Hamm-Osterfelder-Bahn

Neue (alte) Bahn-Pläne für Hamm ausgebremst

Die Hamm-Osterfelder Bahn scheint nicht wie zunächst angedacht realisiert zu werden.
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Dämpfer für den Personenverkehr: Die Hamm-Osterfelder Bahn scheint nicht wie zunächst angedacht realisiert zu werden.

Die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Hamm-Osterfelder Bahn haben einen Dämpfer erhalten. Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der den Eisenbahnverkehr in der Region organisiert, hält die Strecke für die geplante Anbindung Bergkamens ans Schienennetz nur für die zweite Wahl.

Hamm/Bergkamen - NWL-Planungsleiter Thomas Ressel stellte die Überlegungen jetzt in Bergkamen vor. Die Planer favorisieren demnach einen Abzweig von der Hauptstrecke Dortmund–Hamm nach Bergkamen. Die Stichstrecke soll von Kamen aus mit einer Brücke über die bestehenden Gleise geführt und dann auf einer neuen Trasse entlang der Autobahn 1 bis in den Ortsteil Overberge geführt werden.

Zwar ergebe sich für diese Variante erheblicher Infrastrukturbedarf, wie es heißt. Das für das Projekt erforderliche dritte Gleis auf der Hauptstrecke sei aber bereits als wesentlicher Bestandteil in den Planungen des Deutschlandtaktes enthalten. Das bedeutet: Von dessen Bau würde Bergkamen profitieren, ohne die Ausgaben auf der eigenen Kosten-Nutzen-Rechnung zu haben, mit der der volkswirtschaftliche Nutzen des Vorhabens nachgewiesen werden muss. Bei einer Anbindung über die Hamm-Osterfelder Bahn müssten alle Kosten in die Rechnung einbezogen werden.

Die Bahnstrecke Hamm–Osterfeld

Die 77 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Hamm und dem Oberhausener Stadtteil Osterfeld wurde von der Preußischen Staatsbahn gebaut, um die beiden Rangierbahnhöfe und zahlreiche Zechen miteinander zu verbinden. Die Linie wurde am 1. Mai 1905 eröffnet, 1912 wurde die Strecke um ein zweites Gleis erweitert.

Im Vordergrund stand immer der Güterverkehr; auch heute noch zählt die Hamm-Osterfelder Bahn zu den Hauptstrecken für Güterzüge.

Der Personenverkehr zwischen Hamm und Recklinghausen war am 29. Mai 1983 eingestellt worden. Personenzüge fahren hier nur noch, wenn auf der Hauptstrecke Hamm–Dortmund nichts mehr geht – dann werden ICE, IC und Regionalexpress über Pelkum und Overberge umgeleitet. Der Bahnhof in Pelkum ist bereits seit dem 22. Mai 1966 geschlossen. Das Empfangsgebäude steht allerdings noch abseits der Kamener Straße.

Bahn-Pläne für Hamm ausgebremst: Hohe Akzeptanz entscheidend

Dabei klingt die Variante über die Hamm-Osterfelder Bahn an sich weniger aufwendig: In Teilabschnitten müssten ein Gleis und eine Brücke erneuert werden. Ein neuer Bahnhof „Monopol“ wäre über eine Stichstrecke auf der Trasse der ehemaligen Anschlussstrecke des Bergwerks zu erreichen. Eine Fahrt nach Dortmund – das wichtigste Ziel der Bergkamener – würde von dort aus 26 Minuten dauern. Mit 21 bis 25 Minuten kalkulieren die Planer bei der Streckenführung über Kamen; in beiden Fällen kommen gegebenenfalls noch Bustransfers hinzu.

Eine Reaktivierung des Personennahverkehrs in Bergkamen werde aber wohl noch Jahre bis Jahrzehnte dauern, sagte NWL-Planer Ressel. Sollte sich die Stadt für einen Bahnanschluss über Kamen aussprechen, müssten auf Basis der jetzt vorgelegten „groben Vorbetrachtung“ weitere Gutachten und Studien erstellt werden. „Wir drücken aber niemandem eine Reaktivierung auf“, betont Ressel. „Solch ein Projekt benötigt vor Ort eine hohe Akzeptanz. Wir machen das nicht, wenn Sie dagegen sind“, so Ressels Worte in Richtung Kommunalpolitik.

Bahn-Pläne für Hamm ausgebremst: Mitteilung für Hamm zur Unzeit

Die Bergkamener Politiker wollen den Bahnanschluss unbedingt realisieren und verstehen ihr Ansinnen auch als einen Beitrag zur Verkehrswende. Ressels Einschätzung, die Hamm-Osterfelder-Bahn tauge dazu nicht, sorgte allerdings für Ernüchterung. „Das muss man erstmal sacken lassen“, lautet eine der Reaktionen. Bergkamens Erster Beigeordneter Dr. Hans-Joachim Peters sagte, das Thema sei zu wichtig, um eine Entscheidung übers Knie zu brechen.

Für Hamm kommen die Stellungnahmen des NWL zur Unzeit. In der jüngst verabschiedeten Fortschreibung des Nahverkehrsplans wollte man sich mit Realisierungschancen für neue Haltepunkte in Südwesten der Stadt beschäftigen, auch an der Hamm-Osterfelder Bahn. Hier sollte auch der NWL einbezogen werden. Ohne Bergkamen dürften die Chancen auf eine Wiedereinführung des Personenverkehrs auf der Hamm-Osterfelder Bahn jedoch schwinden.

Bahn-Pläne für Hamm ausgebremst: Gartenausstellung gibt Hoffnung

Angestoßen worden waren die jüngsten Planungen vom Kreistag in Unna, der 2019 angeregt hatte, Bergkamen über die Eisenbahn wieder an den Schienenverkehr anzubinden. Zuvor hatten die Städte jahrelang und bisher ergebnislos eine regionale Stadtbahn geplant. Ressel betonte jetzt, dass sich der NWL an derlei Planungen nicht beteilige. Dazu habe der Verband kein Mandat. Bei den Untersuchungen zur Anbindung Bergkamens habe man ausschließlich den Schienenpersonennahverkehr untersucht, also Regionalexpress, Regionalbahn oder S-Bahn.

Die Hoffnung, dass wieder Züge in Bergkamen halten, hegt die Stadt Bergkamen auch im Zusammenhang mit der Internationalen Gartenausstellung 2027. Per Schiene sollen Besucher zum künftigen „Zukunftsgarten“ im Bereich zwischen Kanal und Halde Großes Holz gelangen können. Eine Genehmigung dafür steht noch aus – und wäre auch nicht dauerhaft.

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