"Es brennt, es brennt": Wie die Bewohner den Flammen im Hochhaus entkamen

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Die Familie Engelhardt suchte nach der Evakuierung des Hochhauses die Bürgerhalle auf, wo das DRK die Bewohner betreute.

Hamm - Rund 60 Hausbewohner wurden Dienstagnacht aus dem brennenden Hochhaus Am Pelkumer Bach evakuiert. Drei von ihnen berichten vom Rettungseinsatz und über die Stunden des Ausharrens, bis die Hausbewohner wieder zurück in ihre Wohnungen durften.

Rainer Kesting hat die Ruhe weg. Vom Brand fünf Etagen über ihm habe er zunächst nichts mitbekommen. „Erst meine Frau hat mich geweckt und auf die Feuerwehrfahrzeuge vor unserem Haus hingewiesen“, erzählt der Pelkumer. Im Flur habe er dann auch schon die ausgerollten Feuerwehrschläuche gesehen. Dennoch: Eilig hatte es Kesting auch angesichts dieses bedrohlichen Szenarios nicht. Er habe erst in Ruhe einen Kaffee getrunken und sei dann nach draußen gegangen, wo auch schon seine Frau auf ihn wartete. Zusammen mit rund 20 anderen Bewohnern wurde Kesting dann später mit dem Bus in die Bürgerhalle gebracht, wo er vom DRK betreut wurde. Den Mann, in dessen Wohnungen das Feuer ausgebrochen war, habe er persönlich nicht gekannt, sagt Kesting, der auch acht Stunden nach dem Brand die Ruhe selbst ist. „Ändern können wir eh nichts.“ 

Gefasst wirkt auch Ruth Reuvers, die in der ersten Etage wohnt. „Mein Ex-Mann, der seine Wohnung in der 7. Etage hat, hat mich über den Brand informiert.“ Er habe nicht einschlafen können, als plötzlich der Rauchmelder in der Nachbarwohnung angeschlagen habe. „Er war es auch, der die Feuerwehr informiert hat. Ohne ihn wäre alles noch viel schlimmer geworden“, ist Reuvers überzeugt. Sie selbst habe sich umgehend angezogen, habe ihrem Blindenhund das Geschirr angelegt und habe die Wohnung verlassen. In Begleitung der Feuerwehr sei sie dann später noch einmal zurückgekehrt, um Medikamente zu holen.

Zum Bericht über das Feuer im Hochhaus hier klicken 

Trotz ihrer Behinderung kommt Ruth Reuvers „prima alleine zurecht“. Nachdem sie eine Zeit lang vorm Haus gestanden habe, habe sie den Vormittag bei einer Freundin und später beim Nähen in der evangelischen Kirchengemeinde verbracht. „Als die Polizei mir dann sagte, dass ich wegen der Ermittlungen und der Stromabschaltung noch nicht zurück in meine Wohnung kann, bin ich zur Bürgerhalle gegangen“, erzählt die Pelkumerin.

Ruth Reuvers und ihre Nachbarn haben an diesem Vormittag nur ein Thema: die Ereignisse wenige Stunden zuvor. Und noch etwas haben sie gemeinsam: Sie möchten alle so schnell wie möglich in ihre Wohnungen zurück. „Denn ich brauche meine vertraute Umgebung“, so Reuvers.

Zu den Evakuierten gehört auch Robert Engelhardt mit seiner Familie. „Wir wurden durch die Klingel geweckt.“ Als er die Tür öffnen wollte, habe er den Trubel im Treppenhaus und die Rufe „Es brennt, es brennt“ bemerkt. Man habe die Kinder geweckt, ihnen etwas Warmes übergeworfen und ganz ruhig das Haus verlassen, so der Familienvater. Unten habe man sich später ins warme Auto gesetzt und habe dann die Bürgerhalle aufgesucht. „Die Betreuung durch das DRK war aus meiner Sicht sehr gut.“ Man sei mit Essen und Trinken versorgt worden und sei ständig auf dem Laufenden gehalten worden, schildert Engelhardt.

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