"Als Mensch und Arzt versagt"

Nacktaufnahmen von Patientin: Geldstrafe für Hammer Arzt

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Symbolbild

Hamm - Weil er eine seiner Patientinnen sexuell missbraucht und unter anderem Nacktaufnahmen von der 30-jährigen Frau gefertigt hat, ist ein 48-jähriger Arzt aus Hamm vor dem Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt worden.

Das Urteil gegen den in Hamm praktizierenden Mediziner fiel unter anderem wegen seines umfassenden Geständnisses und der für ihn vernichtenden beruflichen Folgen vergleichsweise mild aus. Der Arzt hatte gleich zu Beginn der Verhandlung eine persönliche Erklärung abgegeben und die ihm gemachten Vorwürfe eingeräumt. Dem aus Werl stammenden Opfer blieb es so erspart, im Zeugenstand zu den im November 2015 geschehenen Übergriffen vom Gericht befragt zu werden.

„Ich habe in der Situation als Mensch und Arzt versagt“, erklärte der merklich unter Druck stehende Mediziner und entschuldigte sich bei der 30-jährigen Frau. Ebenso bat er seine Familie, Mitarbeiter und Kollegen sowie die Öffentlichkeit um Verzeihung.

"Eigenes Leben in Trümmer gelegt"

Warum er durch sein Tun „sein eigenes Leben in Trümmer gelegt“ (O-Ton des Anklagevertreters) hat, blieb für alle Beteiligten ein Rätsel.

Der Mediziner hatte seine Patientin, die an einem Husten und einem Hautausschlag litt, am 18. November 2015 – einem praxisfreien Mittwochnachmittag – zu sich einbestellt. Er forderte die Frau auf, sich vollständig zu entkleiden und fertigte unter dem Vorwand, dies sei für die medizinische Dokumentation nötig, mit seiner privaten Spiegelreflexkamera eine nicht näher bezifferte Anzahl von Fotos. Auch untersuchte er ihren Intimbereich mit einem Ultraschallgerät, drang mit dem Finger in sei ein und lichtete die Frau in einem Nebenzimmer auf einem Teppich – wegen des „besseren Kontrasts“ – ab.

Trotz allen Unwohlseins ließ die Patientin im Vertrauen auf das ärztliche Behandlungsverhältnis zunächst alles mit sich geschehen. Am nächsten Tag konsultierte sie ihren Gynäkologen und wandte sich schließlich an die Polizei.

Zulassung inzwischen zurückgegeben

Mehr als zwei Jahre dauerten die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Um ausschließen zu können, dass es keine medizinische Indikation für diese Art der Behandlung gegeben hatte, wurden von der Staatsanwaltschaft zwei Gutachten in Auftrag gegeben.

Harsche Kritik gab es am Vorgehen eines Hammer Chefarztes, der mit einem dritten Gutachten den angeklagten Kollegen hatte entlasten wollen. In Unkenntnis der Fotos hatte dieser Mediziner nach Auffassung des Gerichts ein reines Gefälligkeitsgutachten erstellt und das Ermittlungsverfahren so in die Länge gezogen und die Leidensphase für das Opfer verlängert.

Strafverteidiger Dr. Michael von Glahn erklärte in seinem Plädoyer, dass die bürgerliche Existenz seines Mandanten nunmehr vernichtet sei. Seine Zulassung als Kassenarzt habe er bereits vor acht Wochen zurückgegeben, hatte der angeklagte Arzt zuvor ausgeführt. Er habe nun kein Einkommen mehr und lebe von seinen Ersparnissen.

Urteil für Patientin aus Werl in Ordnung

Im Nachgang zum Strafprozess, in dem er wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses verurteilt wurde, droht ihm nun ein mehrjähriger Entzug der Approbation durch die Bezirksregierung. Bis zu acht Jahre sind hier im Gespräch; indem das Gericht auf eine Geldstrafe erkannt hat, könnte diese Zeitraum nun kürzer ausfallen. Der Vorsitzende Richter Burkhard Schulze-Velmede erklärte in seiner Urteilsbegründung, dass er in dem standesrechtlichen Verfahren auf eine „weise Entscheidung“ der dann zuständigen Gremien hoffe.

Unter Tränen verfolgte die 30-jährige Patientin, die als Nebenklägerin aufgetreten war, die Urteilsbegründung. Noch während des Prozesses hatte Rechtsanwalt von Glahn ihr ein Kuvert seines Mandanten mit 2000 Euro Schmerzensgeld überreicht. „Für uns ist das Urteil in Ordnung. Wir wollten, dass Reue gezeigt wird. Aber wir haben kein Interesse daran, dass dem Mann die Approbation entzogen wird“, sagte der Rechtsbeistand des aus Werl stammenden Opfers.

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