Aus Heinrich-Luhmann-Straße wird Ketzlick-Straße

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Recht kurzfristig soll das Straßenschild ausgetauscht werden.

UENTROP - Die Heinrich-Luhmann-Straße wird schon bald nach dem in Bad Hamm tätigen Pater Bernhard Ketzlick (1907 bis 1951) benannt. Eine kleine Kommission der Bezirksvertretung Uentrop beschloss am Dienstag in einer nichtöffentlichen Sitzung die Umbenennung.

Vorausgegangen war in den vergangenen Wochen eine zum Teil hitzig geführte Diskussion über den Heimatdichter und Hammer Ehrenbürger Heinrich Luhmann (1890 bis 1978), der schließlich als erwiesener Unterstützer der nationalsozialistischen Idee und als NS-Bürokrat in die Kritik geraten und daher als Namenspate nicht mehr haltbar war.

„Die Entscheidung wurde einstimmig getroffen“, erklärte Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch im Nachgang zur Sitzung. Er bedauerte nur, dass trotz Einladung an alle Bezirksvertreter lediglich fünf gekommen waren. Vertreten waren die CDU und die SPD. „Wir haben den Namen Ketzlick-Straße erst einmal gewählt, damit er nicht zu lang wird“, sagte Pförtzsch. Mit dem künftigen Straßenschild soll aber eine kurze Erklärung zur Person angebracht werden.

Die Kommission, zu der vor nicht ganz zwei Wochen nach dem Beschluss der Bezirksvertretung zur Umbenennung eingeladen worden war, folgte der Empfehlung von Ute Knopp. Die Leiterin des Stadtarchivs hatte die insgesamt acht Namensvorschläge zuvor überprüft und der Kommission vorgestellt. Die Wahl fiel auf Pater Ketzlick, weil er als Ordensbruder der Hiltruper Herz-Jesu-Missionare im ehemaligen „Klösterchen“, Ostenallee 88, als Seelsorger wirkte. Heute erinnert an der Stelle ein „Stolperstein“ an ihn.

„Er ist eine Persönlichkeit aus dem Widerstand im Hammer Osten“, begründete Pförtzsch die Entscheidung. Alle anderen Vorschläge, davon drei von Bürgern und nicht von den Parteien, gaben den Bezug zur Örtlichkeit nicht her, seien deshalb aber nicht uninteressant gewesen.

Wegen seiner kritischen Predigten hatte es die Gestapo Ende Juli 1941 im Zuge des so genannten „Klostersturms“ auf Pater Bernhard Ketzlick abgesehen. Die Geheime Staatspolizei fand allerdings nichts. Pater Ketzlick, der unbeirrt an seinem Widerstand gegen das Unrechts-Regime festhielt, wurde trotzdem verhaftet. Nach Gefängnisaufenthalten in Hamm, Dortmund und Bochum und nach Verhören und Einzelhaft kam er im Januar 1942 ins Konzentrationslager nach Dachau, wo er die Seelsorge fortsetzte. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg. Erkrankt an Lungentuberkulose starb er aber bereits im Februar 1951 in einem Lungensanatorium an den Folgen der KZ-Haft und der Erkrankung. Seine letzte Ruhestätte hat er auf dem Klosterfriedhof in Hiltrup.

Mit der Umbenennung der Straße will sich die Bezirksvertretung Uentrop, wie in der jüngsten Sitzung angekündigt, nicht lange Zeit lassen. „Wir werden jetzt versuchen, eine Dringlichkeitsentscheidung herbeizuführen“, sagte Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch, „damit die Stadtverwaltung den Beschluss schnell umsetzen kann.“ Bis zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung soll nicht gewartet werden. Sie ist erst im Februar. Dann hat das Gremium nur noch die Dringlichkeit zu beschließen. - ha

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