Finanzielle Sorgen

Pinter‘s Pinte leidet im Dauer-Lockdown: „Muddi“ sehnt ihre Gäste zurück

Hoffnung in schweren Zeiten: Angelika „Muddi“ Pinter und ihr Mann Andreas hoffen auf einen baldigen Neustart in der Herringer Kult-Kneipe „Pinter’s Pinte“ an der Holzstraße.
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Hoffnung in schweren Zeiten: Angelika „Muddi“ Pinter und ihr Mann Andreas hoffen auf einen baldigen Neustart in der Herringer Kult-Kneipe „Pinter’s Pinte“ an der Holzstraße.

Ihre Gäste nennen sie liebevoll „Muddi“. Und die kann es kaum noch abwarten, die Herringer Kult-Kneipe „Pinter’s Pinte“ endlich wieder öffnen zu dürfen.


Herringen – Wann die Gäste in der Kult-Kneipe zurückkehren? „Ich weiß es nicht“, sagt „Muddi“, die mit bürgerlichem Namen Angelika Pinter heißt.

Schon seit Monaten geht „Muddi“ nur noch selten aus dem Haus. Doch es ist weniger ihre Angst davor, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Vielmehr tue es ihr weh, ihre vielen traurigen Stammgäste zu sehen und die dann auch noch vertrösten zu müssen. „Das fällt mir schwer.“

Nichts tun wegen strenger Corona-Regeln

Noch gut kann sie sich an den Tag erinnern, an dem sie ihre Kneipe schließen musste. „Das war am 15. März 2020.“ Einige Wochen später habe sie zwar wieder öffnen dürfen – aber nur unter strengen Auflagen. „An der Theke durfte weiterhin niemand, an den Tischen im Schankraum maximal zwei Gäste sitzen.“ Anfang November habe sie dann erneut komplett schließen müssen. „Mehr als ein halbes Jahr ist das nun schon wieder her.“

Das Nichtstun zerrt an „Muddis“ Nerven. Sie habe, wie sie sagt, ordentlich an Gewicht zugelegt. Dabei könne sie froh sein, nicht allein vom Kneipen-Geschäft leben zu müssen. Ihr Mann Andreas betreibe eine Filiale der Continental-Versicherung.

Pinter‘s Pinte leidet im Dauer-Lockdown

Und der verspricht: „,Pinters Pinte’ wird auf jeden Fall wiederkommen.“ Und auch Angelika Pinter betont, dass sie es noch einmal versuchen werde – in der Hoffnung, dass ihre Stammgäste und andere zurückkehren werden. Aber sie weiß auch: „Nach mehr als einem Jahr Pandemie wird es ein kompletter Neustart sein.“ Und: Auch bei einer ersten Lockerung werde man nicht automatisch öffnen. Eine Teil-Öffnung mit starken Einschränkungen, so wie im Sommer 2020, werde sie wohl nicht noch einmal mitmachen. „Zumal wir auch keine Möglichkeit haben, eine Außengastronomie zu betreiben.“

Neben den Stammgästen, die sich vor allem freitags und samstags in „Pinter’s Pinte“ das eine oder andere Feierabend-Bier gönnen und dafür sorgen, dass „Muddi“ oft erst am Morgen nach Hause kommt, freuen sich vor allem die Vereine auf einen Neustart. Unter anderem gibt es in der Kneipe vier Dartclubs, einen Billardverein, Stammtische, einen Sparclub, mehrere Kegelvereine und Menschen, die dort knobeln und Skat spielen. „In den letzten Wochen haben wir Anfragen von einigen Kegelvereinen bekommen, die nach der Schließung von ,Drees – Krause Linde’ und anderen heimatlos geworden sind.“ Ihnen und anderen Vereinen könne man auch noch Termine anbieten, vor allem unter der Woche. „Ich kann ihnen aber noch nicht sagen, wann sie wieder loslegen dürfen.“

Finanzielle Sorgen und Ungewissheit

Und diese Ungewissheit ist es, die Angelika Pinter am meisten zusetzt. „Wir Gastwirte brauchen endlich eine Perspektive – und zwar eine verlässliche. Denn es bringt nichts, wenn wir öffnen dürfen und für mehrere tausend Euro einkaufen, nur um nach zwei Wochen wieder schließen zu müssen“, sagt sie und wird dann noch einmal deutlich. „Ohne die Einnahmen meines Mannes hätte ich schon längst aufgegeben – trotz der Beihilfen.“

In diesem Moment wird die sonst so fröhliche und taffe Wirtin nachdenklich. Sie gibt zu, dass ihre Motivation unter dem Dauer-Lockdown gelitten hat und ärgert sich, dass die Gema teilweise die Gebühren eingezogen hat. Vor allem aber denkt sie immer wieder an ihr „tolles Team“. Ob der Koch oder die Bedienungen: Auch sie waren eine Zeit lang zum Nichtstun verurteilt und sind es noch. Viele hätten sich, und dafür zeigt „Muddi“ Verständnis, mittlerweile eine andere Arbeit gesucht, um über die Runden zu kommen. „Wenn ich wieder richtig loslegen darf, brauche ich erst einmal neues Personal.“

Harter Kampf: „Muddi“ sehnt ihre Gäste zurück

Neben dem Kneipen- liegt auch das Saal-Geschäft brach. Seit Mitte März 2020 habe es dort, so Andreas Pinter, eine Veranstaltung gegeben – und die auch nur unter den strengen Corona-Auflagen. „Es war die Hochzeit einer Mitarbeiterin.“ In den Zeiten vor Corona sei der Saal gut gebucht gewesen. Neben vier bis fünf eigenen Veranstaltungen im Jahr hätten unter anderem Geburtstagsfeiern und Beerdigungskaffees stattgefunden. Und jetzt? Nichts mehr!

Doch Angelika und Andreas Pinter geben die Hoffnung nicht auf, bald wieder mit ihren Gästen feiern und ihnen neben Getränken auch Mantaplatte, Frikadellen und andere einfache Gerichte aus der Küche servieren zu dürfen. Aber ob es jemals wieder so werden wird wie vor Corona, als die Menschen, Jung wie Alt, dicht an dicht am Tresen standen? „Muddi“ weiß es nicht. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch in schweren Zeiten. Und sie ist sich sicher: „Es wird ein harter Kampf bis es vielleicht so sein wird, wie es einmal war.“

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