Einige Hausärzte weisen Impfwillige ab

Patienten in Hamm in Sorge: Wird Grippe-Impfstoff knapp?

Eine Ärztin hält eine Spritze mit Grippeimpfstoff empor.
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Es sieht nicht danach aus, als könnten alle Impfwilligen in diesem Jahr auch eine Grippeschutzimpfung erhalten.

Ärzte und Apotheker in Hamm erklären, dass sich in diesem Jahr aufgrund der Coronapandemie viele Menschen gegen die Grippe impfen lassen wollen. Doch offenbar fehlt Impfstoff.

Hamm – Knapp 40 Prozent der Bevölkerung hat in diesem Jahr vor, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Das schätzt Martin Schwarzer, Apotheker an der Bahnhofstraße. Doch ob jeder Impfwillige eine Spritze bekommt? Danach sieht es nicht aus, sagt Schwarzer. Patienten berichteten dem WA, ihr Arzt habe sie nach Hause geschickt: Er habe keinen Impfstoff mehr, hieß es.

Bei Schwarzer häufen sich Anfragen von Ärzten, die Impfstoff nachbestellen wollen. Die meisten gehen leer aus, sagt Schwarzer, der zugleich Vorsitzende der Bezirksgruppe des Apothekerverbundes Westfalen-Lippe ist. In früheren Jahren ließen sich etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung impfen. „Nun ist die Nachfrage viel größer“, sagt er. Die Pandemie habe dazu geführt, dass sich mehr Menschen um ihren Gesundheitsschutz kümmern.

Politiker rieten schon im Sommer zur Impfung auf

Zudem hatten viele Politiker, darunter Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, schon im Sommer zur Grippeschutzimpfung aufgerufen. Eine Grippewelle und die Coronapandemie gleichzeitig verkrafte das Gesundheitssystem nicht, wird er zitiert. Das Bundeskabinett beschloss im April, mehr Grippeimpfstoff zu bestellen: eine „nationale Reserve“ sollte beschafft werden. Im vergangenen Winter standen in Deutschland 21 Millionen Impfdosen zur Verfügung, berichtete die Pharmazeutische Zeitung. In diesem Jahr sollten es vier weitere Millionen sein.

Doch kommt die nationale Reserve an? Man habe davon nichts gehört, berichtet der Hammer Apotheker Schwarzer. Ähnlich wenig Informationen zur Verteilung von Impfstoff haben Hausärzte, wie Dr. Matthias Bohle erklärt. Er ist Vorsitzender des Hammer Ärztevereins. „Die Nachfrage nach Impfstoff von Seiten der Patienten ist deutlich höher als sonst“, berichtet er. Aktuell habe er noch Impfstoff, dennoch habe er etwas nachbestellt. Er weiß aber nicht, ob etwas davon bei ihm ankommt.

Es dauert Monate, Grippeimpfstoff herzustellen. Ärzte bestellen das Mittel deshalb bereits im Frühjahr, geben dann auch die Mengen an. „Viele Kollegen sind dabei sehr zurückhaltend“, sagt Bohle: Schließlich hätten die Krankenkassen in der Vergangenheit Regress gefordert, wenn ein Arzt mehr Impfstoff bestellte, als er brauchte. Im April hatte sich das Bundeskabinett zwar darauf geeinigt, die Regressforderungen weniger streng zu handhaben. Doch der Beschluss kam erst, als die meisten Praxen ihre Impfdosen längst geordert hatten.

Im Notfall kann man auch zum Kinderarzt

Gehen Impfwillige also leer aus? Danach sieht es aktuell nicht aus. Es gibt weiter Hausarztpraxen mit genügend Impfstoff. Auch viele Kinder- und Jugendärzte deckten sich damit ein. „Wir haben genug Impfstoff“, sagt etwa Dr. Johannes Jeßberger, Kinderarzt in Hamm. Auch seinen Kollegen gehe es so. Oft impfe er die Eltern und Großeltern von Kindern mit, die in seine Praxis kommen.

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