Wasserkraft statt Ölwechsel

Pilotprojekt: Firma Jäschke setzt auf Gabelstapler ohne Hydrauliköl

Dieter Mantwill (links) und Frank Jäschke arbeiten bei „Fluid Competence“ zusammen.
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Ressourcen schonen und Geld sparen: Dieter Mantwill (links) und Frank Jäschke arbeiten bei „Fluid Competence“ zusammen.

In den Hallen der Jäschke Lagerei und Verwaltungs GmbH am Hafen in Hamm läuft ein Pilotprojekt. Seit gut einem Jahr kurvt dort ein Gabelstapler umher, dessen Hydraulikzylinder nicht mit Mineralöl, sondern mit einem Wassergemisch gefüllt sind.

Hamm - In Deutschlands Baggern, Gabelstaplern und Hebebühnen stecken Millionen Liter Mineralöl. Nicht als Kraftstoff, sondern zur Kraftübertragung: Hydrauliköle sorgen dafür, dass der Stapler seine Gabel heben und senken, der Bagger seinen Arm bewegen kann. Unheimliche Kräfte können so gestemmt werden; der Preis dafür ist jedoch ein immenser Ölverbrauch. Die Lösung für dieses Problem kommt vielleicht aus Hamm.

Der Wassergemisch-Gabelstapler laufe problemlos, sagt Eigentümer Frank Jäschke. Er will die ölfreie Hydraulikflüssigkeit nach und nach in seinem gesamten Staplerfuhrpark einsetzen.

Die Entwickler sitzen ein paar Kilometer hinter der Stadtgrenze. Die Fluid Competence GmbH ist ein Kleinunternehmen aus Kamen, das seit zwei Jahren von einem Herringer Urgestein geleitet wird. Dieter Mantwill war 34 Jahre lang im Bergbau und als Sicherheits-Chef der Ruhrkohle AG auch für Umweltfragen zuständig. Der hohe Ölverbrauch bei geringer Recycling-Quote sei in der Bergbau-Hydraulik schon immer problematisch gewesen, sagt er. Man habe damals, auch aufgrund des öffentlichen Drucks, nach Alternativen für einen mineralölfreien Bergbau gesucht. Die Wasserhydraulik sei zunächst noch nicht so leistungsfähig gewesen. Aber mit Fluid Competence habe der damalige Inhaber Helmut Theunissen bereits in den 1980er Jahren umweltverträgliche Lösungen in diesem Bereich gesucht und gefunden.

Gabelstapler ohne Hydrauliköl in Hamm: geheim wie Coca-Cola-Rezept

Inzwischen sei das Konzept marktreif, sagt Mantwill. Die Zusammensetzung der mineralölfreien Flüssigkeit ist so geheim wie das Coca-Cola-Rezept. Nur so viel sagt der 61-Jährige: Es handele sich um ein Wasser-Glykol-Gemisch mit ungefährlichen Zusätzen. Man verwende keine Lebensmittel und keine Produkte aus Monokulturen wie beispielsweise Palmöl. Alles sei zu 99 Prozent biologisch abbaubar.

Die Wasserhydraulik habe zwar physikalische Grenzen, sagt Mantwill. Für bis zu 80 Prozent aller technischen Anwendungen sei sie aber genauso leistungsfähig wie die Mineralölhydraulik, und überdies auch nicht teurer. Bis zu 60 Prozent des deutschen Hydraulikölverbrauchs könne man so ersetzen.

Dabei geht es um Mengen: Allein in Hamm müsse es rund 4000 Gabelstapler geben, schätzt Mantwill. Und in China gut 4 700 Bergwerke. Sie alle kämen als Kunden in Betracht. Interesse gebe es bereits, auch von namhaften Firmen, die allerdings noch nicht genannt werden wollten. Mit der Bosch Rexroth AG aus Stuttgart und der Rhein-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen hat Fluid Competence allerdings zwei vorzeigbare Projektpartner.

Gabelstapler ohne Hydrauliköl in Hamm: Mitarbeiter nicht schädigen

Reserviert zeigten sich bislang die Staplerhersteller, sagt der Fluid-Competence-Chef. Dabei müssten die das größte Interesse am neuen Hydraulikmittel haben. Bei herkömmlicher Technik sei es problematisch, wenn Wasser ins System gelange: Die Leistungsfähigkeit sinke, die teuren Ölwechsel häuften sich. Sein Produkt, sagt Mantwill, sei dagegen wasseraufnahmefähig und – für batteriebetriebene Fahrzeuge wichtig – nicht brennbar.

Das ist auch für Frank Jäschke ein Punkt. „Im Fall einer Havarie können diese Flüssigkeiten unsere Mitarbeiter nicht schädigen“, sagt der Hammer Spediteur. Seine Hallen sind zum Versuchslabor für den neuen Hydraulikstoff geworden, weil er ihn transportiert hat. Fluid Competence sieht sich als Entwickler und produziert nur im kleinen Rahmen. Werden größere Mengen benötigt, wird ein Grundstoff zur weiteren Aufarbeitung verschickt. Dafür hatten Fluid Competence Jäschke engagiert, der dann auch neugierig auf das Produkt an sich wurde.

„In einem Gespräch zwischen den Unternehmen wurde die Idee geboren, Dinge auch mal anders zu denken und mit den eigenen Staplern zu beginnen“, sagt Mantwill. Jäschke befüllt den ersten Stapler, weitere sollen folgen.

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