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Schüler ebnen den Weg: Fotovoltaikanlage auf Dach des MGH

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Von: Stefan Gehre

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Fotovoltaikanlage - Märkisches Gymnasium Hamm - Schule - Nachhaltigkeit
Das Dach des Märkischen Gymnasiums hat eine Fotovoltaikanlage bekommen. Geebnet wurde das Projekt von Schülern. © Schwartländer

Die Schüler des Märkischen Gymnasiums setzten sich für mehr Nachhaltigkeit ein, um ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Ein Beispiel ist die neue Fotovoltaikanlage.

Hamm-Westen – Von der ersten Idee bis zur Umsetzung hat es zwar vier Jahre gedauert. Dafür freut es die Schüler des Märkischen Gymnasiums umso mehr, dass ein Projekt, das im Schuljahr 2017/18 im Projektkurs Physik von Cristian Nyisztor angestoßen wurde, endlich Früchte trägt – auch und gerade in Zeiten des Klimawandels und der Nachhaltigkeit: Auf einem Teil des Flachdachs befindet sich eine aus 258 Modulen bestehende Fotovoltaikanlage, die maßgeblich die Handschrift der Schüler trägt.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Nyisztors Kollege Jens Hieronymus, der wissen wollte, warum es am MGH – viele Lehrer dort sind Pendler – keine Ladestation für E-Autos gibt. Der Projektkurs spann diesen Gedanken weiter und fragte sich, inwieweit auf dem Dach des Gymnasiums eine Fotovoltaikanlage errichtet werden kann. Dabei hätten vor allem die Statik des Dachs, die Stromerzeugung, die CO2-Einsparungen und die Wirtschaftlichkeit der Anlage eine Rolle gespielt, berichtete Eric Piotraschke, der vor zwei Jahren am MGH sein Abi gemacht und der im damaligen Projektkurs mitgearbeitet hat. Auch der Nachfolgekurs sei involviert gewesen.

Fotovoltaikanlage: HSHS bestätigt Schüler-Daten

Vom Projektkurs „Sozialwissenschaften“ unter Leitung von Georg Schimmel wurde zudem die rechtliche Lage bewertet. Schließlich kamen die Schüler zu dem Ergebnis, dass eine leistungsstarke Fotovoltaikanlage auf dem Dach ihrer Schule, das sowieso saniert werden musste, errichtet werden kann. Wenig später wurden die Ergebnisse von Prof. Dr. Olaf Goebel von der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL), den das Märkische als Berater ins Boot geholt hatte, bestätigt. Nun galt es noch, die Stadt und die Stadtwerke zu überzeugen. Denn die seien, wie Piotraschke berichtete, zunächst nicht so begeistert gewesen.

Doch das änderte sich: Insgesamt 85000 Euro investierten die Stadtwerke in die Anlage – eine Anlage, die sich klimatechnisch sofort und wirtschaftlich, wie Nyisztors Kurs ausgerechnet hat, nach sechs bis sieben Jahren rechnet. Von den etwa 85 000 Kilowattstunden Strom, die sie jedes Jahr erzeugt, fließen 75 Prozent in den Eigenbedarf. Insgesamt liegt der Strombedarf am MGH bei 200 000 Kilowattstunden im Jahr. Rund ein Drittel davon wird künftig mithilfe der Solarenergie erzeugt – nachhaltig und ressourcenschonend. Dadurch könnten, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Jörg Hegemann erklärte, pro Jahr 16 Tonnen CO2 eingespart werden.

Das war auch für Oberbürgermeister Marc Herter das Stichwort. Ziel müsse es sein, den Anteil regenerativer Energien in Hamm auszubauen. Geradezu prädestiniert dafür seien großflächige Dächer. Natürlich müssten die Rahmenbedingungen wie die Statik der Gebäude passen.

Fotovoltaik: Stadt will weitere Anlagen auf Schulen

Das war auch am MGH ein Thema. Denn am liebsten hätten die Schüler die Anlage auf die Sporthalle gesetzt. Das war aus statischen Gründen aber nicht möglich. Auch auf anderen Gebäuden in Hamm werde die Statik derartige Projekte immer mal wieder ausbremsen, weiß Stadtbaurat Andreas Mentz. Dort, wo es geht und es sich rechnet, werde man Fotovoltaikanlagen errichten lassen. „Zum Beispiel auf dem Dach des Galilei-Gymnasiums.“

Mentz wünscht sich Solaranlagen vermehrt aber nicht nur auf Dächern von öffentlichen Gebäuden in Hamm, sondern auch für Privathaushalte. Allerdings müssten die rechtlichen Hürden deutlich kleiner werden, gab er der neuen Bundesregierung mit auf den Weg.

Ebenso wie Herter und Mentz freute sich Hegemann, dass es Schüler waren, die sich im Sinne der Nachhaltigkeit für das Projekt am MGH eingesetzt haben. Dass eine Fotovoltaikanlage gemeinsam von Schule, Hochschule, Stadt und Stadtwerken realisiert wurde, habe es in Hamm in dieser Form noch nicht gegeben.

Fotovoltaik: Weitere Nachhaltigkeitsprojekt am MGH

In den kommenden Jahren möchte das MGH weitere Projekte zur Nachhaltigkeit umsetzen. Denn „Fridays for Future“ reiche allein nicht, sagte Nyisztor. „Die Jugendlichen wollen sich Gedanken machen, welche Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise es vor Ort geben kann.“ Die beiden Schülersprecher, Alexander Kramer und Isra Deniz, pflichteten dem bei. „Auch wenn es etwas länger gedauert hat: Die Schüler haben hier etwas erreicht“, freute sich Deniz. Und das sei eine große Motivation. Kramer betonte, dass die Schule in Sachen Nachhaltigkeit sicher noch einiges bewegen kann.

Auf dem Schirm hat das MGH, wie die Schülersprecherin ankündigte, unter anderem die Verbesserung der Mülltrennung. Und das Projekt „Everyday for Future“. Hier wolle man, so Nyisztor, gemeinsam mit Kooperationspartnern wie dem ASV Hamm-Westfalen überlegen, wo CO2 dort eingespart werden kann. Zudem sei, wie Schimmel sagte, eine Schülerfirma für den Verkauf nachhaltiger Schulprodukte in Planung.

Die Anlage

(Spitzen-)Leistung gesamt: 99,33 kWp (Kilowatt peak)
Anzahl Module: 258
Jahresenergieertrag: 85000 Kilowattstunden (reicht für 21 Haushalte mit jeweils 4000 kWh/Jahr)
Eigenverbrauchsabteil: 75 Prozent
Strombedarf MGH: 200000 kWh/Jahr
CO2-Ersparnis durch Anlage: 16 Tonnen im Jahr

Das freut auch Professor Goebel, der für den Studiengang Energietechnik und Ressourcenentwicklung an der HSHL warb. Von den 120 Studienplätzen pro Semester seien dort aktuell nur 60 belegt. „Hier haben wir noch Luft nach oben“, würde er sich über viele Studierende freuen, ebenso wie Schulleiter Florian Rösner, der die Gelegenheit nutzte, sich bei allen zu Projektbeteiligten zu bedanken.

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