Kommando zurück: Holtsträters retten frühere Firma

Friedhelm (links) und Horst Holtsträter haben das Rentnerdasein aufgegeben und ihre frühere Firma vor der Insolvenz gerettet.

Selmigerheide - Ihren Ruhestand haben sich Friedhelm und Horst Holtsträter wahrlich anders vorgestellt. Statt zu reisen, Tennis zu spielen oder andere Dinge zu machen, für die ihnen früher oft die Zeit fehlte, stehen die Brüder wieder mitten im Berufsleben

Sie haben den gleichnamigen Sanitär- und Heizungsfachbetrieb, den ihr Vater Wilhelm vor 70 Jahren aufgebaut hatte, im April zurückgekauft und somit, wie sie sagen, vor der Insolvenz bewahrt. 

Neben ihnen hat auch Monika Holtsträter, die Frau von Horst Holtsträter, das Rentnerdasein aufgegeben und ist wieder „voll ins Geschäft eingestiegen.“ Ihr Schwager und ihr Mann, beide um die 70, hatten sich Anfang 2015 aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen und „einen gesunden Betrieb mit einer guten Auftragslage“ verkauft. Da es innerhalb der Familie und der Belegschaft keinen Nachfolger gab, waren sie „auf Empfehlung der Handwerkskammer“ auf den späteren Inhaber aufmerksam geworden. „Er hat auf uns einen guten Eindruck gemacht“, erinnert sich Monika Holtsträter. 

Die beiden Brüder waren nach dem Verkauf nur noch stundenweise in beratender Funktion in ihrem ehemaligen Betrieb tätig, um den neuen Inhaber und Geschäftsführer zu unterstützen. „Irgendwelche Befugnisse hatten wir jedoch nicht.“ Ihr Vertrag wäre am 31. Dezember 2017 ausgelaufen – eigentlich. 

Denn aus verschiedenen Gründen ging es mit der Firma, wie die beiden berichten, binnen kurzer Zeit bergab. Rechnungen seien seitens des neuen Eigentümers und Geschäftsführers nicht bezahlt worden. Er habe nicht auf Reklamationen reagiert und sei Aufträgen nicht nachgekommen. Dann bekamen sie mit, dass sich die Schulden häuften und die Bank Alarm schlug. Also entschieden sich die Holtsträters dazu, den Betrieb wieder zu übernehmen und ihren Nachfolger freizustellen. „Wir haben sämtliche Schulden übernommen“, so Friedhelm Holtsträter. Es werde sicher einige Monate dauern, bis sie den Scherbenhaufen, den der Geschäftsführer hinterlassen habe, zusammengekehrt hätten. „Bislang kannte ich so etwas nur aus dem Fernsehen. Ich hätte nie gedacht, dass uns so etwas mal passiert“, ergänzt sein Bruder Horst. 

Doch warum tun sich die Brüder nach einem arbeitsreichen Leben das alles noch einmal an und nehmen sogar einen Kredit auf? Nun, dafür haben sie, wie sie sagen, drei mehr als gute Gründe. Zum einen besteht zu dem Betrieb, den ihr Vater nach dem Krieg aufgebaut hat, eine „emotionale Bindung“. Dann seien da die 17 Angestellten, die ansonsten ihren Arbeitsplatz verloren hätten. „Einige von ihnen sind seit der Lehre bei uns. Und das ist auch schon 40 Jahre her“, sagt Friedhelm Holtsträter. Und schließlich seien da die Kunden, von denen viele der Firma auch schon seit Jahrzehnten die Treue hielten. 

Ziel von Horst und Friedhelm Holtsträter wird es in den kommenden Wochen vor allem sein, den Fachbetrieb wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken und das teilweise verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Und wenn die Auftragslage es hergibt, werden sie selbst zu den Kunden fahren und ihr handwerkliches Know-how einbringen. 

Irgendwann in absehbarer Zeit werden sich Friedhelm und Horst Holtsträter wieder auf die Suche nach einem Nachfolger machen müssen, was aber nicht leicht werden dürfte. Denn für Betriebe in NRW wird die Nachfolgesuche in den kommenden Jahren immer schwieriger. Darauf macht unter anderem die Industrie- und Handelskammer NRW aufmerksam. Der Nachfolge-Mangel beschäftigt mittlerweile sogar die Landespolitik und war in der vorigen Woche Thema im Wirtschaftsausschuss. 

Und was sagt der ehemalige Inhaber? Der WA konnte zwar per Mail Kontakt zu ihm aufnehmen. Die Frage, warum es zu der Fast-Insolvenz gekommen ist, beantwortete er aber nicht. Telefonisch war er für den WA nicht zu erreichen.

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