Selmigerheide

Förderung vom Land? Diskussion um Bürgerhaus in Wiescherhöfen

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Für viele Vereine, Gruppen und Organisationen ist das Gemeindehaus der evangelischen Kirche an der Weetfelder Straße im Moment die erste Anlaufstelle.

Selmigerheide – In der Selmigerheide gibt es seit der Schließung von „Haus Refus“ keinen Gastronomiebetrieb, der auch als Versammlungsstätte für Vereine genutzt werden kann. Aus diesem Grund will die SPD-Bezirksfraktion die Verwaltung damit beauftragen, zu prüfen, ob durch das Förderprogramm „Soziale Integration im Quartier“ eine neue Begegnungsstätte geschaffen werden kann.

Dieser Vorstoß ist bei den Menschen im Ort auf viel Resonanz gestoßen. Der Tenor: Es brauche im Dorf eine zentrale Anlaufstelle für gesellige Stunden und Veranstaltungen, um die gewachsenen Strukturen zu schützen. Eine dieser Stätten war mit der Schließung des „Haus Refus“ Anfang des Jahres weggefallen. Schon früher standen die „Mausefalle“ und das „Haus Bürger“ aus unterschiedlichen Gründen als Treffpunkte nicht mehr zur Verfügung.

Ein Ort, der offenbar in der öffentlichen Wahrnehmung bisher eine eher untergeordnete Rolle spielte, ist das Gemeindehaus an der Friedenskirche. Pfarrer Matthias Eichel, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Presbyteriums ist, hatte das Gemeindehaus zuletzt als möglichen Ankerpunkt ins Spiel gebracht.

Gemeindehaus ohnehin Anlaufpunkt vieler Gruppen

Das Gemeindehaus diene als Versammlungsraum für die Vereine und Gruppen des Stadtbezirkes: Bürgergemeinschaft und Gartenbauverein, Landfrauen und Turnverein nutzten das Gemeindehaus regelmäßig für Veranstaltungen und Feierlichkeiten, Schützengesellschaft und ARGE nun auch. Die Grundschule sei zu Gast, das DRK richte Blutspendetermine dort aus, das Gemeindehaus sei Wahllokal für die Stadt Hamm, die Awo biete Kleinkindgruppen an, es fänden Seniorengymnastik und offene Angebote statt. Darüber hinaus werde das Gemeindehaus gerne für private Feierlichkeiten genutzt. Deshalb sei das Gemeindehaus viel mehr als eine „Notlösung“ für die aktuelle Situation.

„Dass die Kirche das Gemeindehaus so schnell ins Spiel gebracht hat, hat mich überrascht. Wir sehen das aber sehr positiv“, erklärt Axel Püttner, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands. „Diese Reaktion bestätigt uns, dass der Bedarf da ist. Das Gemeindehaus hat zusammen mit dem Netto in der unmittelbaren Nachbarschaft auch Zentrumscharakter für die Selmigerheide.“

Miteinander im Dorf könnte stärker sein

Das Kneipensterben in der Selmigerheide – Auslöser der derzeitigen Debatte – sieht Püttner derweil auch ein Stück weit darin begründet, dass sich die unterschiedlichen Gruppen des Ortes vorwiegend in ihren jeweiligen Vereinsheimen versammeln. Auch von anderer Stelle ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass das Miteinander nicht besonders ausgeprägt sei und es „Scheuklappen-Denken“ gebe. Viele Bürger, die einen Anlaufpunkt für gesellige Abende vermissen, begrüßen die Diskussion über einen Förderantrag im Rahmen des Programms „Soziale Integration im Quartier“ dennoch. Trotzdem gibt es Vorbehalte über die lange Dauer des Verwaltungsprozesses und der Trägerschaft, für die sich auch erst einmal jemand finden müsse.

Das "Haus Refus" ist derzeit geschlossen.

"Pils-Asyl" noch nicht angenommen wie erhofft

Ein Versuch, für kurzfristige Abhilfe zu sorgen, ist bislang nicht geglückt. Im Februar hatte der TuS Wiescherhöfen den ehemaligen Refus-Gästen im Vereinsheim an der Wielandstraße „Pils-Asyl“ angeboten. Die Ausweitung der Öffnungszeiten sei aber noch nicht wie erhofft angenommen worden, erklärte der 2. Vorsitzende des Sportvereins, Marc Lapcevic. „Bisher hat sich aus dem Dorf noch niemand blicken lassen. Es sind immer Leute da, die kommen aber eher aus dem direkten Umfeld der Anlage.“ Für viele Bürger sei der Weg über die Bahnlinie wohl weiterhin eine – zumindest gedankliche – „Hürde“.

Püttner rechnet ohnehin nicht mit einer kurzfristigen Lösung für das Dilemma. Zunächst müsse die Förderfähigkeit des Projektes geklärt werden. Erst dann könne ergebnisoffen nach einem realistischen Standort gesucht werden, der für alle Interessengruppen geeignet ist. „Das ist in zwölf Monaten nicht lösbar“, meint der SPD-Mann. Trotzdem sei die aktuelle Debatte ein guter erster Schritt in die richtige Richtung. Püttner: „Wenn man nicht aufbricht, kann man schließlich auch nicht ankommen.“

Um dieses Förderprogramm geht es:

Unter dem Titel „Soziale Integration im Quartier“ brachte die schwarz-gelbe Landesregierung unter Federführung des Heimatministeriums 2017 ihr erstes Förderprogramm heraus. Ziel ist unter anderem die Schaffung von Orten der Integration und des sozialen Zusammenhalts. Gefördert werden können Einrichtungen in Gebieten, die in Programmen der Städtebauförderung aufgenommen sind. Die Förderung erfolgt in Höhe von 90 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Für das Jahr 2019 ist die Einreichungsphase für Projektanträge am 28. Februar verstrichen. Wie 2017 und 2018 stehen in diesem Jahr etwa 55 Millionen Euro bereit. Zu welchen Konditionen das Programm 2020 aufgelegt wird, ist noch nicht bekannt.

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