41-Jährigem wird Prozess gemacht

Somalischer Tanker-Pirat in Hamm untergetaucht

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Somalische Piraten im Jahr 2008. Das Foto wurde damals von der US Navy gemacht und verbreitet.

Hamm/Dortmund - Wenn es stimmt, was Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt haben, dann ist ein Pirat aus Somalia, der im Mai 2012 im Arabischen Meer einen Öltanker gekapert hat, in Herringen gestrandet.

Der heute 41-Jährige wurde am 12. Dezember 2018 festgenommen und sitzt in der JVA Dortmund in Untersuchungshaft. Ab dem kommenden Mittwoch muss er sich vor dem Dortmunder Landgericht wegen schweren erpresserischen Menschenraubs verantworten.

Die „MT Smyrni“, ein unter griechischer Flagge fahrender Öltanker, war am 10. Mai 2012 südöstlich des Oman von somalischen Piraten mit Schnellbooten angegriffen worden. Das 274 Meter lange Schiff soll damals mit 135.000 Tonnen Rohöl im Wert von 130 Millionen US-Dollar beladen gewesen sein. Die Piraten feuerten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft mit AK-47-Sturmgewehren (Kalaschnikows) auf die Brücke des Schiffs und brachten es in ihre Gewalt. Verletzt wurde dabei niemand.

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Reederei zahlt 13 Millionen Dollar Lösegeld

Das Schiff wurde in den Golf on Aden an die südöstliche Küste von Somalia verbracht. Die 26-köpfige Crew befand sich über zehn Monate in der Gewalt der etwa 50 Piraten. Während der Verhandlungen über eine Lösegeldzahlung sollen die Seeräuber mit der Tötung von Crew-Mitgliedern und der Veröffentlichung der Exekutionen im Internet gedroht haben. Zwei durch Losentscheid ermittelte Crew-Mitglieder sollen gezwungen worden sein, ihre Familien anzurufen und zu erklären, dass man sie binnen einer Woche erschießen werde, wenn kein Lösegeld gezahlt werde.

Einen Tanker wie diesen kaperte der Somalier, der später in Hamm landete.

Nach langen Verhandlungen wurden schließlich von der Reederei 13 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt. Das Geld wurde von einem Hubschrauber auf das Schiff abgeworfen. Am 10. März 2013 sollen die Piraten den Tanker verlassen haben. Exekutiert hatten sie niemanden.

Asylantrag schon zweimal abgelehnt

Der 41-jährige Angeklagte, der in seinem Hauptberuf in Somalia in einer Art Kiosk Süßigkeiten verkaufte, war durch den Coup vermutlich kein reicher Mann geworden. Wie mehrere andere Piraten auch floh er aus dem afrikanischen Land und gelangte 2014 über Italien nach Deutschland und landete schließlich in Hamm. Sein Asylantrag wurde bereits zweimal abgelehnt, ist aber noch nicht abgeschlossen.

Dem 41-Jährigen muss sich in Dortmund vor Gericht verantworten.

Auf die Spur des Mannes kamen die Ermittler, nachdem in 2018 zwei mutmaßlichen Komplizen im rheinland-pfälzischen Zweibrücken der Prozess gemacht worden war. Spezialisten von FBI und NCIS hatten Fingerabdrücke dieser Männer auf der „MT Smyrni“ gefunden; bei ihrer Einreise nach Deutschland waren diese ebenfalls überprüft und die Verbindung zu der Kaperung hergestellt worden. Einer der beiden verurteilten Piraten, ein zur Tatzeit 19-Jähriger, der für sein Mitwirken auf dem Tanker 5000 Dollar erhalten hatte, hatte die Spur zu dem Mann aus Herringen gelegt.

Während Geiselnahme Hauptkoch auf Schiff

Der 41-Jährige soll die gekidnappte Crew auf dem Tanker zeitweise mit einer Kalaschnikow in Schach gehalten haben und während der Zeit der Geiselnahme der Hauptkoch auf dem Schiff gewesen sein. Der Anführer der Piraten soll ihm seinen Anteil nach der Geldübergabe in der Kapitänskabine ausgezahlt haben. Wie viel Geld das war, ist unklar. Straffällig war der Mann in seiner Zeit in Deutschland nicht geworden. Einmal war er vor dem Amtsgericht Hamm wegen einer Körperverletzung angeklagt gewesen, von den Vorwürfen aber am Ende freigesprochen worden.

Unklar blieb zunächst, warum und wie der Mann überhaupt nach Hamm gekommen war.

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