„Media“ im Wartestand: „Nach dem Lockdown kommt viel auf uns zu“

Nusat Burnic von der Pizzeria Media backt zurzeit gerade so kostendeckend.
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Ofen auf Sparflamme: Nusat Burnic von der Pizzeria Media backt zurzeit gerade so kostendeckend.

Nusat Burnic von der Pizzeria Media in Hamm beobachtet bei Kunden die Sehnsucht nach einem entspannten Restaurantbesuch. „Nach dem Lockdown kommt richtig viel auf uns zu“, glaubt er.

Werries – Nusat Burnic ist Inhaber der Pizzeria Media am Alten Uentroper Weg. Auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie angesprochen, runzelt er die Stirn. „Wir dümpeln schon stark reduziert durch diese Zeit“, so der erfahrene Gastronom. Dort, wo sonst bis zu 28 Mitarbeiter an einem Tag im Einsatz sind, teilen sich nun zwei bis vier Mitarbeiter die anfallenden Aufgaben. „Wir sitzen alle in einem Boot“, sagt Burnic, der seit 1991 Gastronom ist und seit 1998 sein Restaurant an dem Standort etabliert hat. (Mit großem Erfolg, wie eine WA.de-Umfrage nach der besten Pizza Hamms 2019 zeigte.)

In guten Zeiten hielten die Familie und die Mitarbeiter zusammen – und jetzt eben auch in den schlechten. „Meine Leute müssen ja auch ihr Auskommen haben“, so Burnic. Nicht nur die Stammkunden nutzten das bestehende Angebot, bestellten ihr Essen und holten es sich am Restaurant ab. Dabei bemerke er bei allen die Sehnsucht, endlich einmal wieder eine entspannte und genussvolle Zeit im Restaurant zu verbringen „Ich glaube, da kommt nach dem Lockdown richtig viel auf uns zu“, sagt Burnic.

Beim Umgang der Regierung mit der Krise sieht er aber viel zu viel Bürokratie: „Die erste Soforthilfe kam ganz schnell“, lobt der Unternehmer. Aber dann folgte auch das Schreiben, wonach ein Großteil der Förderung zurückzuzahlen sei. „Da fragt man sich schon, was Förderung heißen soll, und warum das Ganze nicht vereinfachter und ehrlicher als Darlehen ausgegeben wird“, sagt Burnic. Die sogenannte November-Hilfe komme auch nur stotterweise, und er bemühe sich trotz allem, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Wenn das Geschäft auch nur sehr eingeschränkt möglich sei, so bemühe er sich zumindest, die laufenden Kosten abzufangen.

Wie es in anderen Branchen aussieht, erlebt er in der Familie: „Meine Tochter hat einen Friseursalon, die bekam zuletzt gar nichts“, sagt der Vater sorgenvoll. Er habe ja Verständnis, wenn die Regierung auch großen Konzernen unter die Arme greife. Doch im Bezug auf die Kleinunternehmer bemüht er den Vergleich mit dem Schachspiel: „Es kann gut sein, einige Bauern zu opfern“, sagt Burnic. Doch wenn die kleinen und mittleren Unternehmen die Bauern sein sollten, werde sich das rächen – in der Masse seien sie das Rückgrat der Wirtschaft.

Die anhaltende Pandemie und die endlose Beschäftigung mit diesem Thema verändere den Umgang vieler Menschen miteinander: „Man merkt deutlich, dass die Menschen angespannter werden und schneller aggressiv reagieren“, sagt der Gastronom. Das Fehlen von Ablenkung und sozialem Kontakt wirke sich aus.

Daher versuche auch er, den Leuten klar zu machen, dass die ganze Gesellschaft in einem Boot sitze und nur gemeinsam ein Ausweg aus der Lage zu finden sei. „Dann können wir endlich wieder entspannt genießen und zusammen lachen“, so Burnic.

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