Kein einziges Mal auf der Bühne?

Wegen Corona: Das Leiden der Hammer Partyband Querbeat

Die acht Bandmitglieder (von oben links nach unten rechts) Melina, Theo, Thomas, Patrick, Dietmar, Benedikt, Miklas und Jenny können im Moment nicht gemeinsam proben.
+
Die acht Bandmitglieder (von oben links nach unten rechts) Melina, Theo, Thomas, Patrick, Dietmar, Benedikt, Miklas und Jenny können im Moment nicht gemeinsam proben.

Die Schützenfestsaison in Hamm ist vorbei, ehe sie überhaupt angefangen hat. Und das trifft nicht nur die Schützen selbst und die vielen Menschen, die mit ihren feiern wollten. Das trifft auch die Bands, die auf den Schützenfesten für Stimmung sorgen. Eine davon ist die Hammer Partyband Querbeat.

Hamm – „Unsere Saison ist so gut wie gelaufen“, sagt Benedikt Kämper, Trompeter der Band, und fügt hinzu: „Es kann sein, dass wir in diesem Jahr kein einziges Mal auf der Bühne stehen.“

Gleich die erste Verpflichtung der Band fiel dem Virus zum Opfer. Die achtköpfige Combo sollte am 4. April bei einer Hochzeit spielen. Doch die hat das Brautpaar kurzerhand abgesagt. Nur die beiden, Mann und Frau, hätten vor dem Standesbeamten ihre Ehe schließen können, die Party hingegen wäre ausgefallen. „So haben die beiden den schönsten Tag in ihrem Leben nicht vorgestellt. Jetzt wird die Hochzeit später nachgeholt“, weiß Kämper. Das gilt auch für eine weitere Hochzeit; ein drittes Brautpaar, bei dem Querbeat im Oktober spielen soll, hofft noch, dass dann die Corona-Beschränkungen aufgehoben sind. Und Querbeat hofft mit ihnen.

Absage für Tanz in den Mai

Ebenfalls abgesagt ist der Tanz in den Mai in Warendorf, bei dem die acht Hammer auftreten sollten, und die komplette Schützenfestsaison in der Lippestadt. Alleine in Hamm hätte die Band auf vier Schützenfesten spielen sollen, gebucht war Querbeat auch für zwei Schützenfeste in Werne sowie die Feste in Nordbögge, Hilbeck und Werl. „Da sind auf einmal riesige Lücken im Kalender“, sagt Kämper.

Fast alle Bandmitglieder haben einen richtigen Beruf und können die finanziellen Ausfälle durchstehen. Gitarrist Miklas „Micki“ Böhmer hingegen ist gleich doppelt von den Corona-Beschränkungen betroffen: Er kann weder mit der Band auftreten noch als Gitarrenlehrer seinem Job nachgehen. So fehlen dem Studenten gleich zwei Einnahmequellen.

Keine Proben und Auftritte

Die meisten der Bandmitglieder stecken das, was bei den Schützenfesten und anderen Gigs hereinkommt, gleich wieder in ihr Hobby: „Ich wollte mir eigentlich dieses Jahr eine neue Trompete kaufen“, sagt Kämper. Das wird jetzt erst mal verschoben.

Und wegen des Coronavirus dürfen die acht Freunde nicht nur nicht gemeinsam auf der Bühne stehen, auch die Proben können nicht stattfinden. „Unser Probenraum ist so klein, da können wir nie die eineinhalb Meter Abstand halten“, sagt Kämper.

Querbeat sorgt normalerweise – wie hier in Nordbögge – auf Schützenfesten für Stimmung.

Und ohne Auftritte habe es auch keinen Sinn zu proben. Für die Schützenfestsaison studiert die Band neben den Klassikern auch immer aktuelle Hits aus den Charts ein. Doch viele Titel haben nur eine geringe Halbwertzeit, die meisten Hits von heute dürften schon im kommenden Jahr keinen mehr auf die Tanzfläche locken.

Und so haben sich die acht Musiker – sechs Männer und zwei Frauen – schon seit Wochen nicht mehr gemeinsam gesehen. „Wir wollen demnächst mal gemeinsam skypen“, sagt Kämper. Eine gemeinsame Probe sei jedoch auf die Entfernung via Skype, Zoom oder sonstiger Portale nicht möglich.

Gemeinsam musizieren dank Internet

Trotzdem hat Querbeat es geschafft, auch auf die Entfernung gemeinsam Musik zu machen. Die acht Bandmitglieder haben – jeder für sich den Hit – „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper aufgenommen. „Das war gar nicht so einfach“, sagt Kämper. Jeder habe mit Metronom arbeiten müssen, damit am Ende alles zusammenpasst. „Auf der Bühne kann man manchmal ein bisschen schludern, hier mussten wir alle sehr präzise im Timing sein“, so Kämper. Drummer Patrick Kohler hat aus den acht einzelnen Parts ein Video geschnitten und Bassist Thomas Eberhardt hat für den richtigen Ton gesorgt.

Und das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen. Seit Dienstag ist das Video auf der Facebook-Seite der Band eingestellt und bereits nach zwei Tagen haben es mehr als 3000 Leute gesehen. „Normalerweise erreichen wir mit unseren Posts 1000, maximal 1500 Klicks. Dass das Video so gut ankommt, hätten wir selbst nicht gedacht“, sagt Kämper.

Doch so schön die Kommentare auf Facebook sind, den direkten Austausch mit dem Publikum bei einem Livekonzert können sie nicht ersetzen. Und so hoffen die acht Bandmitglieder, dass vielleicht doch, der eine oder andere Gig in diesem Jahr möglich sein wird. Die jetzt frei gewordenen Schützenfesttermine wollen sich alle trotzdem freihalten. „Vielleicht dürfen wir dann ja irgendwann zumindest wieder gemeinsam proben“, hofft Kämper, „Zeit haben wir dann ja alle.“

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare