Plagiatsvorwurf: Uni entlastet OB-Kandidat Gürle

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Cevdet Gürle

HAMM/MÜNSTER - Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Münster hält die Plagiatsvorwürfe gege den Hammer OB-Kandidaten und Vorsitzenden der Wählergruppe Pro Hamm Cevdet Gürle für gegenstandslos.

Auf seiner Sitzung am Montag hat der Rat die Vorwürfe überprüft. Er hatte im Jahr 2004 seine Dissertation mit dem Titel "Die Zypernfrage – Im Spannungsverhältnis zwischen Ankara und Athen" veröffentlicht. In einer Pressemitteilung wurden die Ergebnisse am Dienstagvormittag veröffentlicht. Demnach gab der Fakultätsrat nach nach eingehender Prüfung einstimmig und ohne Enthaltungen an, "dass Gürle sein Promotionsstudium einschließlich der Dissertation im Einklang mit der damals gültigen Promotionsprüfungsordnung von 2001 absolviert hat". Die gegen seine Doktorarbeit erhobenen Vorwürfe seien "somit gegenstandslos".

Gürle selbst sieht sich bestätigt. "Ich habe mit viel Fleiß und Leidenschaft meine Doktorarbeit verfasst", schrieb er in einer ersten Stellungnahme. Er hätte sich "gewünscht, dass die verantwortlichen Mitarbeiter beim Westfälischen Anzeiger die Sitzung des Fakultätsrates abgewartet hätten". Gürle: "Man hat sich beim Westfälischen Anzeiger aber für eine andere Vorgehensweise entschieden. Die vergangenen zwei Wochen waren eine nicht einfache Zeit, aber durch die Unterstützung meiner Familie und der Mitstreiter von Pro Hamm wurde ich in meinem Handeln gestärkt und habe unbeirrt den 'Wahlkampf' fortgesetzt." - WA

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WA-Kommentar vom 14. Mai: "Mehr Fragen als Antworten"

Von Jan Schmitz

Deutlich schneller als angekündigt hat der Rat der Philosophischen Fakultät der Uni Münster seine Entscheidung getroffen – und ließ sie gestern über die Pressestelle der Uni verbreiten. Die gegen die Doktorarbeit von Dr. Cevdet Gürle erhobenen Vorwürfe seien gegenstandslos, weil sie im Einklang mit der Promotionsordnung stünden.

Für Nachfragen war aus dem Rat gestern niemand greifbar. Das ist schade, denn eine Einordnung, ob und wie die nachweislichen Eigenplagiate auf rund der Hälfte der Seiten in Gürles Dissertation in die Bewertung eingeflossen sind, wird durch die Wissenschaftler nicht vorgenommen.

Ungeklärt ist auch, ob der Rat einen Abgleich der beiden Arbeiten vorgenommen hat oder nur aufgrund der Gutachten der Prüfer entschieden hat. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Insbesondere die, warum die Uni bei der ersten Anfrage des WA von einem langen Prüfverfahren ausging – sechs Wochen bis zu einem halben Jahr.

Erst aufgrund dieser Zeiträume hatte sich unsere Redaktion entschieden, mit einer Veröffentlichung nicht bis nach der Wahl am 25. Mai zu warten. Hätten wir den 12. Mai als Datum genannt bekommen, wäre das eine ganz andere Grundlage gewesen.

Die WA-Recherchen an sich bleiben auch nach der Entscheidung des Fakultätsrats unwidersprochen. Große Teile der Dissertation sind wort- oder inhaltsgleich aus der Magisterarbeit übernommen, ohne dass die Quelle genannt ist. Das widerspricht grundsätzlich wissenschaftlichem Arbeiten.

Der Abgleich liegt in der Redaktion zur Einsicht aus. Eine Bewertung über die Zulässigkeit des Doktortitels wurde durch den WA aufgrund der Komplexität der Materie ganz bewusst nicht vorgenommen, sie sollte der Uni überlassen sein. Die hat der Fakultätsrat vorgenommen.

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