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„Phantom“-Schäden türmen sich im Hammer Rathaus weiter auf

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Von: Frank Lahme

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Das Phantom wird zum Boomerang fürs Rathaus.
Das Phantom ist längst zum schmerzhafen Boomerang fürs Hammer Rathaus geworden. © Andreas Rother

Der Spuk um das „Phantom im Rathaus“ der Stadt Hamm hat neue und durchaus bekannte Namen erfasst - doch der Sturm der Entrüstung blieb aus. Gleichwohl sind längst erschreckend hohe Euro-Zahlen im Spiel. Ein Update.

Hamm – Die Nachricht, dass die Dortmunder Staatsanwaltschaft nun auch gegen den zum Jahresende pensionierten Fachbereichsleiter Soziales, Theo Hesse, und den Personalchef der Stadt Hamm, Bernd Maßmann, wegen des Phantom-Komplexes ermittelt, hat keinen Sturm an Reaktionen ausgelöst. Im Gegenteil: Aus dem politischen Raum ging keine Stellungnahme in der WA-Redaktion ein.

Als Reaktion auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen (Betrug, Subventionsbetrug und Untreue) hatte Oberbürgermeister Marc Herter am Dienstag ein Disziplinarverfahren gegen Maßmann eingeleitet und diesen vorläufig vom Dienst suspendiert. Für den 53-jährigen Leitenden Verwaltungsdirektor könnte dies im Extremfall die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis zur Folge haben. Solche radikalen Schritte folgen üblicherweise nach strafrechtlichen Verurteilungen zu mehr als einem Jahr Freiheitsstrafe – wobei nicht erheblich ist, ob die Strafe zu Bewährung ausgesetzt wird.

Ob es in Maßmanns Fall überhaupt zu einer Anklage kommt, steht in den Sternen. Ein Abschluss der Ermittlungen sei nicht in Sicht, hatte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitgeteilt.

Bis zum Abschluss des strafrechtlichen (Ermittlungs-)verfahrens ist das Disziplinarverfahren zudem ruhend gestellt. Maßmann erhält weiterhin seine vollen Bezüge. Der 53-Jährige hatte gegenüber dem WA zudem ankündigt, vor dem Verwaltungsgericht Münster gegen seine Suspendierung per Eilverfahren vorgehen zu wollen.

Hesse nicht erreichbar

Theo Hesse, der bis zu seinem Renteneintritt ebenso wie Maßmann einer der Spitzenverdiener im Hammer Rathaus war, war auch am Mittwoch nicht vom WA zu erreichen. Der 63-Jährige war nicht verbeamtet, sondern lediglich Angestellter der Stadt Hamm. Hesse gilt als Motor des umstrittenen Südosteuropaprojekts und Protegé der als „Phantom im Rathaus“ bekannt gewordenen bulgarischen Vollzeitkraft, die mit dem Flugzeug nach Hamm anreiste und mit städtischen Scheinadressen ausgestattet worden war.

Schaden noch größer?

Knapp 200.000 Euro an Fördermitteln wird die Stadt wegen des Phantom-Komplexes zurücküberweisen. Weitere (sechsstellige) Rückzahlungen könnten fällig werden, wenn die Bezirksregierung alle infrage kommenden Förderzeiträume überprüft hat. Zudem scheinen nach WA-Informationen Polizei und Staatsanwaltschat die Rechnung aufzumachen, dass der potenzielle Schaden in der ersten Förderphase nicht knapp 200.000 Euro beträgt, sondern verdoppelt werden müsste – 200.000 Euro wurden rund um das Phantom verausgabt, 200.000 Euro nicht in förderwürdige Projekte investiert..

Weitere Verfahren

Das Kriminalkommissariat 23 der Polizei Dortmund ermittelt nicht nur wegen des Phantom-Komplexes, sondern auch wegen der dubiosen Spendenkasse beim DRK und der Doppelvermietung des von der Stadt als Flüchtlingsheim angemieteten Objekts an der Zollstraße in Uentrop. Auch in diesen Sachverhalten geht es um sechsstellige Beträge, die möglicherweise veruntreut wurden. Der Zollstraßen-Fall jährt sich im März zum ersten Mal. In allen Komplexen dauern die Ermittlungen an. Zeugen würden noch befragt und teils auch noch Finanzermittlungen durchgeführt, so die Staatsanwaltschaft.

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