Physiotherapeuten droht wegen Corona  Genickbruch

Physiotherapeuten sind auch in diesen Zeiten im Einsatz – mit unterschiedlichen Vorkehrungen.
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Physiotherapeuten sind auch in diesen Zeiten im Einsatz – mit unterschiedlichen Vorkehrungen.

Ob Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen: Auch unter den Heilmittelerbringern wächst in diesen Tagen die Verzweiflung. Wegen der Corona-Krise sagen immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine ab.

Hamm – Die selbstständigen Praxisinhaber und deren Angestellte bringt das immer näher an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. In Hamm haben die ersten Praxen geschlossen, Umsatzeinbußen von 60 Prozent sind an der Tagesordnung. Maximal acht Wochen könne sie so durchhalten, sagte eine Hammer Physiotherapeutin unserer Zeitung. Seit 30 Jahren habe sie ihren Betrieb, die Belegschaft sei in Kurzarbeit, bald müsse sie an die Ersparnisse gehen, die sei eigentlich für ihren Lebensabend vorgesehen habe.

Ohnehin leidet die Branche unter sehr geringen Vergütungssätzen. Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) fordert finanzielle Soforthilfen von der Gesetzlichen Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen. „Wenn wir keine Leistung erbringen können, entstehen den Krankenkassen keine Kosten. Ganz im Gegenteil: Sie profitieren finanziell von dieser Situation“, sagt SHV-Vorsitzende Ute Repschläger.

Grund für die Umsatzrückgänge ist einerseits, dass zahlreiche Patienten aus Angst vor der Corona-Welle ihre Termine absagen. „Viele unserer Patienten gehören zur Risikogruppe und bleiben nun lieber zuhause. Viele glauben aber auch, dass die Praxen aufgrund der verhängten Kontaktverbote geschlossen sind“, erläutert Repschläger. Das sei aber nicht korrekt.

Heilmittelerbringer systemrelevant - aber...

Heilmittelerbringer sind systemrelevant, das heißt sie gehören ausdrücklich zum Kern der Gesundheitsversorgung wie Krankenhäuser, Ärzte und Apotheker auch. Sie dürfen – und müssen – weiterhin Patienten behandeln. „Deshalb muss ein weiterer Rettungsschirm ganz selbstverständlich auch für uns Therapeuten gelten“, fordert die SHV-Vorsitzende. Allerdings ist das bislang nicht vorgesehen.

Weiteres Problem ist, dass die Behandlungen in den Seniorenheimen nur noch im absoluten Ausnahmefall möglich sind. Grundsätzlich dürfen Heilmittelerbringer dort nicht mehr herein. Da aber auch Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel nicht gestellt werden, sondern zu Wucherpreisen selbst besorgt werden müssen, wird auch das zum Boomerang. „Ich möchte nicht diejenige sein, die ihre Patienten mit dem Virus infiziert hat“, sagt eine Hammer Physiotherapeutin.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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