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Phosphor-Brandbombe in Hamm freigelegt - Bauarbeiter in Gefahr

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Von: Markus Hanneken

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Die Feuerwehr rückte zum früheren Schießplatz aus.
Die Feuerwehr rückte zum früheren Schießplatz aus. Auch ein Rettungswagen war vorsorglich mitgeschickt worden. © Reiner Mroß

Brisanter und vor allem ungewöhnlicher Einsatz für die Feuerwehr in Hamm: Sie wurde am Freitag nach Sandbochum alarmiert, nachdem Bauarbeiter dort auf eine qualmende Phosphor-Brandbombe stießen.

Hamm - Bei Arbeiten auf einem früheren Schießplatz hat ein Baggerfahrer am Freitagmittag, 11. November, eine besondere Bombe freigelegt. Das zunächst nicht definierbare Objekt weit draußen im unbewohnten Westen der Stadt war rund 30 Zentimeter lang und begann plötzlich zu qualmen. Ob auch offenes Feuer gemeldet wurde, ließ sich im Nachgang aber nicht bestätigen.

Geistesgegenwärtig alarmierten die Bauarbeiter die Feuerwehr. Die rückte mit Kräften der Hauptwache und der Einsatzbereiche Herringen, Wiescherhöfen und Sandbochum an, riegelte die Fundstelle weiträumig ab und erkundete die Situation. Die mutmaßliche Bombe wurde nach WA-Informationen sicherheitshalber mit Erde bedeckt.

Beratungen vor Ort, ehe der Kampfmittelexperte dazu kam.
Beratungen vor Ort, ehe der Kampfmittelexperte dazu kam. © Reiner Mroß

Der nächste Notruf erreichte den Bereitschaftsdienst des Kampfmittelbeseitigungsdiensts der Bezirksregierung Arnsberg, der sich offenbar alarmiert zeigte. Ein Experte eilte zur Fundstelle abseits der Straße Auf dem Schill. Im Wagen hatte er ein besondere Kiste, in die er das ausdauernd qualmende Objekt ablegte.

Damit war jedwede potenzielle Gefahr vor Ort abgewendet; die noch verbliebenen Feuerwehrleute konnten gegen 16.30 Uhr wieder einrücken, erklärte Feuerwehrsprecherin Kristina Scholz am Nachmittag in der Leitstelle. Der Kampfmittelräumer werde sich nun um die Entsorgung kümmern. (Bomben auf Bahnhof: Rätsel um Blindgängerzahlen in Hamm)

Pflug verhakt sich in Viersen in Brandbombe
Eine Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg liegt auf einem Acker. Dieses Objekt wurde in Viersen entdeckt, das in Hamm dürfte ähnlich ausgesehen haben. © Stadt Viersen/dpa/Archivbild

Brandbombe in Hamm gefunden: brandgefährlich bei Kontakt

Erst nach Ende des Einsatzes bestätigte die Feuerwehr die Vermutung, es könne sich um eine Brandbombe handeln. Tatsächlich war es eine Phosphorbombe und damit sehr wahrscheinlich ein Relikt aus der Weltkriegszeit. Phosphorbomben „enthalten ein Gemisch aus weißem Phosphor und Kautschuk und werden als Brandbombe und als Nebelkampfstoff eingesetzt“, heißt es bei Wikipedia. Weißer Phosphor entzünde sich selbst allein durch den Kontakt mit Sauerstoff und brenne dann mit einer 1300 Grad Celsius heißen Flamme unter starker Entwicklung von Phosphorpentoxid - ein Rauch, der in größeren Mengen gesundheitsschädlich sei.

Verletzt wurde zum Glück niemand, aber in Gefahr waren die Bauarbeiter ziemlich sicher trotzdem: „Neben der Brandwirkung und den schwer heilenden Verletzungen, die ein Hautkontakt schon bei geringen Mengen verursacht, sind weißer Phosphor und seine Dämpfe hochgiftig“, heißt es bei Wikipedia weiter. Für einen Erwachsenen seien bei direkter Aufnahme schon 50 Milligramm tödlich; der Tod trete erst nach fünf bis zehn Tagen ein.

In diesem Bereich wurde die Bombe entdeckt.
In diesem Bereich wurde die Bombe entdeckt. © Reiner Mroß

Brandbombe in Hamm gefunden: Arbeiten auf früherem Schießplatz

Der Einsatzbereich im abseits gelegenen Grenzbereich von Pelkum und Herringen war Teil eines früheren, 40.000 Quadratmeter großen Schießplatzes. Der Forst, der der Dortmunder Harpen Immobilien GmbH gehört, wurde ab Jahresbeginn 2022 von Munitionsresten mit Schwermetall und Teilen von teerbeschichteten Tontauben gereinigt, also quasi „entgiftet“. Der Bereich soll dem Naherholungsgebiet an der Herringer Bever zugeschlagen werden und der Öffentlichkeit dann zur Verfügung stehen. Welcher Art die aktuell dort durchgeführten Arbeiten sind, ließ sich nicht in Erfahrung bringen.

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