Wenn der Transformer knabbert: Hightech-Abrissbagger an der St.-Paulus-Kirche

+
Wenn die St.-Paulus-Kirche demnächst abgerissen wird, wird das mit einem Hightech-Bagger geschehen, an dem man unterschiedliche Werkzeuge relativ leicht wechseln kann. Am Mittwoch stellten Mitarbeiter der Abbruch-Firma den Bagger vor.

Lohauserholz - Seine Verwandlungskunst erinnert an die Fantasieroboter Transformers. Tatsächlich handelt es sich aber bei der Spezialbaumaschine vor der ehemaligen St.-Paulus-Kirche um einen hochmodernen, brandneuen Abrissbagger. Die 40-Tonnen-Maschine des Herstellers Kiesel kann gut ein Dutzend riesige Stahlwerkzeuge im Handumdrehen wechseln. Beim Abriss der Kirche wird sie aber voraussichtlich nur zwei brauchen

Auf dem Grundstück der St.-Paulus-Kirche brechen neue Zeiten an: einerseits durch die dort geplanten 18 barrierefreien Wohnungen und fünf Miet-Reihenhäuser, andererseits durch den Abrissbagger, der am Mittwoch Station vor dem ehemaligen Gotteshaus bezog und die Blicke Technikbegeisterter auf sich zog. Direkt aus dem Werk kommend, stellt der 40-Tonnen-Koloss einen Meilenstein der Technik dar. Er wechselt die Werkzeuge quasi im Handumdrehen, nur dass er eben nicht ein handlicher Akkuschrauber ist, sondern eine tonnenschwere Spezialmaschine.

Nur eine Minute statt zwei Stunden

Von einem „Zeitsprung“ spricht Maschinist Stefan Braun, wenn er sich in den fabrikneuen Kiesel Multi Carrier (KMC) 400, wie der Abrissbagger heißt, setzt. Seit 30 Jahren ist er im Geschäft und weiß zu gut, was es heißt, ein Werkzeug am Bagger zu wechseln. Allein für die Hydraulikschläuche und Bolzen brauche er zwei Stunden; mit dem KMC sind es wenige Minuten – noch. Als er am Mittwoch den langen Ausleger vom Auflieger nahm, dauerte es vielleicht eine Minute, bis die Hydraulikanschlüsse vollautomatisch einrasteten. Und dabei hatte er den Arbeitsvorgang erst zum dritten Mal durchgeführt.

Ein 24 Meter langer Arm

Schnelligkeit ist die eine Sache, Flexibilität die andere. So wurde noch ein 24-Meter langer Ausleger angeliefert. Der reicht bis zu einem achten oder neunten Stockwerk oder eben an die Spitze des Kirchturms der St.-Paulus-Kirche. Aber der Turm soll ja stehen bleiben. Und ob der lange Ausleger überhaupt auf der Baustelle benötigt wird, steht noch nicht fest. So ein „langer Arm“ hat aber auch den Vorteil, dass der Baggerführer sich im sicheren Abstand zum Abrissobjekt befindet.

Hightech-Abrissbagger an der St.-Paulus-Kirche

Zu den technischen Raffinessen des KMC gehört unter anderem eine Kamera, die genau zeigt, wo der Abbruchgreifer hinlangt, und eine Wasserversorgung, damit sich der Staub beim Abbruch in Grenzen hält. „Die Technik ist unglaublich“, sagt Braun. Es gebe Zeitersparnis ohne Ende. „Im Prinzip brauche ich nur noch fahren und Diesel tanken.“

Sonderbaumaschine nur selten zu sehen

Seit drei Jahren stellt die Firma Kiesel mit Hauptsitz in Süddeutschland auf Basis eines Hitachi-Baggers den KMC her. Die in Lohauserholz ausgelieferte Maschine sei die 16., die in diesem Jahr in Europa ausgeliefert worden sei, sagt Oliver Plattes von Kiesel. Also, oft wird man der Sonderbaumaschine wohl nicht begegnen, auch wenn die Westfälische Bau- und Abbruchservice GmbH (WBA) mit Hauptsitz in Kamen sie geordert hat.

Multifunktionswerkzeug in Übergröße

„Wir werden sie bundesweit einsetzen“, sagt WBA-Geschäftsführer Jörg Schäperklaus. Ansonsten würden sich die rund 1,3 Millionen Euro kaum rechnen. Es sei die bislang größte Einzelinvestition des Unternehmens. So teuer ist die Maschine samt eines Spezialaufliegers, mit dem künftig Bagger und 24-Meter-Ausleger zusammen transportiert werden. So reist künftig nicht mehr ein ganzer Fahrzeugpark zum Ort des Abrisses, sondern nur das flinke Multifunktionswerkzeug in Übergröße mit einem kleineren, überschaubaren Team.

Abriss beginnt in etwa eineinhalb Wochen

Bis der KMC in Lohauserholz zum Einsatz kommt, wird es noch einige Tage dauern. Derzeit läuft die Sicherung von Material sowie die Entkernung der ehemaligen Kirche und des benachbarten Abbé-Stock-Hauses. Schäperklaus schätzt, dass der eigentliche Abbruch in etwa eineinhalb Wochen beginnen kann. Für den Rückbau rechnet er mit vier Wochen. Die Übergabe des Grundstücks dürfte demnach im Laufe des Dezembers erfolgen, so dass direkt im Anschluss die ersten Bauarbeiten beginnen könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare