Hammer Pfarrer in Emmerich aus Amt gemobbt

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Karsten Weidisch trat von seinem Amt zurück.

HAMM/EMMERICH - Der aus Bockum-Hövel stammende Pfarrer Karsten Weidisch hat in Emmerich etwas geschafft, was nur wenigen Geistlichen gelingt: Er hat die Kirche wieder voll bekommen. Trotzdem musste er aufgeben - die Hintergründe sind ziemlich spannend.

Weidisch hat in seiner ersten Pfarrstelle in Emmerich in gut zweieinhalb Jahren die Kirchen mit einem neuen Konzept wieder voll bekommen – und zwar richtig voll. 400 bis 600 Menschen – darunter auch viele junge – kommen regelmäßig zu den so genannten veni-Gottesdiensten.

Doch einer kleinen Gruppe in der fusionierten Gemeinde – etwa 20 Leute, darunter ehemalige Kirchenvorstandsmitglieder und auch der Vorgänger Weidischs – sind die modernen Messen mit Lichtshow und Nebelmaschine ein Dorn im Auge. Seit seinem Amtsantritt wird Weidisch, der das Gymnasium Hammonense besuchte, nach eigenen Angaben mit anonymen Anrufen („Wir wollen dich hier nicht“) terrorisiert. Seinen Anrufbeantworter habe er darauf abgeschaltet und sich eine geheime Handynummer besorgt.

Die psychische Belastung wurde zu viel für Karsten Weidisch. Er bat den Bischof von Münster, Felix Genn, um die Entpflichtung aus seinem Amt. Der Bischof kam diesem Ersuchen zum 20. Januar nach. Damit ist Weidisch nun offiziell nicht mehr leitender Pfarrer der Emmericher Gemeinde.

Der Rücktritt des 41-Jährigen löste bei der Mehrheit der Seelsorgeeinheit in Emmerich eine große Solidaritätsbewegung für den Pfarrer aus. In der vergangenen Woche demonstrierten über 1000 Gemeindemitglieder mit einer Menschen- und Lichterkette für Karsten Weidisch und sorgten damit auch für einen riesiges Medienecho.

„Damit hätte ich nicht gerechnet. Dadurch ergibt sich für mich eine neue Situation“, sagte Weidisch auf Anfrage des WA. Dennoch: Einen Rücktritt von seinem Rücktritt wird es – schon aus rechtlichen Gründen – nicht geben, sagte Weidisch. Wenn er in der Gemeinde seinen Dienst wieder antreten würde, dann müsste er neu ins Amt eingeführt werden. 

Lesen Sie mehr zum Thema in der Freitagsausgabe des WA auf der Seite Bockum-Hövel.

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