Kicken auf Kork

Pilotprojekt in Hamm: Kunstrasen aus neuer Mischung in Wiescherhöfen

Zufrieden mit dem Zusammenspiel von Verein, Politik und Verwaltung sind SPD-Ratsfraktionschef Justus Moor (von links), die SPD-Ratsherren Volker Degelmann und Axel Püttner sowie die TuS-Vertreter Christopher Magh, Manfred Roland und Marc Lapcevic.
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Zufrieden mit dem Zusammenspiel von Verein, Politik und Verwaltung sind SPD-Ratsfraktionschef Justus Moor (von links), die SPD-Ratsherren Volker Degelmann und Axel Püttner sowie die TuS-Vertreter Christopher Magh, Manfred Roland und Marc Lapcevic.

Die Verantwortlichen des TuS Wiescherhöfen sind zufrieden und loben ausdrücklich das Zusammenspiel zwischen Verein, Verwaltung und Politik. Denn dem sei es zu verdanken, dass das Kunststoffgranulat auf dem Kunstrasenplatz an der Wielandstraße nicht, wie zunächst geplant, gegen Quarzsand, sondern gegen eine Mischung aus Kork und Quarzsand ausgetauscht wird.

Wiescherhöfen – Dadurch werde das Verletzungsrisiko minimiert, so Vorsitzender Manfred Roland, 2. Vorsitzender Marc Lapcevic und 2. Geschäftsführer Christopher Magh bei einem Gespräch mit Vertretern der SPD. „Eine Auffüllung nur mit Quarzsand wäre eine Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation gewesen“, so Roland.

Es ist das erste Mal, dass ein Hammer Kunstrasenplatz eine Kork-/Quarzsand-Mischung erhält. Vor allem hinsichtlich der Pflege wolle die Stadt, so SPD-Ratsfraktionschef Justus Moor, das Pilotprojekt in den kommenden beiden Jahren begleiten und danach eine Kosten-/Nutzen-Rechnung erstellen. „Dann werden wir sehen, ob auch andere Hammer Kunstrasenplätze bei einem erforderlichen Austausch ein solches Gemisch bekommen.“

Kork statt Quarzsand

Den Beschluss zur Sanierung des Platzes hatte die Bezirksvertretung Pelkum auf ihrer jüngsten Sitzung gefasst und die Vorlage hinsichtlich des zu verwendenden Materials geändert. Im Vorfeld hätten dazu Gespräche von SPD und CDU mit Vertretern des Vereins stattgefunden, erklärte SPD-Fraktionschef Friedrich Gosewinkel. Seine Parteifreundin Gerlinde Schöpper bedankte sich vor allem bei Christopher Magh und dem langjährigen Trainer Jörg Degelmann – beide waren in der Sitzung anwesend – für die fachliche Beratung.

Der Kunstrasenplatz des TuS wurde 2007 gebaut. Im Jahr 2014 musste der Belag vorzeitig ausgetauscht werden. Dabei wurden die vorhandenen Füllstoffe, Quarzsand und Gummigranulat, erneut verwendet. Seit etwa Mitte 2019 hätten sich dann, so TuS-Vorsitzender Roland, zunehmend Verklumpungen am peroxidvernetzten Gummigranulat gezeigt, die den Spiel- und Trainingsbetrieb erschwert hätten. Laut Verwaltung handelt es sich beim Platz an der Wielandstraße um die einzige Anlage in Hamm, bei der das der Fall ist.

Der Kunstrasenplatz des TuS Wiescherhöfen ist derzeit mit einem Gemisch aus Gummigranulat und Quarzsand aufgefüllt.

Nach nur einem Jahr muss Belag erneuert werden

Als Folge dessen muss der Belag erneut ausgetauscht werden. Das Problem: Schwefelversetztes Gummigranulat, so wie bei der ersten Generation der Kunstrasenplätze verwendet, schied aufgrund der Mikroplastik-Problematik aus. Und Gummigranulat auf Öko-Basis sei, wie Moor erklärte, noch in der Erprobung.

Auch eine Verfüllung mit Korkgranulat kam für die Stadt zunächst infrage: „Einerseits sind die Kosten hierfür wesentlich höher, zum anderen ist der Pflegeaufwand aufwendiger, da das extrem leichte Korkgranulat häufiger egalisiert werden muss.“ Daher habe man sich dazu entschieden, bei der Auffüllung ausschließlich Quarzsand zu verwenden, so wie bei vielen anderen Plätzen auch.

Doch dagegen meldeten die Vertreter des TuS, nachdem die Politik sie in Kenntnis und um eine Bewertung gebeten hatte, Bedenken an. Sie verwiesen unter anderem darauf, dass in Dortmund 8 der 60 Kunstrasenplätze und in Welver eine Anlage mittlerweile mit einer Mischung aus Quarzsand und Korkgranulat aufgefüllt wurden. „Und warum soll das nicht auch in Hamm funktionieren?“, fragten sich unter anderem Magh und Lapcevic.

Was in Dortmund klappt, geht auch in Hamm

Was folgte, war ein „intensiver Austausch“. „Es waren zwei spannende Wochen“, blickt Moor auf die Gespräche der großen Koalition mit der Verwaltung zurück. Letztendlich habe man eine gute Lösung gefunden. Das finden auch die SPD-Ratsherren Axel Püttner und Volker Degelmann, die ihrerseits das Zusammenspiel aller Beteiligten ebenfalls loben. Püttner: „Es war wichtig, dass wir uns den fachlichen Rat derer, die den Platz regelmäßig nutzen müssen, eingeholt haben.“

Die Kosten für den jetzt geplanten Austausch bezifferte Stadtsprecher Lukas Huster auf rund 110.000 Euro. Eine Auffüllung nur mit Quarzsand hätte die Stadt rund 50.000 Euro gekostet.

Quarzsand ist in Hamm immer im Spiel

In Hamm gibt es aktuell 17 größere Kunstrasenplätze, wobei sich die Auffüllungen mit Quarzsand beziehungsweise einem Gemisch aus Gummigranulat und Quarzsand als „Unterlage“ in etwa die Waage halten. Neben diesen und dem für den TuS-Platz gewählten Kork-/Quarzsand-Gemisch gibt es in anderen Kommunen in Deutschland auch noch andere Beläge für Kunstrasenplätze, beispielsweise eine Mischung aus Kreide und Hanf.

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