Pelkumerin Martina Platte arbeitet für Seemannsmission in Hongkong

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Blick auf Hongkong – die berühmte Bucht im Hintergrund: Hier arbeitet Martina Platte für die Seemannsmission.

Pelkum/Bönen - Die Pelkumerin Martina Platte arbeitet für die Seemannsmission in Hongkong. Aktuell stellt sie Fotos in in Bönen aus. Porträt einer bemerkenswerten Frau mit einer spannenden Geschichte.

„Eine Seefahrt, die ist lustig...“, heißt es nur am Lagerfeuer. Die Realität sieht anders aus. Waren es früher Stürme oder Flauten, sind es heute Stress und Einsamkeit, die Matrosen und Seeoffiziere belasten. Das Klischee „in jedem Hafen eine Braut“ stimmt ebenso wenig. „Hoher Arbeitsstress, denn die Handelsschiffe laufen viele Häfen an, die Liegezeiten werden immer kürzer. Landgang ist kaum noch“, erzählt Martina Platte, die für die Seemannsmission in Hongkong arbeitet.

Seit 21 Jahren lebt die Pelkumerin den Großteil des Jahres in der chinesischen Metropole. Nach Ausbildung zur Diakonin und dem Studium der Sozialarbeit in Bochum fasste sie ihre Zukunft in einem Wunsch zusammen: Ausland und Küste. „Das mit der Seemannsmission war Zufall, es passte aber.“ Ihr erster Hafen war vor 28 Jahren der in Rotterdam. Niederländisch spricht Platte, Chinesisch „ein bisschen“. Amtssprache in Hongkong ist Englisch. Unter Kollegen, die Mission in der Metropole ist international und ökumenisch besetzt, und bei der Arbeit. „Obwohl das besonders mit den osteuropäischen Besatzungen schwierig ist, die sprechen´s kaum.“

„Kulturelle Schwierigkeiten sind ein Thema“

Ansonsten sind die Crews in der Regel international besetzt. Mit den entsprechenden Konsequenzen: „Kulturelle Schwierigkeiten sind ein Thema“, sagt Platte. Da war es naheliegend, vor 15 Jahren noch einen „Master of Interculturell Conflicts“ nachzulegen. „Ich studiere aber auch gerne“, betont sie. Ein berufsfremdes Zertifikatsstudium „Kunst und Kultur“ folgte erst kürzlich. „Da suche ich jetzt noch ein Anschlussstudium.“ Eins ihrer Hobbys ist die Fotografie – in Hongkong hat sie ausgestellt. Aktuell hängen zwei ihrer Bilder in der Alten Mühle Bönen, in der für Gäste offenen Schau des Fotoclubs Bönen.

Martina Platte aus Pelkum stellt zurzeit ihre in Hongkong entstandenen Fotos in der Alten Mühle Bönen aus.

„Es ist eine psychosoziale und seelsorgerische Betreuung“, beschreibt Platte ihre Arbeit. Im Hafen besucht sie die Seeleute an Bord. „Die sehen uns gerne, weil wir mit ihnen sprechen ohne etwas zu wollen.“ Die belastenden Themen sind vielfältig und ähnlich zugleich. Alle belastet die lange Trennung von zuhause, die Einsamkeit auf See. Viele ganz konkret das Flüchtlingselend im Mittelmeer – „die sehen ja die Leichen im Meer treibend.“ Die Ukrainer belaste der Konflikt in der Heimat. „Und Piraterie ist tatsächlich noch Thema.“

Nationale Befindlichkeiten und Hierarchie seien ein Problem der internationalen Besatzungen. „Schwierig ist zum Beispiel die Kombination koreanischer Deckmann und philippinischer Kapitän“, erzählt Platte. Sprachschwierigkeiten kämen hinzu. „Und dann lebt man wochenlang auf engstem Raum, ohne die Chance, sich aus dem Weg zu gehen.“ Eine Lösung könnten die „Missionare“ auch nicht anbieten, aber ins offene Ohr werde gerne gesprochen. „Die freuen sich, wenn wir kommen.“

Probleme als Frau in der Männerwelt akzeptiert zu werden, hätte sie niemals gehabt. Auf Handelsschiffen gebe es auch keine für die wenigen Frauen. „Das sind ja meist Offiziere, also Vorgesetzte.“ Anders sehe es auf den riesigen Kreuzfahrtschiffen aus. „Erst einmal sind Verdienst und Arbeitszeiten schlecht. Und dort kommt es auch zu sexuellen Belästigungen – dann aber meist von Passagieren gegenüber dem weiblichen Personal.“ Auf einem solchen Schiff sammelte Platte auch Praxiserfahrung. „18 Tage bin ich mitgefahren. Das reichte mir völlig.“

„Hongkong ist international, friedlich und sicher"

Platte wohnt direkt am Terminal des Hongkonger Hafens. „Wenn die Container nicht zu hoch gestapelt sind, kann ich das Meer sehen.“ Trotz der Liebe zur „super tollen, aber teuren“ Stadt - weggehen würde sie, um Neues zu entdecken. Wenn sich eine Stelle zeigt. Die Chancen sind allerdings nicht groß. Der Seemannsmission geht es finanziell nicht ganz so gut. Sie kann aber mit ihrem Arbeitsort gut leben. „Hongkong ist international, friedlich und sicher, ich fühle mich hier richtig, wenn die Luft besser wäre.“

Ihren Ruhestand will Platte dann doch im Binnenland verbringen. Ihr Elternhaus gehört ihr. In Pelkum hat sie immer noch einen Freundeskreis, „auch wenn ich nicht regelmäßig, mal mehr oder weniger oft im Jahr, zu Besuch bin.“ Es gäbe sicher schönere Orte auf der Welt, Hamm sei im Vergleich zu Hongkong ein bisschen spießig. „Die Leute sehen hierzulande Probleme, über die im Ausland gar nicht nachgedacht, geschweige denn diskutiert wird. Aber man kommt von hier ja ganz gut weg.“

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