Tränenreicher Abschied am Pelkumer Platz

Lotto und Post ade: Iris Schuster schließt ihr Geschäft für immer

Lotto Schuster schließt am heutigen Samstag ihr Geschäft, inklusive mit Postshop, nach gut 50 Jahren. Iris Schuster blickt auf die Geschichte des Geschäftes, das ihre eltern gegründet haben, zurück.
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Lotto Schuster schließt am heutigen Samstag ihr Geschäft, inklusive mit Postshop, nach gut 50 Jahren. Iris Schuster blickt auf die Geschichte des Geschäftes, das ihre eltern gegründet haben, zurück.

Wenn Iris Schuster am heutigen Samstag ihr Geschäft am Pelkumer Platz abschließt, dann wird es viele Tränen geben.

Pelkum – Iris Schuster ist nur unwesentlich älter als das Geschäft, das ihre Eltern vor 50 Jahren am Pelkumer Platz eröffnet haben. Schon als Kind sei sie hier ein- und ausgegangen, erzählt sie. Umso schwerer fällt es der 51-Jährigen, wenn sie am heutigen Samstag um 13 Uhr die Türen ihres Schreibwarengeschäfts, in dem auch eine Filiale der Deutschen Post und eine Lottoannahmestelle untergebracht sind, schließt – für immer.

Die letzten Tage seien sehr emotional gewesen. Sowohl bei ihr, als auch bei vielen Kunden seien angesichts der nahenden Schließung die Tränen geflossen. Vor allem viele alte Stammkunden, die dem Geschäft 50 Jahre die Treue gehalten haben, werden es vermissen. „Für sie war es auch ein Treffpunkt.“

Anfangs gefragte Einkaufsadresse

Das war auch schon zu den Zeiten so, als Heidi und Peter Brehmer sich 1969 mit ihrem Geschäft selbstständig machten. Angeboten wurden Geschenkartikel, Dinge für den Schulbedarf, Zeitschriften und Spielwaren. Und das Geschäft lief, sodass die Eheleute schon bald ausbauen konnten. „Meine Schwester Cordula und ich sowie meine Oma haben regelmäßig ausgeholfen.“ Vor neun Jahren habe sie das Geschäft übernommen.

Iris Schuster kann sich gut daran erinnern, dass der Pelkumer Platz anfangs noch eine gefragte Einkaufsadresse war. Neben dem Laden ihrer Eltern gab es dort unter anderem eine Bäckerei, ein Lebensmittelgeschäft, eine Schlecker-Filiale sowie einen Friseur. Und heute? Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel geblieben, zumal seit dem 21. Dezember auch die benachbarte Apotheke von Antje Rauscher geschlossen hat – nach 16 Jahren. Verblieben sind ein Friseur/Kosmetikstudio, eine Pizzeria, eine Tagespflege, ein Sonderposten-Verkauf, das Büro des Bauvereins Hamm, ein türkisches Café und – an der Seite zum Pelkumer Bach gelegen – ein Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt und das Beratungszentrum Pelkumer Platz.

„Es hat sich nicht mehr gelohnt“

SPD-Ratsherr Axel Püttner bedauert die Entwicklung. Sie zeigt ihm aber auch, wie wichtig die Umsetzung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Pelkum/Wiescherhöfen ist. Unter anderem sollen mit seiner Hilfe den Eigentümern Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie der Pelkumer Platz belebt werden kann.

Für Iris Schuster kommt das freilich zu spät. „Es hat sich nicht mehr gelohnt“, nennt sie vor allem wirtschaftliche Gründe, die zur Schließung des Geschäfts geführt haben. Wie Schuster sagt, habe ihr zum einen der Internethandel zu schaffen gemacht. „Dabei konnten sich die Leute bei uns beraten lassen und ausprobieren, wenn es zum Beispiel um die Wahl des richtigen Füllers ging“, bedauert sie. Das sei bei Online-Bestellungen nicht möglich.

Schwer zugesetzt habe ihr auch die Dauer-Baustelle auf der Kamener Straße. Wegen der schlechten Erreichbarkeit seien viele Kunden ausgeblieben – und zum Teil nicht wiedergekommen. Für Iris Schuster ist es bis heute unverständlich, warum die Arbeiten so lange gedauert haben und beispielsweise an Brückentagen gar nicht gearbeitet wurde.

Provision der Post immer kleiner

Die 51-Jährige übt aber auch Kritik an der Deutschen Post, die seit 21 Jahren eine Filiale in ihrem Geschäft hat. Die Provision sei in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. „Wäre sie so hoch wie an dem Tag, als meine Eltern den Vertrag unterschrieben haben, würde ich heute nicht schließen.“ Die niedrigen Provisionen hätten zuletzt auch potenzielle Nachfolger abgeschreckt. „Es hat drei Interessenten gegeben, die das Geschäft übernehmen wollten. Als sie gehört haben, was die Post zahlt, haben sie abgewunken.“ Problematisch seien auch die strengen Vorgaben der Post. „Auf Dauer wurde mir das Korsett zu eng.“

Iris Schuster und Peter Janz im Postfilialbereich des Geschäfts.

Und wie geht es jetzt weiter für sie und ihre beiden festen Mitarbeiter? Alle haben, wie sie sagt, eine neue Anstellung gefunden. Sie selbst arbeite seit dem Frühjahr halbtags in einem Büro im Hamtec. Anfang 2020 werde sie das Geschäft abwickeln und Restposten verkaufen, vermutlich im Internet. Um das Ladenlokal besser vermieten zu können, wolle sie es um- und eine behindertengerechte Toilette einbauen. Die Geschäftsfrau ist sich sicher, dass dort kein Einzelhandel mehr einziehen wird. „Ich denke, dass es eher in Richtung Physiotherapie geht.“

Was passiert nun mit der Post?

Nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Post wurde für die Postfiliale am Pelkumer Platz noch kein Nachfolger gefunden. „Wir suchen noch einen Partner.“ Möglicherweise wird es im Raum Pelkum demnächst eine Interimsfiliale mit deutlich kürzeren Öffnungszeiten geben. Einen nahtlosen Übergang wird es laut Post nicht geben. Hinsichtlich der neuen Filiale wird sie die Öffentlichkeit „rechtzeitig informieren“.

Um Pakete aufzugeben, müssen die Pelkumer Kunden – besucht wurde die Filiale am Pelkumer Platz auch von Menschen aus Herringen und Bönen – ab dem 30. Dezember in die nächst gelegenen Filialen fahren, beispielsweise nach Herringen (Jahns), Bönen oder an die Wilhelmstraße. Pakete, die bis heute Mittag in Pelkum nicht abgeholt wurden, werden nach Herringen gebracht.

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