse wurde in dieser Zeit bewegt?

90.000 Kubikmeter Boden (die vorher im Zwischenlager des Vorlands lagen).

Baustelle "Erlebensraum Lippeaue", Eindrücke im März 2020

Baustelle "Erlebensraum Lippeaue", Eindrücke im März 2020

Angestautes Material schrumpft

Die Sandberge neben der Münsterstraße sind inzwischen deutlich geschrumpft. Dabei sollten sie doch das Material für das 48.000 Quadratmeter starke Plateau bereitstellen. Reichen die verbliebenen Mengen aus? Oder muss doch noch von außerhalb Material heran geschafft werden?

Das Plateau wird aufgeschüttet aus mehr als 110.000 Kubikmetern Erde, die nach den ursprünglichen Planungen aus dem Projektgebiet abgefahren worden wären. Das entspricht knapp 18.000 Lkw-Touren durch das Stadtgebiet, die nun entfallen.

Die Sandmengen, die an den Bergen aktuell „fehlen“, sind derzeit in der „Zwischenverwendungen“ als sogenannte Vorballastierung für den Schmutzwasserkanal (70 Zentimeter Innendurchmesser), der hinter dem entstehenden Deich bis zur Kläranlage Mattenbecke (1,3 Kilometer lang) verlegt wird, im Einsatz: Der Boden liegt aktuell als Erdkörper dort, wo später der Schmutzwasserkanal entstehen soll.

Die Bodenmasse bereitet den Untergrund für den seitlich entstehenden Deich vor, der seitlichen „Druck“ auf den Kanal ausüben wird. Das Gewicht der „Vorballastierung“ soll den Boden quasi jetzt vorbereiten, um spätere Setzungen, wenn der Kanal im Erdreich liegt, zu vermeiden. Nach seinem Einsatz als „Vorballastierung“ soll mit dem Boden das Plateau gebildet werden.

Bilder vom Lippeauen-Sandkasten im Mai 2019

Bilder vom Lippeauen-Sandkasten im Mai 2019

Nachteile für Fußgänger und Radler

Ab wann werden Fußgänger und Radler den Deich nicht mehr nutzen können? Und wie lange wird das dann so bleiben?

Vermutlich ab Anfang Juni 2020 und für eine Dauer von etwa zwei Jahren (drittes Quartal 2022). Bevor es soweit ist, will die Stadt rechtzeitig über Dauer und weitere Details informieren. (Siehe auch: Stahlwand und mehr: So läuft der Deichbau im "Erlebensraum" ab.)

Unklar ist noch, ob der Fuß- und Radweg südlich am Kanal zwischen Fährstraße und Adenauerallee dann als Alternative taugt. Nach aktuellem Stand sollen im Sommer 2020 zwar alle Arbeiten am neuen Ahse-Düker abgeschlossen sein, doch die Freigabe des Weges kann sich noch bis Juli verzögern, weiß Ralf Bruns vom zuständigen Baubüro. Unklar ist derzeit auch noch, wann die durch einen Erdrutsch beschädigte Spundwand repariert und die entsprechende Sperrung beendet sein wird. Ein Gutachten ist in Arbeit.

Der Patt zwischen dem bisherigen Deich und dem „Hammer"-Parkplatz (Brökermersch) ist derzeit wegen der Aufschüttungen nicht mehr nutzbar. Wird diese Querverbindung nach Heessen künftig wieder nutzbar gemacht, oder fällt sie den Veränderungen auf Dauer zum Opfer?

Es ist vorgesehen, dass die Querverbindung nach der Bauzeit wieder nutzbar sein wird, verspricht Projektleiterin Bielefeld.

Was alles in diesem Jahr passiert

Was wird neben dem Abtragen des bisherigen Deiches im Lauf dieses Jahres wann in welchen Bereichen passieren?

Im Mai 2020 kann (wenn das Wetter mitspielt) der endgültige Umschluss des Kläranlagen-Auslaufs an den neuen Kanal erfolgen. Dazu wird der Wasserablauf in Abstimmung mit dem Betrieb kurzzeitig gestoppt.

Gemäß der Planung findet voraussichtlich im Mai das Einsetzen der Spundwände statt. Der Deich zwischen der Kläranlage und der Münsterstraße wird etwas „geschliffen“; der Höhenabtrag (60 bis 80 Zentimeter) findet Verwendung im Plateauaufbau. Das Anfüllen des Plateaus beginnt nach der Deichverlegung östlich der Kläranlage Mattenbecke voraussichtlich Mitte 2021 und dauert rund sechs Monate.

Die Anlage des Lippestrands wird (ebenfalls je nach Wetterlage) in nächster Zeit in Angriff genommen und läuft parallel zum weiteren Bauablauf.

Kann der kommunizierte Zeitplan für dieses Jahr (und letztlich die Gesamtfertigstellung Mitte 2022) eingehalten werden, oder gibt es Verzögerungen beziehungsweise ungeplante Änderungen zu berücksichtigen? 

Stand heute kann der kommunizierte Zeitplan eingehalten werden, sagt die Projektleiterin. Aktuell gebe es keine Verzögerungen, die sich auf die Gesamtdauer auswirken könnten.

Geheimnisvolle Rohre im Deich

Im neuen Deichverlauf sind in kurzen Abständen Rohre zu sehen, die nach oben herausragen. Welche Funktionen haben diese?

Die Rohre dienen der Kampfmitteluntersuchung im Vorfeld der Erstellung der Spundwand: Im Abstand von rund 1,20 Metern sind Bohrungen erfolgt, in die Kunststoffrohre eingelassen wurden. Die Rohre sind etwa einen Meter tiefer als die geplante Spundwand und reichen so zwischen 11 und 13 Metern ins Erdreich. Dem Kampfmittelräumdienst dienen die verrohrten Bohrungen zur Sondenmessung.

Sind bisherige Bombenverdachtspunkte entlang des neuen Deichverlaufs ausgeräumt, oder muss dort auch weiterhin mit Entschärfungsaktionen gerechnet werden?

Bezogen auf den Deichverlauf ja; im Bereich des Bodenlagers müssen noch Oberflächendetektionen durchgeführt werden.

Wie viele Arbeiter sind derzeit im Baustellenbereich im Einsatz?

Durchschnittlich – je nach Wetterlage und Maschineneinsatz – sind 10 bis 15 Personen im Baustellenbereich im Einsatz.

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