1. wa.de
  2. Hamm
  3. Pelkum

Aufwendige Arbeiten: Ganzer Wald in Lerche wird saniert

Erstellt:

Von: Markus Liesegang

Kommentare

Arbeit mit dem „Riesenstaubsauger“: Damit das Gerät zum Einsatz kommen kann, muss der Boden zuvor aber schweißtreibend von Hand gelockert werden.
Arbeit mit dem „Riesenstaubsauger“: Damit das Gerät zum Einsatz kommen kann, muss der Boden zuvor aber schweißtreibend von Hand gelockert werden. © Liesegang, Markus

Die Sanierungsarbeiten des Waldes am Tontaubenschießplatz in Hamm-Lerche schreiten weiter voran.

Lerche – Recht aufgeräumt sieht es neben dem ehemaligen Tontaubenschießplatz des Hegerings Pelkum am Wirtschaftsweg Auf dem Schill in Lerche aus. Nichts ist mehr vom Wildwuchs zu sehen wie noch im August. Fahrwege durchziehen jetzt das über 40.000 Quadratmeter große, teils gerodete Waldstück. Zahlreiche Erdhaufen, erkennbar mit Wurzelwerk durchsetzt, liegen scheinbar willkürlich verteilt. Augenscheinlich werden die Bodensanierungsarbeiten, die mit dem Fällen einer Vielzahl von Bäumen im Frühjahr 2022 begannen, auch durch ein Containerdorf des Bauunternehmens Heitkamp aus Herne, besser gesagt dessen Abteilung Umwelttechnik.

„Ja. Es ging dann doch ganz schnell. Die Auftragsvergabe wurde doch recht schnell festgezurrt trotz der allgemein bestehenden Probleme, Handwerker zu bekommen“, war Franz-Josef Peveling überrascht. Und der Vorstandsvorsitzende des Dortmunder Grundeigentümers Harpen Immobilien AG entschuldigt mit der Geschwindigkeit der Umsetzung den angekündigten und dann weggefallenen Ortstermin zum Start des zweiten Abschnitts der Maßnahme. Die Öffentlichkeit sollte informiert werden, weil im Zuge der Sanierungsarbeiten, verstärkt Lkw-Fahrten anfallen.

Reinigungsarbeiten des Bodens dauern an

Die Belästigung der Anwohner hält sich momentan aber noch in Grenzen. Mutterboden, um die freigelegten Wurzeln der alten, wertvollen Eichen abzudecken, sei schon genug vor Ort, so Peveling. Augenblicklich werde das Material angefahren, dass die Basis für das Sicherungsbauwerk darstellen soll. Der mit den Schwermetallen Blei und Antimon aus der Schrotmunition sowie Teer aus der Beschichtung der Tontauben verseuchte Boden wird nicht abgefahren, sondern verbleibt darin abgekapselt im Wald. Die Erde, um den abgetragenen Boden zu ersetzen, wird am Ende der Maßnahme angeliefert.

„Es wird wohl noch zwei Monate dauern, bis die Reinigungsarbeiten erledigt sind“, verrät Peveling kürzlich den groben Zeitplan. „Die Arbeiten sind sehr aufwendig.“ Planierraupe und Bagger stehen meist still. „Handschachtung“ nennt der Bauarbeiter das schweißtreibende, zeitraubende Freilegen mit Hacke und Spaten. Ist die Erde im Dickicht der Baumwurzeln gelockert, kommt ein „Riesenstaubsauger“ zum Einsatz, ähnlich einer Straßenkehrmaschine. Zentimeter um Zentimeter graben die Spezialisten aus Herne bis zu 50 Zentimeter tief in den Lercher Grund. „Eben so tief bis unser Gutachter vor Ort entscheidet, dass es ausreicht“, so der Harpenchef.

Umweltamt in Hamm begleitet Sanierung

Die ständige Kontrolle durch den Sachverständigen bestätigt Stadtsprecher Tom Herberg. Das städtische Umweltamt begleitet die Sanierung. „Zur Überprüfung des Sanierungserfolges werden an der Sohlfläche der ausgehobenen Bereiche Kontrollproben durch das Sachverständigenbüro entnommen und auf die relevanten Parameter untersucht. Bei Überschreitung der Zielwerte würde ein weiterer Aushub der Bodenschicht erfolgen. Diese Regelung ist Bestandteil des Sanierungsplans. Die Ergebnisse der Kontrollanalysen werden in einem Abschlussbericht dokumentiert. Nach Aussage des Sachverständigen konnten bislang die Sanierungszielwerte nach erfolgtem Aushub stets festgestellt werden“, erklärt er.

Nicht äußern mochte sich Herberg zur getroffenen Vereinbarung zwischen Stadt und Harpen, was die Wiederherstellung der Zuwegung betrifft. „Es gab eine vertragliche Regelung“, sagt er. Wie die aussieht, sei den politischen Gremien bekannt, äußert sich Peveling ähnlich unkonkret. Für die Wiederherstellung der Fahrbahnen werde nach Abschluss der Arbeiten ebenfalls Heitkamp sorgen. Er verweist nochmals darauf, dass die Wirtschaftswege Auf dem Schill und Schlehdornstraße marode gewesen seien, teilweise schon für den Lkw-Verkehr ertüchtigt werden mussten.

Sanierung ist aufwendig und teuer

Einige der erhaltenswerten Bäume müssten wohl noch fallen, erklärt der Waldbesitzer. Ein beauftragter Baumgutachter hätte irreparable Schäden im Wurzelbereich festgestellt. „Und als Eigentümer haben wir die Verkehrssicherungspflicht“, betont Peveling. Die Standfestigkeit der betroffenen Bäume werde von einer Fachfirma per Zugversuch festgestellt, dann entschieden, was passiert.

„Ich hätte nicht erwartet, was hier auf mich zukommt“, gibt Peveling zu. Aufwendig, teuer und abseits seines Kerngeschäfts Immobilien sei die Sanierung des Waldstücks. Die Ursache von Arbeit und Kosten, der Schießstand, liegt zudem auf dem Nachbargrundstück, dass Harpen gar nicht gehört. „Aber das Projekt ist wohl so einzigartig und interessant, dass es Anfragen der Uni Münster gibt, es zum Forschungsprojekt zu machen“, meint der Vorstandsvorsitzende der Harpen AG. Der Wald entlang des Beverbachs zum Naturschutzgebiet ist wirtschaftlich nicht verwertbar.

Auch interessant

Kommentare