Schacht Lerche

Gefährlicher Vandalismus: Sprayer klettern auf Förderturm und hinterlassen Schmierereien

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Gut auch von Weitem zu sehen: Sprayer hinterließen ihre Schmierereien am Schachtgerüst.

"Lost Places" üben nicht nur auf Hobby-Fotografen eine magische Anziehungskraft aus, auch Vandalen geraten trotz Absperrungen immer wieder auf die verlassenen Gelände. So auch beim Schacht Lerche. Unbekannte sind dort auf den Förderturm geklettert und haben dort Schmierereien hinterlassen.

Lerche – Versuche, ihn zu verkaufen, hat es ebenso gegeben wie die Forderung, ihn unter Denkmalschutz zu stellen – beides ohne Erfolg. Und ihn einfach stehen lassen? Auch das ist für die RAG Montan Immobilien (RAG MI) und die Stadt Hamm „keine Option“. Daher wird der Schacht Lerche, so schwer es manchem Bergbau-Nostalgiker auch fallen wird, voraussichtlich noch in diesem Jahr abgerissen.

Aktuell steht er aber noch und prägt das Ortsbild des Hammer Ortsteils Lerche. Und nicht nur das: Ähnlich wie zuvor auch schon die mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Gebäude von Heinrich Robert und die ehemalige Verladestation an der Sundernhalde scheint auch Schacht Lerche eine magische Anziehungskraft auszuüben. Gewisse Personenkreise haben in den vergangenen Monaten auch diesen „Lost Place“ (vergessener Ort) für sich entdeckt und das eingezäunte Gelände illegal betreten. Sogar der Förderturm, aufgrund seiner markanten Form im Volksmund auch „Golfschläger“ genannt, wurde von ihnen erklommen, wie an den weithin sichtbaren Schmierereien in Höhe des zweiten Förderrads gut zu erkennen ist.

Schacht soll bis 2022 rückgebaut werden

Für die RAG MI ist das ein echtes Problem. Zwar hat sie „alles dafür getan“, dass das Gelände nicht betreten wird. Dennoch gibt es Unverbesserliche, die Zäune und Verbotsschilder missachten. „Die Probleme sind uns bekannt. Wir versuchen alles, um solch ein Rowdytum zu verhindern“, sagte Frank Schwarz, Sprecher der RAG Montan Immobilien. 

Da eine Bewachung rund um die Uhr nicht infrage kommt, werden sich wohl auch in den kommenden Wochen immer wieder Menschen auf dem Gelände aufhalten. Allzu lange wird das aber nicht mehr möglich sein. Wie Schwarz sagte, sollen der Schacht Lerche und die Nebengebäude saniert und rückgebaut werden. Diese Maßnahmen sollen bis Ende 2022 abgeschlossen sein. „Das abgeräumte Gelände soll dann später ökologisch genutzt werden.“

Keine Nachnutzungsmöglichkeiten

Die Stadt Hamm, die Denkmalpfleger des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), die Bezirksregierung Arnsberg, das Heimat- und Bauministerium des Landes sowie die Industriedenkmalstiftung hatten zuletzt verschiedene Alternativen zum Erhalt von Schacht Lerche abgewogen und dabei festgestellt, dass es „für den Schacht Lerche keine Nachnutzungsmöglichkeit gibt, wie sie im Denkmalschutzgesetz gefordert wird“. Das sagte Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem böten sich keine Optionen für die Instandsetzung an. „Da keine Möglichkeit der Erhaltung gesehen wird, soll auf eine Eintragung in die Denkmalliste verzichtet werden.“

Allerdings hat sich die Ruhrkohle AG dazu verpflichtet, nach den Vorgaben der LWL-Denkmalpflege eine ausführliche Dokumentation des Schachtgerüstes und der Schachthalle zu erstellen. Nach Vorliegen der Dokumentation werde von der Stadt Hamm dann die Abbruchgenehmigung erteilt. „Der Abbruch soll voraussichtlich Ende 2020 erfolgen“, so Huster.

Geschichte des Schachtes Lerche

Nach den Schächten Franz und Humbert ist Lerche der dritte ehemalige Schacht der Zeche Heinrich Robert, der abgerissen wird. Lediglich die Schächte Heinrich und Robert, die 2019 zusammen mit sechs weiteren Gebäuden unter Denkmalschutz gestellt wurden, bleiben erhalten. Und auch die Anlage in Sandbochum steht noch.

Ursprünglich gehörte der 1973 eröffnete Wetterschacht Lerche zur Zeche Königsborn in Bönen, die aber bereits fünf Jahre später mit der Zeche Heinrich Robert zusammengelegt wurde. Die Funktion eines Abwetterschachtes behielt er bis zur Zusammenlegung der Zechen Heinrich Robert und Monopol/Haus Aden zum Bergwerk Ost. 

Bye-bye Bergbau Hamm : Schacht Lerche wird verfüllt

Bye-bye Bergbau Hamm : Schacht Lerche wird verfüllt
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Für rund 280 Millionen wurde er danach zum Material-, Wetter- und Seilfahrtschacht ausgebaut. Neben dem Schachtgerüst gehörte zur Anlage auch eine gigantische Kälteanlage mit einer Kühlleistung von etwa 26 000 Kühlschränken. Das Schachtgerüst stammt vom Schacht Romberg der Zeche Haus Aden in Werne-Langern. Am 29. September 2002 wurde der neue Schacht vom damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück eingeweiht. 

Voller Stolz hatte das Unternehmen damals von einem der „größten Zukunftsprojekte der Deutschen Steinkohle AG“ gesprochen. Die Einweihung des Schachtes Lerche sei ein wichtiger Schritt, um langfristig am Standort des Bergwerks Ost zukunftsfähig zu bleiben. So könne ein Vorrat von mehr als 30 Millionen Tonnen hochwertiger Kokskohle aufgeschlossen werden und für weitere 15 Jahre einen Beitrag zur sicheren Energieversorgung des Landes leisten, so der damalige DSK-Chef Bernd Tönjes.

Doch es kam anders: Nur acht Jahre später wurde auf dem Bergwerk Ost die Förderung eingestellt. Am 14. Juli 2011 fand auf Lerche die letzte Seilfahrt statt, im August wurde der Schacht verfüllt.

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