Vorfall an Schloss Oberwerries erntet Protestwelle

Pilger beklagen unangemessene Polizeihärte bei Einsatz in Hamm

Eine Teilnehmerin wurde bei dem Aufeinandertreffen offenbar leicht verletzt.
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Eine Teilnehmerin wurde bei dem Aufeinandertreffen offenbar leicht verletzt.

Völlig unangemessene Härte wirft das Bündnis hinter dem „Kreuzweg für die Schöpfung“ der Polizei in Hamm vor. Die hatte die Pilgergruppe von rund 20 Personen am Freitag bei einer Rast an Schloss Oberwerries gestoppt.

Hamm – Die Beamten hatten die Gruppe am Freitag gegen 13 Uhr aufgrund der hochgehaltenen Transparente nicht als Pilgerzug gewertet, sondern als nicht genehmigte Versammlung. Zudem, so die Darstellung der Polizei, habe ein 26-jähriger Mann aus Viersen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet. Er wurde in Gewahrsam genommen. Zwei weiteren Teilnehmern legen die Beamten Gefangenenbefreiung zur Last, weil mit ihrer Hilfe dem 26-Jährigen zunächst die Flucht gelang.

Auf der Internetseite katholisch.de wird der Vorfall jetzt aus Sicht der Pilger geschildert. Sie wehren sich gegen die Einschränkung ihrer Religionsfreiheit und werfen der Polizei vor, dass einige Beamte mit gezogenem Schlagstock auf die Teilnehmer zugegangen seien, andere hätten Pfefferspraydosen auf sie gerichtet. Eine Rentnerin von „Christians for Future Aachen“ sei zu Boden gestoßen und am Kopf verletzt worden.

Einer der Teilnehmer wurde zwischenzeitlich festgesetzt.

Polizeieinsatz bei Pilgerzug in Hamm: Transparente als Problem

Der Kreuzweg war bereits am 4. Juli am verhinderten Atommüllendlager in Gorleben gestartet und soll bis zum 1. August nach Erkelenz-Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler II führen. Erst die Hammer Polizei stieß sich offenbar am „nicht explizit religiösen“ Inhalt der Transparente. Anstoß nahm sie am Papst-Zitat: „Diese Wirtschaft tötet“ und an der Darstellung eines gebrochenen Menschenfußes auf einem Misereor-Hungertuch. Dabei handelt es sich um einen Schuljungen, der in Santiago de Chile gegen soziale Missstände protestierte und von Angehörigen der Staatsgewalt verletzt wurde.

Der 26-jährige Pilger ist unterdessen wieder frei. Die Pilger setzten am Sonntag ihren Weg fort.

Polizeieinsatz bei Pilgerzug in Hamm: Grünen-Sprecher schockiert

Mit einem offenen Brief an OB Marc Herter reagiert Jürgen Blümer (Klimabündnis Hamm). Darin stellt er sechs Forderungen und bittet Herter, diese zu unterstützen. Unter anderem solle sich der Polizeipräsident entschuldigen, und der Rat möge den gewaltfreien Widerstand gegen die Klimakrise unterstützten.

Schockiert über die Ereignisse zeigt sich auch Carsten Weymann (Grüne). Als Hamms stellvertretender Bürgermeister habe er die Pilger am Freitagabend freundlich begrüßen wollen und völlig traumatisierte Menschen vorgefunden. Der Polizei wirft er vor, friedliche Pilger zu kriminalisieren.

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