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Aufatmen in Lohauserholz: Ende der Großbaustelle im Dorf in Sicht

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Von: Markus Liesegang

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Mit kleinen (Bord-)Steinen, aber großen Schritten der Fertigstellung entgegen: Wenn alles gut geht, soll der Kreisverkehr Günterstraße/Östingstraße zum Fest für den Verkehr freigegeben werden.
Mit kleinen (Bord-)Steinen, aber großen Schritten der Fertigstellung entgegen: Wenn alles gut geht, soll der Kreisverkehr Günterstraße/Östingstraße zum Fest für den Verkehr freigegeben werden. © Liesegang, Markus

Seit Monaten ist ein ganzes Dorf gefühlt vom Rest in Hamm abgeschnitten. In Lohauserholz kann nun aufgeatmet werden. Bis Weihnachten soll - wenn alles gut geht - am neuen Kreisverkehr Verkehr fließen können.

Lohauserholz – Es wird eine schöne Bescherung für die Lohauserholzer werden. Die Freigabe des Kreisverkehrs an der Günter-/Östingstraße soll rechtzeitig zum Fest erfolgen (wenn auch vielleicht anfangs noch mit Einschränkungen). Für die einen ist es Fluch, für die anderen Segen: Verwandtschaftsbesuche scheinen über die Feiertage möglich.

Am 9. Dezember sollen die Asphaltierungsarbeiten, beginnen, sagt Bauleiter Marcus Lohmann vom Bauunternehmen Schneider. Der Tiefbau ist offensichtlich abgeschlossen, der südliche Bürgersteig bereits gepflastert, Arbeiter setzen an der Nordgrenze des Kreisels Bordsteine. Der Mittelpunkt des Rondels ist mit Mutterboden ausgefüllt, darum verläuft ein erster Asphaltring. Augenscheinlich der für die dickeren motorisierten Benutzer, Busse und Lkw, die die Kurve nicht packen.

Restarbeiten sollen 2023 erfolgen

Der „Innenraum“ des Kreisels wird nicht überfahrbar sein, sondern begrünt. „Ob, inwieweit auf der Fläche etwas installiert wird, ist noch in Klärung“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster auf die Frage nach einer künstlerischen Ausgestaltung der Insel. Und er gibt sich vorsichtig, was die Freigabe für den Verkehr betrifft. „Stand der Planung ist, den Kreisverkehr bis Weihnachten soweit herzustellen, dass er für den Verkehr geöffnet werden kann.

Bis vor Weihnachten sollen dafür die Binder- und Deckschicht eingebaut werden – immer vorausgesetzt, das Wetter spielt mit und wir bekommen keine längeren starken Regenfälle oder Frostwetter, was ja in dieser Jahreszeit durchaus möglich ist“, sagt Huster. Anfang des kommenden Jahres sollen die Restarbeiten, Grünflächen und Zäune, angegangen werden.

Ursprünglich, zum Start der Arbeiten im März, war die Fertigstellung des Kreisels für Ende November geplant. Aber es mussten die Arbeiten von drei Gewerken koordiniert werden, die voneinander abhängig waren. Neben den Straßenbauarbeiten von Schneider verlegten die Stadtwerke Versorgungsleitungen, der Lippeverband sanierte die Kanalisation.

Seit Monaten nicht in Betrieb: der einzige Briefkasten im Hölzken, Ecke Peter-/Günterstraße.
Seit Monaten nicht in Betrieb: der einzige Briefkasten im Hölzken, Ecke Peter-/Günterstraße. © Liesegang, Markus

„Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens trotz Vollsperrung und bauzeitlichen Verschiebungen aufgrund der Koordinierung mit dem Bau des Kreisverkehres kam es im Zuge der Kanalsanierungsarbeiten nur zu leichten Verzögerungen der Bauzeit“, erklärt Pressesprecher Ilias Abawi für die Emschergenossenschaft/Lippeverband. Die Arbeiten seien im so genannten „TIP-Verfahren“ durchgeführt worden. Einzelne Baugruben reichten unter den „sieben Brücken“. Das marode Altrohr blieb im Boden, wurde wieder in Form gebracht, ein neues Kunststoffrohr, das vorher auf der Straße zusammengeschweißt wurde, eingezogen. „Insgesamt wurde ein Kanal auf einer Länge 420 Meter erneuert.“ Hausanschlüsse, also die der Betriebsgebäude der Bahn, seien wieder angebunden worden.

Der Lippeverband investierte bisher 460 000 Euro. Erfreulich für den Auftraggeber: „Die ursprünglich geplanten Baukosten in Höhe von rund 500 000 Euro haben wir damit sogar unterschritten“, so Abawi. Die Abnahme des Schachtes im Bereich des Kreisverkehrs stehe aber wegen der fortgesetzten Bauarbeiten dort noch aus. Die Baugruben der Unterführung sind verfüllt und asphaltiert. Der Lippeverband nutzte die Synergieeffekte durch die Erstellung der Überfahrzone des Kreisels, die ja schon asphaltiert ist. Der komplette Straßenbelag werde allerdings im Zuge dieser Maßnahme nicht erneuert, erklärt Bauleiter Lohmann.

Busse fahren aktuell noch Riesenumwege

Die dritte Partei, die Stadtwerke, nutzte die Bauarbeiten, um Versorgungsleitungen für Strom, Gas, Wasser sowie für Signalkabel zu verlegen. „Unsere Arbeiten werden voraussichtlich Ende der Woche erledigt sein“, sagt Pressesprecherin Cornelia Helm.

Für die Lohauserholzer, die auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, wird Einkaufen wohl ab Ende Dezember wieder einfacher, denkt Helm. Momentan fährt ihre Linie 5 einen Riesenumweg über die Rathenaustraße und Weetfeld ins Hölzken und zurück. Das hatte für einigen Frust bei Pendlern gesorgt. Ob die Umleitung Fahrgäste gekostet hat, konnte die Stadtwerkesprecherin nicht nachhalten. Fahrgastzahlen würden bei Umleitungen nicht erfasst.

Briefkasten wird seit Monaten nicht mehr geleert

Auch die Briefeschreiber müssen momentan einen Umweg in Kauf nehmen. Auf dem einzigen Briefkasten im Dorf, Ecke Güter-/Peterstraße klebt der Hinweis, dass nicht geleert wird. Wer sicher gehen will, dass Weihnachtsgrüße rechtzeitig den Adressaten erreichen, wird einen der Kästen jenseits der Brücken nutzen müssen.

Das Glück der einen, bringt Tränen bei anderen: Für Radfahrer und Fußgänger wird das entspannte Unterqueren der sieben Brücken der Vergangenheit angehören. Sie teilen sich dann wieder den zu knapp bemessenen Rad-/Fußweg, der bei Frost vermutlich vereist sein wird wie in den Jahren zuvor. Die Zuständigkeiten scheinen unklar. Während Abawi feststellte, dass die Deutsche Bahn zeitgleich mit der Maßnahme des Lippeverbandes eine Sanierung der Grundstücksentwässerung durchgeführt hätte, heißt es aus Düsseldorf: „Die Maßnahme ist eine Baustelle der Stadt, bzw. des Lippeverbandes, so Bahnpressesprecher Dirk Pohlmann.

Durchfahrt für die Feuerwehr

In Lohauserholz habe es während der Bauzeit des Kreisels zwei Einsätze – zwei kleinere Brände – gegeben, blickt Bernd Harjis von der Einsatzorganisation der Hammer Feuerwehr zurück. „Wir kommen aber während der Bauzeit immer direkt ins Hölzken“, sagt er, „die Durchfahrt unter den sieben Brücken war für die Einsatzfahrzeuge durchgehend möglich.“ Vor solchen Großbaustellen und Straßensperrungen gebe es eine Lagebesprechung mit der Straßenverkehrsbehörde und in diesem Fall der ausführenden Baufirma. Die Durchfahrtsbreite war für alle Einsatzfahrzeuge nach dem Entfernen der Absperrungen gegeben, je nach Baufortschritt mal auf die Östingstraße, mal in Richtung Günterstraße. Eine Durchgängigkeit im Notfall sei ein Muss. Die Östingstraße aus Richtung Stadt zu befahren, sei zudem unmöglich, weil die Höhe der Eisenbahnbücke dort nur 2,90 Meter beträgt.

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