Pengel-Antons letzte Fahrt startete vor 25 Jahren

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Vor 25 Jahren hat Pengel-Anton die letzten Fahrgäste transportiert. Das Foto von der Werne-Bockum-Höveler Eisenbahn stammt aus der privaten Sammlung von Dr. Markus Meinold, Mitarbeiter im Stadtarchiv Hamm. So sahen die „Personenzüge“ um 1980, in den Jahren nach der Dampflokzeit aus: Eine Diesellok und ein umgebauter Beiwagen eines Triebwagens, der sich heute in der Sammlung des LWL-Industriemuseums in Dortmund-Bövinghausen befindet. ▪

BOCKUM-HÖVEL ▪ Überwiegend fröhlich ging es heute vor 25 Jahren, am 15. November 1985, zu, als zum allerletzten Mal nach mehr als 80 Jahren die Kleinbahn mit anhängenden Personenwagen von Werne nach Bockum-Hövel „zuckelte“. Ortsheimatpfleger Günter Bachtrop erinnert an die letzte Fahrt, zu der die Kinder der Werner Wiehagen-Schule von ihrem damaligen Schulleiter Hans Heinlein, dem Bürgermeister von Hamm, eingeladen worden waren.

Insgesamt 150 Mitreisende hatten den „Pengel-Anton“ bestiegen. Auch Bergwerksdirektor Müller, die Kommunalpolitiker Heinz Kruse und Adalbert Morawietz sowie Else Dabrock waren dabei. Letztere hatte lange Zeit an der Endstation in Ermelinghof ein kleines Lebensmittelgeschäft betrieben und war eigens an diesem Tag mit dem Rad nach Werne gefahren.

An der zwölf Kilometer langen Strecke von Werne durch die Lippeaue kam man am Gersteinwerk, an der Müllverbrennungsanlage, an der Zechenanlage Radbod und an Bergwerkskolonien vorbei. Mit weißen Taschentüchern winkten die Passanten den Reisegästen zu, von denen einige einen Walzer aufs Parkett legten. Es war auf dieser nostalgischen Reise ein Hauch von Wehmut zu spüren und viele Erinnerungen aus alter Zeit wurden wach.

1901 baute der Georgsmarienverein die normalspurige Anschlussbahn von der Zeche Werne nach Ermelinghof an der Strecke Hamm-Münster, um täglich Kohlen zum Georgsmarien- und Hüttenverein nach Osnabrück zu befördern. Nach langem Drängen durch die Ratsvertreter aus Werne wurde dann am 19. Juni 1904 die polizeiliche Genehmigung erteilt, die Grubenbahn in eine nebenbahnähnliche Kleinbahn für die Beförderung von Personen und Gütern mittels Dampfkraft umzuwandeln. Die Kleinbahn hatte seither zwei Personenwagen angehängt, was für die Werner Bürger von besonderer Bedeutung war, weil dort der Bahnhof erst 1928 eröffnet wurde.

Während in den 20er Jahren noch rund 8 000 Fahrgäste gezählt wurden, waren es Anfang der 80er Jahre durch einzelne Schulklassen oder durch Eisenbahnfreunde gerade einmal 100 verkaufte Karten im Jahr. Bis zum Schluss kostete eine Fahrt 50 Pfennige. Aus Kostengründen wurde die Verbindung eingestellt. Auch der Bergbau als Betreiber konnte die Bahn nicht mehr retten.

Mehrere Versuche, die Bahn zumindest zu SimJü oder für Ferienspaß-Maßnahmen wieder fahren zu lassen, schlugen fehl. Heute führt die Strecke auf einer Länge von insgesamt 4,75 Kilometer auch nur noch bis kurz hinter das Gersteinwerk in Stockum, wo noch zwei bis drei Mal am Tag Kohlen über diese Bahnlinie angefahren werden. Im Mai des vergangenen Jahres hatte die RAG das verbliebene Teilstück der Werner-Bockum-Höveler Eisenbahn europaweit zum Verkauf angeboten. ▪ WA

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