Agentur für Arbeit: Personalrat zurückgetreten - „Hilferuf“

Unruhe Zeiten im Haus an der Bismarckstraße.
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Unruhe Zeiten im Haus an der Bismarckstraße.

Der Personalrat der Agentur für Arbeit Hamm ist zurückgetreten. Das wurde jetzt öffentlich bekannt. Wir haben nach den Hintergründen gefragt.

Hamm/Kreis Unna – Die Entscheidung wurde der Geschäftsführung bereits am 17. März im turnusmäßigen Monatsgespräch mitgeteilt. Der Personalrat vertritt die Interessen von rund 200 Mitarbeitern. Neben der Hauptagentur in der Bismarckstraße gehören zum Bezirk der Agentur für Arbeit die Geschäftsstellen Kamen, Lünen, Schwerte und Unna.

Als Grund für den Rücktritt des siebenköpfigen Gremiums nannte der Stellvertretende Personalratsvorsitzende Dirk Roß im Gespräch mit unserer Zeitung „die aktuelle Stimmung und Entwicklung“ im Hause. „Es blieb keine andere Möglichkeit“, so Roß. Das darf als deutliches Signal an die Geschäftsführung verstanden werden. In einer anonymen Zuschrift an den WA hieß es, es „brodele“ im Haus und Kunden würden sich fragen, was los sei. Der Personalrat sei mehrheitlich zurückgetreten, nicht geschlossen, sagte Roß. Das heißt, nicht alle Mitglieder wollten den Schritt zumindest zu diesem Zeitpunkt mitgehen.

Roß wertet den Rücktritt auf Nachfrage mehr als „Hilferuf“ im Sinne der Mitarbeiter denn als Protest. Mit der Pandemie habe sich vieles verändert. „Die Menschen werden dünnhäutiger“, so der stellvertretende Vorsitzende. „Die Aufgaben haben sich zum Beispiel durch das Thema Kurzarbeit stark verändert, die Belastung ist hoch und die Aufgabenverteilung gefällt nicht jedem.“ Es habe vermehrt Kritik von Mitarbeitern gegeben.

Geschäftsführung von Rücktritt überrascht

Die Bekanntgabe des Rücktritts sei für sie vollkommen überraschend gekommen, sagten der Vorsitzende der Geschäftsführung, Thomas Helm, und der Geschäftsführer Operativ, Thomas Keyen. Das sei ein sehr „unschöner, trauriger Moment“, so Helm. Man sei zwischen Geschäftsführung und Personalrat zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit verpflichtet, und zeitweise seien die Gespräche nicht nur monatlich, sondern wöchentlich erfolgt.

Wir wollen zu einer guten Lösung kommen. Wir müssen es wieder hinkriegen.

Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung

Die Arbeitsbelastung in den Teams sei hoch, sagte Helm. Trotzdem sei der Krankenstand sehr niedrig, ergänzte Keyen. Es werde sehr gute Arbeit geleistet, so die Geschäftsführer. Man wolle künftig deutlichere Zeichen der Wertschätzung setzen. Außerdem solle zusätzliches Personal eingestellt und der Zuschnitt der Aufgabenbereiche in den Fokus genommen werden. Allerdings gebe es auch Zwänge, zum Beispiel die Abordnung von Personal in andere Dienststellen, die nicht mitbestimmungspflichtig seien.

Geschäftsführung bei Teamsitzungen dabei

Zusätzlich will die Geschäftsführung via Skype konsequent an Teamsitzungen teilnehmen. Helm: „Wir wollen zu einer guten Lösung kommen. Wir müssen es wieder hinkriegen.“ Die Agentur bleibe trotz des Rücktritts voll handlungsfähig und nehme ihre Aufgaben wahr, machte Helm deutlich.

Der alte Vorstand führt die Geschäfte weiter, bis ein neuer gewählt ist. Ein „Rücktritt vom Rücktritt“ ist nicht möglich. Nach dem Tag des Rücktritts wurde fristgerecht binnen zwei Wochen ein dreiköpfiger Wahlvorstand (plus Vertreter) gebildet. Der Wahlvorstand benennt der Geschäftsführung nun zwei mögliche Wahltermine für den neuen Personalrat.

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