Kostenlose Hygieneartikel?

Tampon-Automaten in Schulen und Bürgerämtern als Pilotprojekt

Vorstellung: ein Automat für Frauen-Hygieneartikel.
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Sabine Zumbrink (links) und Jule Pletschen von der SPD stellten einen Tampon- und Binden-Automaten vor.

Die SPD in Hamm möchte Automaten für kostenlose Tampons und Binden aufhängen - und damit eine Vorreiterrolle einnehmen. Über das Projekt wird schon bald beraten.

Hamm – Rund 7 000 Euro kostet es extra, eine Frau zu sein. So viel zahlen Frauen Schätzungen zufolge in ihrem Leben für Periodenartikel und Verhütung. Nicht jede Frau kann sich diese Artikel leisten. Deshalb gibt es schon seit längerem Forderungen, Hygieneartikel wie Binden und Tampons günstiger oder gar umsonst anzubieten.

Automat für Tampons und Binden in öffentlichen Einrichtungen

Die SPD-Ratsfraktion möchte diesem Wunsch in Hamm jetzt nachkommen. In einem Pilotprojekt will sie Automaten mit kostenlosen Tampons und Binden an den weiterführenden Schulen, Bürgerämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen aufhängen. In der Ratssitzung am 23. März soll darüber abgestimmt werden.

Hygieneartikel kostenlos: In Schottland sind Tampons schon kostenfrei

Die Idee dazu hatte Jule Pletschen. Sie ist gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion. „Meine Mitbewohnerin und ich haben eine Dokumentation über das Thema Periodenarmut gesehen – also, dass es Frauen gibt, die sich keine Hygieneartikel leisten können – und haben lange darüber diskutiert. Ich habe es dann recherchiert und festgestellt, dass Länder wie Schottland so etwas schon machen“, erklärt sie. In Schottland gibt es seit Ende November 2020 in allen öffentlichen Gebäuden kostenlose Binden und Tampons. In Deutschland gibt es das so bisher noch nicht.

Pletschen schlug ihre Idee im neu gegründeten Ausschuss für Gleichstellung und Vielfalt vor. Und so entstand das Pilotprojekt. „Ich freue mich sehr, dass Hamm an dieser Stelle eine Vorreiterposition einnimmt. Man setzt auf diese Weise ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung und unterstützt die gesellschaftliche Teilhabe von Mädchen und Frauen“, sagt Pletschen. Denn wer von seiner Periode überrascht wird, kommt schon einmal in unangenehme Situationen, die häufig auch mit Scham verbunden sind. „Ich fände es gut zu wissen, dass ich mir um so etwas keine Sorgen mehr machen muss“, so Pletschen.

Die Automaten sollen in den Mädchen- und Damentoiletten aller weiterführenden Schulen und Bürgerämter in Hamm aufgehängt werden. Ein Prototyp steht bereits im SPD-Parteibüro und wurde schon getestet. Das Prinzip ist einfach: Man drückt den Knopf entweder für Binden oder Tampons, und nach einem kurzen Piepton kommt eine kleine Packung mit den gewünschten Hygieneartikeln heraus.

Für das Projekt sollen 20 000 Euro im städtischen Haushalt eingestellt werden. Nach zwei Jahren soll es dann eine wissenschaftliche Auswertung von Erfahrungen, Reaktionen und Kosten geben. „Wir könnten uns da eine Kooperation mit einer Hochschule vorstellen“, sagt Pletschen.

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